Kultur
19.11.2016

Österreichischer Schauspieler Heribert Sasse gestorben

Künstlerische Heimat im Theater in der Josefstadt - Große Zeit im Berlin der 1980er und 1990er

Der österreichische Schauspieler Heribert Sasse ist tot. Er ist heute, Samstag, Mittag im Alter von 71 Jahren plötzlich verstorben. Das teilte das Wiener Theater in der Josefstadt, deren Ensemblemitglied der gebürtige Linzer seit 2006 war, in einer Aussendung mit. Noch vor wenigen Tagen wurde Sasse im Theater in der Josefstadt für seine Rolle als Patriarch Joachim von Essenbeck in der Premiere von "Die Verdammten" bejubelt.

Zuletzt war Sasse vorwiegend auf Wiener Bühnen zu erleben. Seine große Zeit hatte der Linzer Theatermann aber in Berlin, wo er in den 80er und 90er-Jahren Schillertheater, Renaissancetheater und Schlossparktheater leitete.

Sasse wurde am 28. September 1945 in Linz geboren und studierte nach einer Elektrotechnikerlehre am Max-Reinhardt-Seminar Schauspiel. 1968 debütierte er am Wiener Volkstheater und trat danach sowohl an österreichischen als auch an deutschen Bühnen auf. 1970 wurde er an das Berliner Schillertheater engagiert. Später inszenierte Sasse am Theater in der Josefstadt, Volkstheater, bei den Salzburger Festspielen und den Wiener Festwochen.

Ab 1980 reüssierte er als Intendant des Berliner Renaissancetheaters, das er bis zu seinem nächsten Karrieresprung 1985 leitete: Sasse wurde als Nachfolger Boy Goberts zum Generalintendanten der Staatlichen Schauspielbühnen mit den drei Spielstätten Schillertheater, Schlossparktheater und Werkstatt berufen. Als ihm der Senat 1990 ein Mehrheitsdirektorium beistellen wollte, entschied sich Sasse gegen eine Verlängerung seines Vertrages. Drei Jahre später wurde das Schillertheater nach drastischem Sinken der Auslastungszahlen geschlossen. 1995 eröffnete Sasse das Schlossparktheater erneut und führte es als Privatbühne, bis ihm 2002, trotz guter Auslastungszahlen, die öffentlichen Förderungen entzogen wurden.

Josefstadt als künstlerische Heimat

In Österreich war er zwar regelmäßig als Direktor für Theater in der Josefstadt, Volkstheater und Burgtheater im Gespräch, erhielt aber keine Leitungspositionen. Am Volkstheater war er als Schauspieler u.a. an der Seite des damaligen Intendanten Michael Schottenberg in „Indien“ zu erleben. Am Theater der Jugend spielte er den „Herrn Karl“. Seinen 60. Geburtstag feierte er in „Ich, Feuerbach“ von Tankred Dorst auf der Bühne des Volkstheaters. Bei dieser Gelegenheit wurde ihm der Berufstitel Professor verliehen. 2011 erhielt er das Goldene Verdienstzeichen des Landes Wien, 2013 den Titel Kammerschauspieler.

Seit der Direktion von Herbert Föttinger hat Sasse seine künstlerische Heimat im Theater in der Josefstadt. Hier inszenierte er in den vergangenen Jahren „Mich hätten Sie sehen sollen“ und die Brecht-Uraufführung „Die Judith von Shimoda“ und spielte u.a. den Bankier Natter in „Das weite Land“, den Vilhelm Fodal in „John Gabriel Borkman“, den Kommerzienrat Rauch in „Kasimir und Karoline“ oder in den Uraufführungen von Peter Turrinis „Aus Liebe“ und Milan Dors „Die Schüsse von Sarajevo“.

Betroffene Reaktionen

„Tief betroffen und bestürzt“ reagierte das Theater in der Josefstadt auf den plötzlichen Tod von Heribert Sasse. Das Wiener Theater war seit der Spielzeit 2006/2007, als Herbert Föttinger die Direktion übernahm, Sasses künstlerische Heimat. Hier inszenierte er in den vergangenen Jahren „Mich hätten Sie sehen sollen“ sowie die Brecht-Uraufführung „Die Judith von Shimoda“. Als Schauspieler stand Sasse in der Josefstadt gerade in der Rolle des Uralten Stutzer in Ödön von Horvaths „Niemand“ in der Regie von Föttinger sowie als Patriarch Joachim von Esselbeck in Elmar Goerdens Inszenierung von „Die Verdammten“ nach dem Film von Luchino Visconti auf der Bühne. Daneben spielte Sasse auch in Film- und Fernsehproduktionen mit, zuletzt in Franz Novotnys Spionagedrama „Deckname Holec“ (2016).

Josefstadt-Direktor Herbert Föttinger: „Ich bin tief bestürzt über den Tod von Heribert Sasse, das Theater verliert heute mit ihm eine bedeutende Theaterpersönlichkeit. Bewundernswert und beispielhaft war sein Brennen als Theaterdirektor, als Regisseur und als Schauspieler und sein 100 %iger Einsatz für das nächste Projekt. Ich verliere nicht nur einen künstlerischen, sondern auch einen persönlichen Freund, der im Theater in der Josefstadt in den letzten 10 Jahren seine Heimat gefunden hat!“

"Ein weiterer schwerer Verlust für die Bühnenkunst!", schrieb Kulturminister Thomas Drozda auf Twitter. Wiens Kulturstadtrat Andreas Mailath-Pokorny nannte den Theatermacher einen der größten Bühnenkünstler Wiens. „Heribert Sasse zeichnete sich durch Beliebtheit, Bühnenpräsenz und ein unglaublich breites Rollenspektrum aus“, so der Kulturstadtrat in einer Aussendung. Sein plötzlicher Tod sei ein Schock. „Was bleibt, ist die Erinnerung an unzählige, wundervolle Theaterabende des außergewöhnlichen Darstellers und Regisseurs im Volkstheater und auf den Bühnen des Theaters in der Josefstadt“, erklärte Mailath-Pokorny.