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Kultur
09/12/2019

Rapper Dame kämpft gegen gängige Rap-Klischees

Der Salzburger erklärt im KURIER-Interview, warum er lieber poetisch als diskriminierend rappt.

„Da reimt einer superwitzige Sachen, die sein Gegenüber total intelligent verarschen, aber keiner im Publikum reagiert. Dann kommt zurück: ,Du hast einen kurzen Schwanz‘ und alle applaudieren und johlen. Ich dachte immer: Wieso? Der erste Reim war doch viel kreativer, lustiger und cooler!“

Im KURIER-Interview erinnert sich Rapper Dame, der gerade sein achtes Album „Zeus“ veröffentlicht hat, an die Zeit, als er sich als Teenager bei Open-Mike-Sessions und Rap-Battles herumtrieb. Heute hält der als Michael Zöttl geborene Salzburger bei 200 Millionen Clicks für seine YouTube-Videos und hat sich im gesamten deutschsprachigen Raum als eine Szene-Größe etabliert. Und das, obwohl er sich seit dieser Zeit bei den Battles konsequent weigert, sich gängigen Hip-Hop-Klischees zu beugen. „Ich habe zwar gesehen, dass die primitiven Reime viel besser ankommen. Aber ich dachte, nein, auf dieses Niveau will ich mich nicht begeben. Da muss es einen anderen Weg geben. Den bin ich dann gegangen.“

Seither setzt der 29-Jährige auf poetische Raps, die ohne Schimpfworte und Diskriminierung von Frauen auskommen, und hält in seinen Aussagen auch auf „Zeus“ wieder Werte wie Familie, Freundschaft und Zusammenhalt hoch. Musikalisch mischt er wie immer Hip-Hop und Pop, baut viel Melodie ein, weil er auch gerne singt und nicht einsieht, warum er das nicht tun sollte.

Denen, die ihn anfänglich dafür kritisierten, erteilt er mit dem „Zeus“-Einstiegstrack „Herrscher des Olymp“ eine Absage. „Als ich anfing, war die Szene nach melodischen Anfängen mit Leuten wie Absolute Beginner von den harten Sounds des Labels Aggro Berlin geprägt. Deshalb habe ich damals häufig gehört: ,Das ist nicht Hip-Hop, das ist nicht Gangsta, das ist Pop und verträgt sich nicht mit dem Image!‘ Heute gibt es mit Cro und Alligatoah viele, die so melodisch sind wie ich. Aber ich war einer der Ersten.“

Gleich in drei Songs von „Zeus“ beschäftigt sich Dame mit Drogenkonsum und macht sich speziell in „Nie ohne mein Lean“ über den Trend lustig, in den heutigen Raps Rauschmittel zu verherrlichen. „Ich habe in meinem Umfeld und meinem Freundeskreis hautnah mitbekommen, wie es Leuten geht, die ein Drogenproblem haben. Das war so abschreckend, dass ich selbst nie ein Problem damit hatte. Aber genau deshalb finde ich es nicht gut, wenn in fast jedem Song, der heute rauskommt, Gras und Drogen so hingestellt werden, als wäre es das Beste, was man machen kann. Man sollte genau das Gegenteil tun, wenn man Vorbildwirkung hat.“

Wie fühlt sich Dame dann, wenn er seine Kollegen RAF Camora und Bonez MC auf der Bühne sieht, die diese Attitüde auf die Spitze treiben und von Tausenden Teenagern dafür umjubelt werden? „Es ist immer eine Frage der Dosis. Auch Alkohol kann total schlecht sein, aber gegen ein paar Bier mit Freunden ist nichts einzuwenden. Ich kenne RAF persönlich, das ist ein großartiger Musiker und Produzent und privat ein superlieber Kerl. Der Song geht nicht gegen ihn oder einen anderen speziellen Rapper. Er will einfach nur sagen: Es gibt auch andere Themen, es muss nicht in jedem Song um Drogen gehen.“

DAME MIT "ZEUS" AUF TOUR

3. 10.  Wien/Gasometer

4. 10.  St. Pölten/Warehouse

5. 10.  Linz/Posthof

10. und 11. 10. Graz/PPC

12. 10. Klagenfurt/Stereo

und 2020:

7. 2.  Dornbrin/Conrad Sohm

8. 2.  Innsbruck/Music Hall

13. 2. Salzburg/Rockhouse

Tickets und alle weiteren Infos gibt es unter www.damestream.at