© Rita Newman

Kritik
01/15/2020

Premiere: Nina Proll lästert über die Belästigten

Premiere von "Kann denn Liebe Sünde sein" im Rabenhof: A bisserl tief, aber eh urlieb.

von Werner Rosenberger

Kaisermühlen hat den Blues. Die Landstraße hat Nina Proll. Die aus den „Vorstadtweibern“ bekannte Schauspielerin fragt sich im Rabenhof: „Kann denn Liebe Sünde sein?“ Wir fragen uns: Wie sehr darf man sich mit Tralala künstlerisch versündigen am Zarah-Leander-Signature-Song?

Egal. Die Sünde ist ohnedies nur der rote Faden eines Abends, der suggeriert: Das lose Mundwerk hat immer Saison in einer One-Woman-Show, die mit der Attitüde von resolut in die Hüften gestemmten Armen daherkommt – als Gute-Laune-Party mit Trio und 21 (Cover-) Songs von Elvis bis Grönemeyer, Donna Summer bis Michael Jackson, Tina Turner bis Katy Perry. Wobei die Proll gesanglich am besten ist, wenn sie am wenigsten schrill ist: Bei der als zweite Zugabe wiederholten „Bad Romance“ von Lady Gaga. Und beim pointierten „Meine Freiheit, Deine Freiheit“ von Gerhard Bronner.

Nebenbei lästert die Proll gern über die Belästigten in einer Zeit, in der Respekt und Rücksichtnahme keine harte Währung mehr sind. Und fragt: Darf eine Frau in der U-Bahn essen? Nicht, wenn sie eine Dame ist, möchte man sagen. Nicht, wenn ihr Gschamsterer mit Pizzaresten die Öffis zumüllt.

Worum geht’s sonst? Um den Kampf gegen die „patriarchalische Unterdrückung“. Um Erotik und Frivoles. Um Geistreicheleien, wie getextet von der berühmten Philosophin Polly Adler. Um die Frau, „das einzige Raubtier, das dem Jäger auflauert“. Um Sex und einen von Frau vorgespielten Orgasmus ...

Und dann sagt Nina Proll: „Eine Frau ist ja keine Seife. Sie wird ja nicht weniger, wenn mehrere sie benützen.“

Nur: Wer will schon benützt werden, Frau Proll?

Das hat dann doch etwas viel von Weibertratsch in der Vorstadt. A bisserl tief, aber eh urlieb.

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