ORF-Mitarbeiterin zu Vorwürfen gegen Weißmann: "Brauchte Zeit, Angst zu überwinden“

Erstes Interview mit der Frau, die die Vorwürfe erhob. Weißmann will Strafanzeige gegen mehrere Personen einbringen. Mittwoch große KURIER-Debatte um die Zukunft des ORF.
Roland Weißmann.

Jene Frau, die den Rücktritt von ORF-General Roland Weißmann erzwungen hat, hat nun erstmals öffentlich über jene Chats und Telefonate gesprochen, die sie und ihr ehemaliger Chef ausgetauscht haben sollen. Und sie dementiert einige Aussagen, die Weißmann kürzlich via Anwaltsbrief zu seiner Verteidigung vorbrachte.

Weißmann, der die Vorwürfe gegen sich stets dementierte, will wiederum Strafanzeige gegen mehrere Personen einbringen. Gegen wen und weshalb, ist vorerst noch nicht bekannt.

„Ich wusste, dass es nicht einfach werden wird, wenn ich mich wehren werde“, sagt die Frau in einem Interview mit dem Falter. Warum sie erst jetzt an die Öffentlichkeit ging – das Timing knapp vor der Wahl des neuen ORF-Chefs hat für viele Spekulationen gesorgt –, erklärt sie mit Verweis auf weitere Fälle von Machtmissbrauch im ORF. „Ich brauchte Zeit, meine Angst zu überwinden“, sagt sie laut Falter. „Schließlich konnte ich in den letzten Jahren hautnah beobachten, was mit den Frauen passiert, die sich beschweren – vor allem, wenn die betroffenen Männer in der Hierarchie weiter oben stehen.“ 

Gemeint ist, dass interne Untersuchungen rund um Machtmissbrauch mehrfach für die betroffenen Männer weitestgehend folgenlos geblieben waren. Daher wandte sich die Frau direkt an den Stiftungsratsvorsitz – und verlangte, dass Weißmann zurücktritt.

Keine Zitate

Der Falter zitiert unter Verweis auf das Medienrecht nicht direkt aus jenen Chats, die die Frau vorgelegt hat. Sie habe Gedächtnisprotokolle von Telefonaten angelegt. Und sie dementiert das, was Weißmann „einvernehmlichen physischen Kontakt“ nannte, laut Falter „entschieden“. Ein Bussi und eine freundschaftliche Umarmung zur Begrüßung und zum Abschied, das sei alles gewesen, heißt es.

Vom ORF habe sie seit dem Rücktritt Weißmanns niemand kontaktiert. Und nach dem Bekanntwerden der Vorwürfe seien „meine Opferrechte mit Füßen getreten“ worden. „Ich wurde diskreditiert, diffamiert, und es wurde mir sogar unterstellt, die von mir gewählte Vorgangsweise aus sachfremden Überlegungen, gar als Werkzeug einer Männerintrige gewählt zu haben. Ich bin von den Verdrehungen der Tatsachen schockiert und emotional sehr betroffen.“

"Dass Herr Weißmann mit Anwälten und medialer Begleitung gerichtliche Schritte und strafrechtliche Konsequenzen androht, empfinde ich als ein unangenehm durchsichtiges Ablenkungsmanöver und letztlich als ein weiteres Zeichen jenes Verhaltens, das mich in diese Situation gebracht hat", schrieb die Frau später in einer Erklärung, die der Presse vorlag. 

Weiter heißt es in der Erklärung: "An dieser Stelle möchte ich ausdrücklich festhalten, dass ich mit Herrn Weißmann nie eine Affäre hatte und es zu keinem Zeitpunkt zu einem intimen physischen Kontakt zwischen uns kam. Dies bin ich bereit, unter Eid zu erklären. Die Tatsache, dass ich nie sexuellen Kontakt mit ihm wollte und nie eine intime Beziehung zu ihm hatte, wurde mir letztendlich zum Verhängnis."

Der ehemalige ORF-General Weißmann wiederum bringt Strafanzeige ein. Eine rechtliche Prüfung habe den „Verdacht strafrechtlich relevanten Verhaltens mehrerer involvierter Personen“ ergeben, hieß es in einer Aussendung seines Anwalts. Welche das sind, wurde vorerst nicht bekannt gegeben.

Der Medienanwalt Norbert Wess wollte laut APA „nicht vorpreschen“ und konkretisierte die Anzahl der Personen und vermutete Tatbestände nicht. Die Anzeige solle aber in Bälde eingebracht werden.

In der Aussendung wird betont, dass der Ex-ORF-General auch zivilrechtliche Ansprüche geltend machen könnte: „Davon unbeschadet und unabhängig sind sämtliche weiteren Ansprüche von Mag. Weißmann zivilrechtlicher Natur“.

KURIER-Veranstaltung

Seit Weißmanns Rücktritt sind viele Fronten im ORF aufgegangen. Sowohl Weißmann, die Stiftungsratsspitze als auch eine Pensionsregelung für den ORF-Manager Pius Strobl stehen seither in der Kritik. Die Causa wirft auch weitergehende Fragen rund um den ORF auf. Zur Debatte stehen dessen Reformierbarkeit, der politische Einfluss und die internen Grabenkämpfe.

„Ist der ORF noch zu retten?“, fragt dementsprechend  am Mittwoch (18.3.), eine prominent besetzte KURIER-Diskussionsrunde. Über den „Küniglberg zwischen Macht, Intrige und Dauerkrise“ debattieren dabei Philipp König (Geschäftsführer von Kronehit), Medienmanager Hans Mahr, Heinz Lederer, der Vorsitzende des ORF-Stiftungsrats, Neos-Mediensprecherin Henrike Brandstötter und Profil-Chefredakteurin Anna Thalhammer.

Die Veranstaltung im Museumsquartier (Libelle auf dem Leopold-Museum) wird von Anna Wallner (Die Presse) und KURIER-Chefredakteur Martin Gebhart moderiert. Das Interesse ist so groß, dass das Event ausgebucht ist – es gibt jedoch einen Livestream auf kurier.at. Das Gespräch beginnt um 18.30 Uhr, Partner bei dieser KURIER-live-Veranstaltung sind die Kleine Zeitung, Die Presse und das Profil.

Kommentare