© dpa-Zentralbild/Hendrik Schmidt

Kultur
10/06/2020

Rasanter Buchwandel: Pandemie verändert den Buchhandel

Digitaler, persönlicher: Thalia-Geschäftsführer Zehetner über die Folgen der Pandemie für die Branche.

von Georg Leyrer

Pandemie und Bücher, das ist zwar eine Zwangsehe – aber, so denkt man sich, eine die funktionieren müsste: Als das Land stillstand, bot sich das Lesen als Zu-Hause-Beschäftigung an. Doch auch der Buchmarkt stand natürlich vor großen Problemen: Die Geschäfte waren zu, bestehende Online-Angebote mussten rasch hochgefahren werden. Im ersten Halbjahr verzeichnete der Buchmarkt ein Minus von 8,6 Prozent, mit Stand Ende August waren es noch 6,8 Prozent.

Und der Herbst gestaltet sich weiter schwierig: Die für Verlage und den Handel wichtige Buch Wien musste abgesagt werden, die für ganz Europa wichtige Frankfurter Buchmesse findet ohne Verlegerpräsentationen und großteils online statt. Und wie das so lebenswichtige wie dicht gedrängte Weihnachtsgeschäft stattfinden kann, wird mit Spannung erwartet.

Not macht erfinderisch

Die Not jedenfalls macht erfinderisch. Viele kleine Buchhändler haben ihren Service ausgebaut. Österreichs größter Buchhändler, Thalia, ebenso. Und man hat sich noch auf eine weitere Art gerüstet: Mit Oktober gibt es in drei Filialen in Wien und Linz von außen zugängliche Bücherklappen, aus denen kontaktlos online bestellte Bücher rund um die Uhr abgeholt werden können. Mehr sollen folgen.

„Wir gehen davon aus, dass das Weihnachtsgeschäft eine Herausforderung sein wird“, sagt Thalia-Geschäftsführer Thomas Zehetner zum KURIER. Wegen Abstandsregeln, auch wegen der Vorsicht der Kunden vor vollen Geschäften. So könnte die Pandemie den Buchhandel nachhaltig verändern.

15 Prozent des Umsatzes kamen bei Thalia vor der Pandemie aus dem Online-Handel. „Eigentlich eh viel“, sagt Zehetner. „Aber in der Situation natürlich viel zu wenig.“ Damit konnte man die geschlossenen Filialen nicht kompensieren. Dennoch merkt man bis heute eine Kanalverschiebung: „Es wird mehr online gekauft“ als vor der Pandemie. Dementsprechend rüstet das Unternehmen auf: So versucht man, die persönliche Nähe zum Buchhändler zu betonen – und auch digital umzusetzen.

„Abstandsregeln und Nähe – das scheint ein Widerspruch“, sagt Zehetner. Jedoch seien „die allermeisten“ der 750 Mitarbeiter „Buchhändler. Die haben Beratungskompetenz und unterscheiden sich von Algorithmen“. Daher sollen diese als „Lieblingsbuchhändler“ auch Online-Präsenzen in der Thalia-App bekommen – und dort persönliche Empfehlungen abgeben. Und rechtzeitig für das Weihnachtsgeschäft sollen die Kunden ihre Bücher direkt in der Filiale via App selbst einscannen und bezahlen können – „um „Kassenschlangen zu vermeiden“.

Wofür die Pandemie (ein bisschen wider Erwarten) nicht gesorgt hat, ist ein Boom bei den eBooks: Die bleiben seit ein, zwei Jahren konstant bei 5 bis 7 Prozent des Buchvolumens, sagt Zehetner. Doch man hat das Angebot „aus Corona heraus“ weiterentwickelt: Es gibt ein Flat-Rate-Abo (lesen, so viel man will, wie bei Streamingfernsehen), und eine Buchpauschale (mit einer fixen Zahl von monatlichen Büchern). Idente Abos gibt’s bei Hörbüchern; die sind sehr stark am Wachsen, sagt Zehetner – insbesondere bei Kindern. Und ein Kombi-Abo soll irgendwann nahtloses Lesen zwischen Hörbüchern und eBooks verwirklichen; man soll zu Hause lesen und im Auto weiterhören können, wo man aufgehört hat.

Mit all dem tritt man direkt in Konkurrenz zu Amazon – hat man da aufgeholt? „Schwierig zu sagen. Unterm Strich ist das der große Gewinner der Krise.“

Aber insgesamt sei der „Buchhandel relativ gut durch die Pandemie gekommen. Persönliche Nähe, Regionalität wurde zum Thema. Das hat dem Markt gar nicht so schlecht getan.“

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