Am 16. September stellt Peter Rosei in der Alten Schmiede, Schönlaterngasse 9, 1010 Wien  „Die Globalisten“ vor

© APA/ROBERT JAEGER

Auch die Kunst will auf der goldenen Kugel tanzen
09/13/2014

Auch die Kunst will auf der goldenen Kugel tanzen

Nach Geldgier und Machtgier kommt die Kunst. Eine Satire, die viel freien Raum lässt.

von Peter Pisa

Peter Rosei sagt, theoretisch könne man lachen über "Die Globalisten".

Kann man ganz sicher nicht.

Der studierte Jurist ist ja ein Meister des Weglassens, dieser härtesten Arbeit eines Schriftstellers. Diesmal hat er so viel zwischen Sankt Petersburg, Wien, Paris, Bukarest, Zürich und Bad Aussee weggelassen, damit die Lesenden eine große, freien Fläche zu beackern haben.

Peter Rosei ist nie eindeutig, und es ist bei ihm auszuschließen, dass man am Ende eines Buches gesättigt ist.

Eigentlich ist in "Die Globalisten" nur das irr tanzende Skelett eines Romans übrig geblieben.

Es will auf der goldenen Kugel tanzen – ganz egal, wohin sie rollt.

Jedenfalls lacht man nicht über die vielen Szenen. Sondern ist (wieder einmal) überrascht von der so einfach scheinenden Geschichte, mit der Peter Rosei sein Sittengemälde l erweitert.

Finger brechen

In "Geld!" (2011) hatte er die neuen Aufsteiger samt Frauen vorgeführt: haltlos, bodenlos und respektlos.

Danach drehte sich die österreichische Welt der "Madame Stern" (2013) allein um gesellschaftliche Anerkennung. Die Titelfigur landete am Gipfel (das war wirklich der Gipfel!), in den Armen des schönen, glatten Machtträgers, der übrigens in Kärnten gewachsen ist ...

Der dritte Teil, "Die Globalisten", ist die deutlichste Satire und holt die Kunst samt weltumfassendem kriminellen Netzwerk ins Land. "Das ist ein bissl wie ein Italo-Western", so Rosei zum KURIER.

Und wie klingt das?

Es klingt nach dem bösen Russen Tschernomyrdin, der mit dem Geldkoffer durch Europa fährt und manchmal jemandem die Finger bricht, indem er zuerst freundlich sagt: "Würden Sie bitte die Schreibtischlade aufmachen?"

Knacks.

Die große Komödie

Es klingt nach einem biederen Schweizer Kaufmann, der fast gekillt wird, aber am Ende dann doch noch ein guter, korrupter Minister wird.

Und nach einem abgesandelten Schriftsteller, der für ein schwindeliges TV-Spiel an der "großen Komödie der Welt" arbeitet. Wobei ihm völlig egal ist, woher sein Honorar kommt.

Die Kunst nimmt. Sie ist Teil der Wirtschaft geworden, Teil des gierigen,tanzenden Skeletts sozusagen.

Der einzige Mensch in dieser Geschichte, der zu Liebe fähig ist und anständig bleibt, wird logischerweise umgebracht.

KURIER-Wertung:

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