Kultur 20.05.2018

Porzellan im Wiener MAK: Schön, weiß, spröde

© Bild: MAK/Georg Mayer

Die Schau „300 Jahre Wiener Porzellanmanufaktur“ zeigt ein zentrales Kulturgut vergangener Tage, scheitert aber an dessen Vermittlung

Die „Maladie de porcelaine“, die „Porzellankrankheit“, erlebte kürzlich erst wieder einen Fieberschub: Umgerechnet 1,5 Millionen € zahlte ein Bieter am 9. Mai für ein Service aus dem Besitz des US-Milliardärs David Rockefeller. Ein stolzer Preis, und doch ein geringer Betrag angesichts dessen, was Superreiche des 21. Jahrhunderts für zeitgenössische Trophäen-Kunst ausgeben.

Abseits des Sammlermarkts ist die Begeisterung für das „weiße Gold“ abgekühlt. Das Verständnis dafür, was Porzellan einst für höfische und bürgerliche Kultur, für den Kulturaustausch zwischen Europa und Asien und – als kostbares Geschenk – für diplomatische Beziehungen bedeutete, muss erst wieder in Erinnerung gerufen werden.

Bruchstücke

Die Ausstellung „300 Jahre Wiener Porzellanmanufaktur“ wäre ein guter Startpunkt, um diese Wissenslücken zu kitten – allein, es gelingt nur bruckstückhaft. Denn angesichts der unglaublichen Fülle der Exponate – 1249 Objekte sind ausgestellt, was wiederum nur rund einem Drittel des musealen Depotbestandes entspricht – kommt die Vermittlung der Materie zu kurz.

Dabei gäbe es so viele Geschichten zu erzählen: Allein die Räuberpistole von der Gründung der Wiener Manufaktur, für die der „Arkanist“ Christoph Konrad Hunger 1717 nach Wien abgeworben wurde, ist hochspannend. Hunger behauptete, dem Meißener Alchemisten Johann Friedrich Böttger das Geheimnis zur Herstellung echten Porzellans im Suff abgeschwatzt zu haben; Böttger war wiederum vom Sachsenfürst August dem Starken gefangen gehalten und gedrängt worden, Gold herzustellen. Diese Versuche blieben erfolglos, doch Böttger kam der Fertigung des Porzellans auf die Schliche.

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© Bild: MAK - Österreichisches Museum f/MaK/Mika K. Wisskirchen

In der Porzellangasse

Die Wiener Manufaktur, an dessen einstigen Standort heute noch die Porzellangasse im 9. Wiener Bezirk erinnert, war zunächst lange ein defizitärer Betrieb, bis Maria Theresia die Anstalt 1744 in kaiserlichen Besitz brachte und für offizielle Anlässe einspannte. Die Regentin soll einst selbst die krakeligen Buchstaben „M T“ auf jenes Häferl gepinselt haben, das nun in einer der vielen Vitrinen zu sehen ist.

Später beauftragte Kaiser Franz I. die Manufaktur mit einem Prunkservice, das dem Duke of Wellington 1820 als Dank für den Sieg über Napoleon bei Waterloo überreicht wurde: Die als Leihgabe aus London angereisten Gefäße sind gewiss ein Highlight der Schau.

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© Bild: Georg Mayer

Dennoch wird das Verständnis ob nun aus symbolischer oder handwerklicher Perspektive, nicht angefacht. Sind die Vitrinen zur Frühzeit noch gut überschaubar, so fehlen im weiteren Verlauf Fokuspunkte. Die Anordnung nach Direktions-Epochen ergibt nicht zwingend einen Sog, dem der Laie zu folgen geneigt ist.

Zum 300. Gründungsjubiläum der Manufaktur, die 1864 aufgelöst und 1924 als „Augarten Porzellan“ neu gegründet wurde, sei die Schau für das MAK, das den Nachlass bewahrt, „Pflicht“, sagt Kurator Rainald Franz. Das ist richtig – doch eine zeitgemäße Vermittlung kann bei diesem Anlass nicht bloße Kür sein. Es bleibt die Hoffnung auf weitere Ausstellungen zu dieser an sich hochinteressanten Materie.

bis 23.9., MAK, Wien.  Im Porzellanmuseum Augarten ist ergänzend die Schau „Ewig schön“ zu sehen.

( kurier.at , hub ) Erstellt am 20.05.2018