© Thomas Nitz/Pressefoto

Kultur
02/11/2022

Pigor & Eichhorn: Mit Hirn, Charme und Salon-HipHop

Das Berliner Musikkabarettisten Duo ist mit „Volumen X“ ab 24. Februar und im Winter live in Österreich zu erleben

von Werner Rosenberger

Thomas Pigor war noch auf Entspannung programmiert beim KURIER-Anruf in Berlin mit der saloppen Frage: „Und wie urlaubt eine Rampensau?“

Die Antwort des fränkischen Wahl-Berliners überrascht. „Ganz solide. Eigentlich wollten meine Frau und ich ans Meer fliegen, sind aber daheim geblieben und besuchen heute Nachmittag ein Museum.“

Bissig und pfiffig

Jetzt ist das Duo Pigor & Eichhorn wieder zurück auf der Bühne. Mit ihrem Dauerbrenner „Pigor singt. Benedikt Eichhorn muss begleiten“.

Mit neuem Programm. Nach der für sie charakteristischen Nummerierung ist es das zehnte. „Volumen X“.

Pigor & Eichhorn sind live in Österreich am 24. 2. im Linzer Posthof, am 25. 2. (Kabarett Niedermair) und 26. 2. im Stadtsaal in Wien; außerdem im Winter ab 15. 12.

Im Gepäck hat das Duo „brandneue Lieder zu zeitlosen und aktuellen Themen“, so Pigor. Einen speziellen Mix aus Provokation und Lust am Neuen, aus ungewöhnlicher Virtuosität in Texten und Musik, aus präziser Beobachtung und gnadenloser Kommentierung des Zeitgeistes.

Und natürlich haben die Musik-Komödianten den Salon-HipHop dabei, den sie erfunden haben, den man auch Chanson-Kunst für das 21. Jahrhundert nennen könnte.

„Cool geswingte Tagespolitik, schmelzend gesungene Alltagsidiotie und brüllend gerappte Nachrichten sind selten so feinsinnig, brachial und urkomisch zugleich dargereicht worden – mit dieser unnachahmlichen Handschrift, die weit über das hinausgeht, was man gemeinhin unter Chanson versteht“, schrieb die Süddeutsche Zeitung über Volumen X.

Seit 1995 agieren sie gemeinsam und sind das Maß der Dinge im deutschen Musikkabarett. Zahllose zeitlose Zauberstückchen entsprangen seither ihrer Zusammenarbeit, ob sie nun „Maulende Rentner“ besangen, den Schlachtruf „Nieder mit IT“ anstimmten, bei „Heidegger“ zungenbrecherisch philosophierten oder sich mit dem „Gastgeber“-Song mehr um deutsche Gastlichkeit verdient machten als alle Fernsehköche zusammen.

„Wir sind wieder da, nach einem Jahr“ heißt es zum Einstieg von „Volumen X“. Willkommen in der Zeitgeisterbahn! In der Show ist unter anderem eine Anti-Corona-Hymne aufs Kabarett zu erleben, mit der scharfsinnigen (und gesteppten) Situationsanalyse „It’s politics stupid“: So nimmt das Duo die sture Generation des Weiterso schonungslos aufs Korn, die „Endzeitomas, Endzeitopas“, die wissen, dass sie längst tot sein werden, wenn der Laden an die Wand fährt. Und lachen. Das Alter allein macht eben noch nicht unbedingt g’scheiter.

Eine Konstantin-Wecker-Parodie – „Rente gehn“ – ist die mit Verve geschmetterte Aufforderung an die ältere Generation, sich doch bitte nicht in die Pension zurückzuziehen und die Arbeit den inkompetenten Jüngeren zu überlassen.

Die Kabarettisten haben auch einen Vorschlag zum Gendern parat: die Einführung des plattdeutschen Plural-S. Polizistens, Musikers, Doktors … würde dann sowohl die männliche, weibliche und diverse Form bezeichnen.

In einem Song verteidigt Pigor im Stile eines 70er-Jahre-Barden die höchst komplexe Political Correctness – zugleich eine Abrechnung mit ihren Auswüchsen „sprachlicher Putzfimmel“ bis hin zur Cancel Culture – und sinniert in „Idioten“ darüber, dass der Prozentsatz an Deppen in jeder Bevölkerungs- oder Berufsgruppe gleich ist.

Jazzige Balladen kontrastieren die energetisch hochtourigen Songs und Jacques Brels Klassiker „Ne me quitte pas“ wird – neu übersetzt: „Bitte mach nicht Schluss!“ – zur Stalker-Hymne, die doch auch etwas Rührendes hat.

Was intelligenter Spaß ist, hat auch einen ernsten Hintergrund. Wenn etwa aus Hubert Schleicherts Buch „Wie man mit Fundamentalisten diskutiert, ohne den Verstand zu verlieren“ zitiert wird und aus Schopenhauers „Die Kunst Recht zu behalten“.

Die Satire des Duos „ist stets aktuell“, fand die Jury des Salzburger Stier, „und meidet weder gesellschaftliche noch politische, weder profane noch vermeintlich sakrale Themen, die aber in einer Weise durchdekliniert werden, wie es nur Pigor & Eichhorn in puncto Inhalt, Durchdringung, Vertiefung, Überraschung, Drehung und Wortwitz gelingt.

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