Kultur 05.12.2011

Peyroux & Brönner: Vielseitiges Doppel

© Bild: Jazz Fest Wien

Ein begeisterndes und abwechslungsreiches Doppelkonzert lieferten am Montag Madeleine Peyroux und Till Brönner im Rahmen des Jazz Fests in der Staatsoper ab.

Unterschiedlicher hätten die beiden Künstler beim Doppelkonzert am Montag in der Wiener Staatsoper nicht sein können: erst ein langbeiniger Till Brönner, der mit seiner Musik, seinem smarten Auftreten und der charmanten Art, nicht nur den weiblichen Teil des Publikums in Verzückung zu versetzen, schon beinahe Popstar-Charakter hat; danach eine x-beinige, unruhig zappelnde Madeleine Peyroux, deren Schrulligkeit, Ecken und Kanten ihrer Stimme erst dieses gewisse Etwas verleiht.

Nicht nur musikalisch lassen sich der deutsche Trompeter und die US-amerikanische Chanson-Sängerin und Songwriterin nicht vergleichen. Beide Künstler lieferten auf ihre Weise an diesem Abend eine brillante Performance.

Geschichtenerzähler

Madeleine Peyroux und Till Brönner begeisterten am Montag mit einem vielseitigen Doppelkonzert.
© Bild: Jazz Fest Wien

"Entschuldigung", sagte Brönner schlicht und grinste, als ihm gleich zu Beginn ein missglückter Ton entfuhr. Es sollte der einzige bleiben. Spätestens ab diesem Zeitpunkt hatte er die Sympathie seiner Zuhörer in der Tasche. Im weiteren Verlauf seiner Darbietung präsentierte er sich charmant locker als einer, der sich seiner Genialität durchaus bewusst ist, sich von dieser aber nicht zu Höhenflügen hinreißen lässt: Immer wieder trat er zurück und stellte seine Bandmitglieder, allen voran seinen nicht minder genialen Konterpart Magnus Lindgren, in den Mittelpunkt. Das Zusammenspiel war perfekt, und die Freude der Musiker am Spielen verschmolz mit der Begeisterung des Publikums zu einem durch Exzellenz und Harmonie geprägten Konzert.

Dieses war vielseitig: eingängige Bossa-Nova-Nummern, Swing und poppiger Jazz, an den richtigen Stellen und im richtigen Maße überarbeitet durch technische Hilfsmittel, geradlinig und doch mit genügend Raum für Improvisation. Einen roten Faden bildeten Till Brönners Erzählungen, die er behutsam einflocht. So trug er beispielsweise einleitend einen Text von Johnny Mercer vor, um anschließend in "Once upon a summertime" mit seiner Trompete jene traurige Liebesgeschichte zu erzählen. Als Zuhörer glitt man über die streichelweiche Musik voller Harmonie der Instrumente hinein in die rosaroten Erinnerungen eines Verliebten - um sich im nächsten Moment mit einem verhallenden Trompetensolo in der Einsamkeit eines leeren Wintertages wiederzufinden. Fabelhaft!

Ecken und Kanten

Madeleine Peyroux und Till Brönner begeisterten am Montag mit einem vielseitigen Doppelkonzert.
© Bild: Jazz Fest Wien

Musikalisch weniger rund trat Madeleine Peyroux auf. Besonders zu Beginn tänzelte sie unruhig herum - auch stimmlich. Sollte es am Lampenfieber gelegen haben, so legte sich dieses nach und nach. Sie taute langsam auf und versuchte sich dem Publikum nicht nur mit einem wienerischen "Küss die Hand" auf eine liebenswert unbeholfene Weise zu nähern. Über ihre Nervosität konnte man nur munkeln. An ihrer Lust und Freude am ebenso verspielten wie beeindruckenden Variieren ihrer Stimme bestand jedoch kein Zweifel. Sie verlieh den kleinen und großen Geschichten in ihren Liedern mit Sinnlichkeit, Anzüglichkeit, Freude, Liebe oder Distanziertheit in der rauchigen Stimme Nachdruck, genau im richtigen Moment und doch immer wieder mit einer Portion Unvorhersehbarkeit und Überraschung. In einem Cover von Bob Dylan wurde die besungene Komplexität des Liebens so nachvollzieh- und fühlbar wie die Innigkeit und Tiefe des Empfindens, die sie in eigenen Liedern wie "This is heaven to me" zum Ausdruck bringt.

Ihre Stücke haben Ecken und Kanten. "Ich singe entweder Liebes- oder Trinklieder", merkte sie augenzwinkernd an. Und mit beidem weiß sie zu begeistern. Das Zusammenspiel mit ihren Bandmitgliedern funktionierte nicht ganz sauber, die dabei entstandenen Reibungen machen jedoch den einzigartigen und unverkennbaren Charme von Peyroux' Musik aus. Lieder wie "Don't pick a fight with a poet" oder "Dance me to the end of love" werden damit erst lebendig.
Gänsehaut!

Erstellt am 05.12.2011