Wo im Sommer Oper ernst genommen wird: „Samson et Dalila“ in Klosterneuburg
Die Kombination Oper im Sommer im Freien verspricht meist ein gigantisches Spektakel, bei dem das Werk zur Nebensache wird. In der operklosternuburg geschieht das Gegenteil. Hier wird unverstärkt gesungen. Im zweiten Jahr seiner Intendanz zeigt Peter Edelmann die selten gespielte Oper „Samson et Dalila“ von Camille Saint-Saëns.
Regisseur Mario Pavle del Monaco zeigt die Geschichte von Samson, dem Helden der Hebräer, geradlinig und schlüssig als echtes Historiendrama. Dalila will Samson vernichten, weil er sein Volk erfolgreich zum Aufstand gegen das ihre aufgewiegelt hat. Gespielt wird in historisierenden Kostümen.
Steinblöcke lassen sich auf der Schrägbühne (Hans Kudlich) leicht zum Tempel aufbauen. Das Beste aber: Del Monaco inszeniert die Musik. Dass er gleich zu Beginn auf Saint-Saëns’ ambivalentes Verhältnis zu Richard Wagner eingeht, ist eine Pointe. Die Philisterinnen, die mit ihren Brustharnischen, Helmen und Speeren wie Walküren aussehen, treiben die Hebräer wie Wotans Töchter die Helden, die sie für Walhall erbeutet haben, auf die Bühne. Samson tritt in der Verführungsszene Dalila so entgegen wie Parsifal der Kundry.
Del Monaco setzt auf präzise Personenführung, die jede einzelne Figur charakterisiert, und er achtet auf die Sänger. Während einer großen Arie steht tatsächlich der Interpret im Zentrum. Dennoch zeigt er auch starke Bilder wie orgiastische Tänze und mystische Projektionen. Dass ein Teil davon live die Aktivitäten der Sonne überträgt, ist nicht zu erkennen, wenn man es nicht weiß.
Fordernd
Ein Grund dafür, dass dieses Werk so selten gespielt wird, mag an den fordernden Rollen liegen. Margarita Gritskova verkörpert Dalila als passionierten Rache-Vamp. Im Triumph präsentiert sie Samsons Haarschopf, der ihm übermenschliche Kraft verliehen hat. Ihren satt timbrierten Mezzosopran lässt sie in ihrer Verführungsszene strömen. Kristian Benedikt singt den Samson bereits seit Jahren. Am Premierenabend wirkte er indisponiert. Er hielt sich zunächst sehr zurück, versuchte später ein Husten zu verbergen und schlug sich tapfer bis zum Ende.
Von den anderen Rollen ließ Serban Vasile aufhorchen. Besonders hervorzuheben ist der Chor, der von den Oratorium-artigen Passagen profitiert. Thomas Rösner lässt das wirkliche Drama mit dem nur für das Festival gegründeten Orchester aus dem Graben kommen. Ein weicher, glänzender Streicherklang, ausgezeichnete Bläser zeichnen diesen Klangkörper aus. Viele Bravos. 2027 folgt die „Fledermaus“.
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