Kultur
11.05.2017

"Raving Iran": Kurze Ekstase der Freiheit

Eindrucksvolle Doku über die verbotene Techno-Szene im Iran.

Schon der Filmtitel präsentiert einen krassen Widerspruch, denn im Iran gibt es keinen Rave. Techno und House sind in dem islamischen Land strengstens verboten, Pop, Rock oder Metal ebenso. Doch zum Alltag der Iraner gehört es, sich im Verborgenen einige Freiräume zu schaffen, immer verbunden mit der Gefahr, entdeckt zu werden. Und so gibt es, trotz aller Widrigkeiten, eine lebendige Technoszene im Untergrund Teherans.

Anoosh und Arash heißen zwei ihrer Helden, die im Mittelpunkt stehen. Die beiden sind Mitte zwanzig und bringen als DJs die Leute mit ihren Techno- und House-Mixes zum Tanzen – immer kurzfristig angekündigt, immer an anderen Orten, immer bereit, genauso plötzlich zu verschwinden wie sie auftauchen. Partys, auf denen unverheiratete Frauen und Männer gemeinsam feiern sind verboten.

Subkultur

Ohne Genehmigung drehte die deutsche Regisseurin Susanne Regina Meures das Geschehen mit kleinen Kameras und Smartphones, die dem Film eine ganz eigene Ästhetik aus Unmittelbarkeit, Bewegung, Radikalität und zittriger Beklemmung verleihen. Zu den eindrucksvollsten Szenen zählt ein Rave-Abenteuer in der Wüste, bei dem die Teilnehmer im heißen Sand und im Schutz der Dunkelheit tanzen, essen und trinken. Der Film bietet Einblicke in die Lebendigkeit einer urbanen jugendlichen Subkultur, die unter das Diktat einer religiös verbrämten Staatsdoktrin gezwungen ist. Bilder als Ausdruck der Perspektivlosigkeit einer Generation. Bilder von Menschen, die für wenige Stunden einen Ausbruch wagen, obwohl sie wissen, dass die kurze Ekstase der Freiheit jederzeit ein jähes und brutales Ende haben kann. Da sie für sich und ihre Musik im Iran keine Zukunft sehen, nehmen die beiden daraufhin Kontakt zu Schleppern auf. Am Ende zeigt der Film seine Protagonisten bei einer Street-Parade in Zürich, mitten in der größten Techno-Party der Welt.

"Wir wollen nicht, dass ihr zurückkommt", sagt die Mutter. Ebenso tragisch wie lakonisch beschreibt dieser Satz den ewigen Zwiespalt von Exilanten.

Text: Gabriele Flossmann

INFO: Schweiz 2016. 90 Minuten. Von Susanne Regina Meures. Mit Anoosh & Arash.

KURIER-Wertung: