© The Metropolitan Museum of Art, New York

02/12/2020

Radierungen in der Albertina: Besessen von hauchzarten Linien

Mit der Schau „Die frühe Radierung“ kann die grafische Sammlung ihre Stärken ausspielen

 Das Medium der Druckgrafik bringt in vielen Menschen obsessive Züge zum Vorschein. Zeitgenössische KunstschaffendeVija Celmins oder Kiki Smith seien hier als Beispiele genannt – experimentieren mitunter jahrelang, um die gewünschten Tiefenwirkungen oder Konturen in ihren Drucken zum Vorschein zu bringen. Auf der Seite des Publikums stehen ihnen ebenso detailversessene Geister gegenüber: Die Fähigkeit, zwischen verschiedenen Abzügen, Techniken und Linienqualitäten zu differenzieren, mag heute nicht mehr so en vogue sein, galt aber häufig als Inbegriff des Kennertums. Nicht zuletzt bei Herzog Albert von Sachsen-Teschen, dem Gründer der Albertina.

Die Schau „Die frühe Radierung von Dürer bis Bruegel“ führt ins Herz der grafischen Sammlung des Hauses. Sie vermag es, wenn schon nicht Kennerschaft, dann doch zumindest Begeisterung für die hoch entwickelte Bildproduktion zu entfachen, die in Deutschland um 1495 ihren Ursprung hatte.

Von Waffen abgeschaut

In der für ihre Waffenschmieden bekannten Stadt Augsburg kam damals der in Schmiede- und Druckkunst gleichermaßen bewanderte Daniel Hopfer auf die Idee, die Ätztechnik zur Verzierung von Waffen für Drucke zu nutzen: Statt Motive direkt in eine Metallplatte zu ritzen, wird das harte Material mit einer Wachsschicht überzogen. In diese lässt sich mit einem Griffel leicht ritzen („radieren“). In einem Säurebad fressen sich die Linien danach ins Metall, das schließlich als Druckplatte dient.

„Der Strich ist in der Radierung leichter und spontaner“, erklärt Albertina-Chefkurator Christof Metzger, der die Wiener Schau mit Co-Kuratorin Julia Zaunbauer gestaltete. Anders als beim Holzschnitt und Kupferstich, wo Vorlagen von geübten Handwerkern umgesetzt werden mussten, konnten Kreative direkt auf die beschichtete Platte zeichnen, so Metzger: „Man ist der Hand des Künstlers hier am nächsten.“

Europa radiert

Ausgehend von Werken des „Erfinders“ Daniel Hopfer verfolgt die Albertina-Schau die Anwendungen der damals neuen Technik – zunächst in Deutschland und der Schweiz, wo Albrecht Dürer, Albrecht Altdorfer oder Urs Graf Andachtsbilder, Porträts und auch zotige Motive als Radierungen ausführten.

Ein umfassender Bereich gilt den Niederlanden, wo der Antwerpener Verleger Hieronymus Cock ab der Mitte des 16. Jahrhunderts die Produktion und den Handel mit Radierungen professionalisierte. Pieter Bruegel der Ältere gehörte zu jenen Künstlern, die maßgeblich zum Bilderfundus Cocks beitrugen – dass er eigenhändig eine Druckplatte bearbeitete, ist nur bei einem Blatt, der „Hasenjagd“ von 1560, belegt: Das Werk gehört als besondere Rarität zu den Glanzstücken der Schau.

Doch auch sonst kann die Zusammenstellung, die zweifellos Geduld erfordert und verlangt, sich in das Bildformat „einzusehen“, begeistern. Wie etwa Dürer vermochte, allein mit Linien im Bild „Die große Kanone“ den Raum zu staffeln, vom titelgebenden Motiv im Vordergrund bis zu den Masten einiger Schiffe am Horizont: Unglaublich!

Kunst-Drucke

Francesco Parmigianino kombinierte die Radierung wiederum mit Techniken wie dem Farbholzschnitt, um die Druckgrafik mehr nach Malerei aussehen zu lassen: Das Verfahren diente auch dem Zweck, berühmte Gemälde, etwa von Raffael, europaweit sichtbar zu machen.

Viel ließe sich noch über die Mediengeschichte der Druckgrafik erzählen, doch dies ist nicht das zentrale Ansinnen der vorliegendenAusstellung. Dafür ist es gut möglich, dass der Funke der Obsession für die Eigenheiten der Radiertechnik hier überspringt: In manchen Bildern lässt sich gar erkennen, wenn die Druckplatte verrostet war. Man könnte Stunden mit der Suche verbringen.

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