© Kurier/Jeff Mangione

Gespräch
08/30/2020

Rapper Dame hat sich die Angst zum Freund gemacht

Der Salzburger erzählt im KURIER-Interview, wie er seine Panikattacken besiegt hat und wie seine Rock-EP entstanden ist

von Brigitte Schokarth

„Ein Koch wird immer gebraucht!“ Rapper Dame grinst, wenn er erzählt, wie er mit diesem Gedanken die Zukunftssorgen in der Corona-Zeit besiegt hat. Denn natürlich ist der als Michael Zöttl geborene Salzburger, ein gelernter Koch, weit davon entfernt, auf diese Notlösung zurückgreifen zu müssen.

Auch ihn hat der Lockdown hart, schnell und mitten in einer Deutschlandtour getroffen: „Wir hatten alles aufgebaut, der Soundcheck war fertig und die Fans standen draußen, als der Anruf kam, dass wir zusperren müssen“, erzählt der im Interview mit dem KURIER. „Dann haben wir alles wieder abgebaut und sind heimgefahren. Aber es hatte auch etwas Gutes. Denn wir hatten in der Ruhephase Zeit, die Abläufe in meiner Firma Damestream-Records zu optimieren. Und ich brauche selbst keinen großen Sportwagen und bin als Firmenchef schon so verantwortungsbewusst, dass ich schaue, dass immer genug Geld in der Kasse ist, um auch solche Zeiten durchzustehen und weiter produzieren zu können. Ich musste niemanden entlassen und niemanden in Kurzarbeit schicken.“

Leidgetan hat es Dame für seine Tour-Crew. Einer seiner Lichttechniker musste Jobs als Maurer suchen: „Die wissen alle nicht, wie sie über die Runden kommen sollen!“

Dame selbst schrieb, wie zwischendurch ohnehin auch früher schon, verstärkt Songs für Austropop-Künstler. Für wen, sagt er aber auch jetzt nicht, da hält er sich immer noch lieber im Hintergrund.

Noch wichtiger aber: Er erfüllte sich den lange gehegten Wunsch, eine EP mit Rock-Songs aufzunehmen. Sie heißt schlicht „Rock-EP“ und ist soeben erschienen. Mit Songs wie „Lasst Uns“ und „Hauptsache Echt“ lässt er die Gitarren röhren, als wolle er bald am Nova Rock auftreten, legt beeindruckenden Gesang oder druckvolle Raps drüber.

Bemerkenswert ist der Song „Sie Läuft“, wo Dame auf das Thema häusliche Gewalt eingeht. Die Idee dazu kam aber nicht von den steigenden Fallzahlen in der Lockdown-Zeit: „Einige der Texte der EP liegen schon länger herum. Wir haben zuerst geschaut, zu welchen von denen passen harte Gitarrenriffs. Und dann schon auch, welche in diese Zeit passen. Aber geschrieben habe ich den Text, weil ich tatsächlich viele Mädels in meinem Freundeskreis habe, die sehr unter ihren Ex-Freunden gelitten haben und von ihnen der Freiheit beraubt wurden.“

Von sich selbst spricht Dame in dem Song „PANIK!“. Denn eine Zeit lang litt er an heftigen Panikattacken. „Begonnen hat das auf Tournee. Ich bekam Angina, spielte aber noch zehn Shows mit Angina weiter. Zwei Tage vor dem Ende der Tour habe ich dann die erste Panikattacke bekommen, weil ich körperlich zu weit an die Grenze gegangen war.“

Es hat lange gedauert, bis die Panikattacken milder und seltener wurden. Dame musste lernen, damit umzugehen.

„Ich tue jetzt noch alles, um ein Aufflammen zu verhindern. Wenn ich im Stress bin, trinke ich zum Beispiel keinen Alkohol. Denn eine schlimme Attacke hatte ich, als ich einmal in so einer Situation Wein getrunken habe. Ich hatte mit der Panik auch immer Schwindel-Anfälle, habe mir deshalb Sicherheitsnetze gelegt, sonst hätte ich mich nicht einmal getraut, mit dem Hund zu gehen. Ich habe zu meiner Freundin gesagt, wenn ich in 20 Minuten nicht zurück bin, ruf mich an. Da wusste ich, ich werde gefunden, wenn etwas passiert, denn sie kannte meine Gassi-Route.“

Heute kann Dame die Panik, die sich nur mehr in Anflügen zeigt, als Freund sehen: „Sie sagt mir, dass ich zu viel arbeite, wenn ich es selbst nicht merke.“

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