Kultur
31.08.2018

Per Gessle ohne Marie auf Roxette-Tour – weil sie es so wollte

Im KURIER-Interview erzählt der Gitarrist, wie es zu der Tour kam und wie es Marie Fredriksson jetzt geht.

Einige Fans sind erbost, dass Per Gessle, der Songwriter von Roxette, ohne seine Partnerin, Sängerin Marie Fredriksson, auf Tour geht. 2002 erkrankte sie an einem Gehirntumor. Nach Operation und Bestrahlung war zwar der Krebs besiegt, aber Teile des Gehirns so geschädigt, dass Fredriksson auf einem Auge fast blind ist, Probleme mit einem Bein und mit dem Sprechen hat.

Am 18. Oktober kommt Per Gessle’s Roxette in die Wiener Stadthalle. Im Interview mit dem KURIER erzählt der Gitarrist, wie es Marie geht und warum er sich zu dieser Tour überreden ließ.

KURIER: Wie kommt es, dass Sie ohne Marie auf Tour gehen?

Per Gessle: Im Frühjahr 2016 sagte mir Marie, dass die Ärzte ihr rieten, mit dem Tourleben aufzuhören. Das kam nicht überraschend, denn bei den Konzerten von 2015 konnte ich sehen, wie sehr es sie anstrengt. Sie musste auf einem Hocker sitzen und hatte beim Singen Probleme mit der Sprache. Sie wollte auch damit aufhören, bevor es richtig schlimm wird und die Shows schlecht werden. Für mich war das sehr traurig. Aber Marie sagte sofort, dass ich mit einer anderen Sängerin weitermachen soll. Das wollte ich aber nicht.

Sie haben stattdessen das nächste Woche erscheinende Solo-Album „Small Town Talk“ aufgenommen . . .

Genau. Denn zu dem Ende von Roxette kam, dass innerhalb von drei Jahren meine Mutter, mein Bruder und meine Schwester an Krebs gestorben sind. Ich hatte sehr viele, sehr persönliche Songs geschrieben, brauchte einen Tapetenwechsel und wollte auch nichts mit dem Roxette-Sound zu tun haben. Also bin ich nach Nashville und habe dort mit großartigen Countrymusikern „Small Town Talk“ aufgenommen.

Wieso haben Sie dann Ihre Meinung geändert und doch alleine mit Roxette weitergemacht?

Ich wollte auf keinen Fall, dass Marie ersetzt wird und eine fixe Sängerin an ihre Stelle tritt. Ich wollte keine neue Roxette-Version ohne Marie, denn sie ist unersetzlich. In Nashville habe ich dann aber Backing-Sängerinnen und Musiker getroffen, mit denen ich unsere Hits in einem etwas anderen Stil präsentieren kann. So werden wir uns die Gesangsparts jetzt zu fünft aufteilen – drei Frauen und zwei Männer.

Was sagen Sie zu der Kritik von Fans, dass es falsch ist, ohne Marie auf Tour zu gehen?

Es ist sehr, sehr traurig, dass Marie nicht mehr dabei sein kann. Vor allem für sie, weil sie immer so gerne auf der Bühne gestanden ist – was der Grund war, dass wir die Tour von 2015 gespielt haben. Aber ich muss jetzt damit leben, dass sie nicht mehr dabei sein kann. Und vielleicht ist es ja eine Ego-Sache – aber diese Songs sind so ein großer Teil von mir, ich will sie einfach weiterhin spielen. Und sie bedeuten auch vielen Andern so viel, dass es schade wäre, sie nicht mehr live zu spielen.

Hätten Sie die Tour auch ohne Maries Zustimmung gespielt?

Ich hätte sie nicht gespielt, wenn es nicht Maries Idee gewesen wäre! Denn sie ist die Art von Person, die niemals ,Nein’ gesagt hätte, wenn ich sie danach gefragt hätte. Dazu ist sie viel zu liebenswürdig und gutherzig.

Wie geht es ihr jetzt? Wäre sie fit genug, bei dem Konzert in Stockholm für einen Song mit auf die Bühne zu kommen?

Nein, ich glaube, das wird nicht mehr passieren. Ich glaube, sie wird nicht einmal zum Zuschauen kommen, sie will einfach nicht mehr ausgehen.

Ist sie in die Arbeit an der 30-Jahre-Jubiläums-Edition des Albums „Look Sharp“ involviert, die im Oktober erscheint?

Daran arbeite ich mit der Plattenfirma. Ich informiere Marie natürlich über alles. Es wird auch ein „Roxette Box-Set“ erscheinen – fünf DVDs mit Konzerten aus den 90er-Jahren, die es früher als VHS-Videos gab. Da sagt sie dann schon mal: ,Nein, dieses Konzert hasse ich, das können wir nicht veröffentlichen!’ Aber im Prinzip steht sie allen Aktivitäten total positiv gegenüber. Auf das Box-Set freue ich mich persönlich sehr, denn Marie war speziell in den 90ern eine so tolle Performerin. Und diese DVDs zeigen sie am Höhepunkt ihrer Schaffenskraft.

 

INFO

Per Gessle's Roxette treten am 18. Oktober in der Wiener Stadthalle F auf und werden sich in der Setlist ganz auf die Hits des Duos konzentrieren. Karten für das Konzert gibt es unter: www.oeticket.com