„Faschos bei der Polizei“: Wegen dieses Songs wurde Danger Dan aus ZDF-Sendung ausgeladen
Danger Dan
Das ZDF hat einen Auftritt des Musikers Danger Dan in der Satire-Sendung „Die Anstalt“ wegen eines Songtextes kurzfristig gestrichen. Der Rapper sei für die 100. Ausgabe der Sendung eingeladen gewesen, die sich mit wachsender politischer Radikalisierung und der Wehrhaftigkeit der Demokratie auseinandersetze, teilte das ZDF in Mainz auf Anfrage mit. Der Musiker kritisierte die Absage und sprach von einem Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit.
So klingt der Song „Keine Angst“:
Danger Dan besingt darin Maßnahmen „linker Straßenpolitik“ gegen das zunehmende erstarken rechtsextremer Gruppierungen, etwa Graffiti absetzen oder Veranstaltungen gegen rechte Gewalt ausrichten. In einer Art Anleitung, wie man sich dagegen wehren kann, rät er zu Verschwiegenheit, „auch die Sicherheitsbehörden werden sich schnell interessieren“.
„Alles, was verboten sein könnte, immer nur Face to Face“, singt er. Handys solle man wegen Überwachungsmaßnahmen zuhause lassen. Auch habe man früher Zettel mit den Adressen und den Arbeitgebern von Rechtsextremen aufgehängt und auch Schulen etc. angerufen, um diese über die Tätigkeiten Rechtsextremer zu beraten: „Passt soetwas in eure Firmenphilosophie?“
Man solle sich aber nicht auf den deutschen Staat verlassen: „Es gibt so viele Faschos bei der Polizeit“, singt Danger Dan. „So mancher Polizist steht für die AfD zur Wahl.“
Und über die Aktionen gegen Rechtsextreme: „Keine Angst, die sehen gefährlich aus, aber wir legen sie lang. Koordiniert euch, fangt an zu trainieren. Wenn ihr zusammen kämpft, dann kann es funktionieren.“ Es bestehe „die Möglichkeit, dass es vor der Türe kracht. Also plant immer mit der Konfrontation. Habt Überraschungen dabei, wenn sie kommen.“
Damit sei er an der „Grauzone geschrammt“, singt Danger Dan, ohne es weiter auszuführen.„Ist dir klar, was zu tun ist? Ich sag nichts mehr dazu“. Dann richtet er liebe Grüße an vier (Vor- bzw. Spitz-)Namen aus - allem Anschein nach Personen, die wegen Angriffen auf Rechtsextreme bekannt wurden.
Vorgesehen war laut ZDF der Auftritt Danger Dans gemeinsam mit dem Pianisten Igor Levit mit dem Song „Keine Angst“, in dem es um das Thema „Widerstand gegen Rechtsextremismus“ gehe. Der Liedtext könne aber als Aufruf zu Gewalt verstanden werden, teilte das ZDF weiter mit. „Ein solcher Aufruf stünde im klaren Widerspruch zu den Programmrichtlinien des ZDF.“
Bei der Vorbereitung der Sendung habe man sich redaktionell intensiv damit beschäftigt, auch die Geschäftsleitung des Senders sei beteiligt gewesen. Man sei zu der Bewertung gekommen, dass dieser Widerspruch im Anschluss an die mehr als siebenminütige Live-Performance auf der Bühne nicht mehr aufzulösen gewesen wäre, erklärte das ZDF.
Musiker sieht Eingriff in Meinungs- und Kunstfreiheit
Vor diesem Hintergrund sei entschieden worden, „sich zeitnah dokumentarisch-journalistisch mit dem Lied von Danger Dan zu befassen und an einer anderen Stelle im Programm aufzuarbeiten“. Das Veto gegen den Auftritt in der Sendung sei ganz kurz vor der Aufzeichnung gekommen, hieß es in einer Mitteilung der Promotion-Agentur Check Your Head.
Danger Dan schrieb auf Instagram, er und Igor Levit hätten einen wunderschönen freien Tag in München gehabt, allerdings unverhofft, eben wegen der Absage. Eine offizielle schriftliche Begründung für die Ausladung habe man vom ZDF bisher nicht erhalten. Das Lied habe dem Sender seit Wochen vorgelegen. Danger Dan sprach von einem Eingriff in die Meinungs- und Kunstfreiheit.
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