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Kultur
03/02/2021

Nova-Rock-Festival: "Regierung hat keinen Mut für eine Entscheidung"

Festival-Veranstalter Ewald Tatar: "Wenn wir ehrlich sind, weiß es eh schon jetzt jeder, dass solche Veranstaltungen im Juni nicht möglich sein werden."

von Brigitte Schokarth

Das größte Festival Englands, das Glastonbury, wurde bereits auf 2022 verschoben. Genauso  Festivals in Belgien und Frankreich. Und jetzt steht fest: Auch das Primavera Sound von Barcelona wird erst im kommenden Jahr wieder stattfinden können. Für das Nova Rock 2021, das von 2. Juni bis 5. Juni in Nickelsdorf geplant ist, gibt es noch keine Entscheidung. Sehr zum Ärger von Veranstalter Ewald Tatar.

KURIER: Sie haben gesagt, dass sie im März wissen müssen, ob Sie das Nova Rock absagen müssen, oder nicht. Was bedeuten die gestrigen Ankündigungen der Regierung jetzt für Ihre Planung dafür?

Ewald Tatar: Ich habe nicht damit gerechnet, dass sie ankündigen, dass wir im April unser Geschäft wieder komplett hochfahren können. Aber ich liege ihnen mit genau diesem Anliegen, dass ich im März wissen muss, ob im Juni Veranstaltungen über 10.000 Leute möglich sein werden, seit Monaten in den Ohren. Da geht es um das Nova Rock und um Green Day und ein paar andere große Veranstaltungen. Aber keiner in der Regierung hat den Mut, diese Entscheidung zu treffen. Ich nehme an, weil sie wissen, dass die Absage so einer Flaggschiff-Veranstaltung ein schlechtes Zeichen für die Stimmung in der Bevölkerung ist. Aber ich werde der Regierung diese Entscheidung sicher nicht abnehmen.

Könnten Sie nicht auch rechtliche Probleme kriegen, wenn Sie von sich aus absagen, ohne dass feststeht, dass die Veranstaltung nicht erlaubt ist, oder die auftretenden Künstler von sich aus absagen?

Rechtliche Probleme hin oder her. Aber wenn wir ehrlich sind, weiß es eh schon jetzt jeder, dass solche Veranstaltungen im Juni nicht möglich sein werden. Wenn ich hernehme, dass sie gestern gesagt haben, dass es möglicherweise im April langsam losgehen kann: Dann werden  - sagen wir ab Mitte April - bestuhlte Veranstaltungen mit sehr geringen Besucherzahlen erlaubt sein. Wenn ich sie fragen würde, könnt ihr euch dann sechs Wochen später ein Nova Rock auf den Pannonia Fields vorstellen, wird die Antwort höchstwahrscheinlich nein sein. Aber dann sollte man das jetzt kundtun. Und ich bin definitiv nicht der, der der Regierung diese Ankündigung abnimmt.

Gab es schon Absagen von Seiten der Künstler? Oder sind die immer noch so hoffnungsfroh ihre Tourneen im Sommer durchziehen zu können, weil es in anderen Länder mit dem Impfen viel schneller vorangeht als in Österreich?

Im Moment gibt es noch keine klaren Absagen oder Verschiebungen von Tourneen auf 2022 von Künstler-Seite. Aber das heißt nicht, dass die in den nächsten Wochen nicht noch kommen werden. Und es gibt europaweit eine klare Tendenz und in vielen Ländern Entscheidungen der Regierungen, dass im Juni keine Festivals stattfinden werden. Aber grundsätzlich gebe ich Ihnen recht: Dass das Gesundheitsministerium und die EU bei der Impfbeschaffung so katastrophal versagt haben, wirft uns um mindestens vier bis fünf Monate zurück. Israel hat gezeigt, wie es gehen könnte. Es hätte auch bei uns schon längst erledigt sein können, dass zum Beispiel alle über 70 geimpft sind und dadurch die Gefahr, dass das Gesundheitssystem überlastet wird, gebannt oder zumindest weit geringer ist. Aber das ist nicht passiert, weil das Gesundheitsministerium seinen Job nicht gemacht hat. Und wir müssen das jetzt ausbaden.

Wieviel kostet es Sie jetzt, wenn Sie für das Nova Rock Aufträge für Bühnenbau und dergleichen, die sie jetzt erteilen müssen, vergeben und später absagen müssen?

Wieviel kann ich nicht genau sagen. Ich werde halt versuchen, das so lange wie möglich rauszuzögern und muss warten, bis eine Entscheidung fällt. Aber klar, die Uhr tickt und jeder Tag kostet Geld. Und noch dazu fällt das Nova Rock nicht unter den Schutzschirm für Veranstalter. Bis 1. 7.  gilt der nämlich nur für Veranstaltungen bis zu 1000 Leuten.

Könnten Sie sich alternative Szenarien vorstellen? Etwa nur Leute mit negativem Test einzulassen, oder das Nova Rock nach Vorarlberg zu verlegen?

Nein, das sind alles keine Optionen. Ein Testen vor Ort ist für eine Veranstaltung von der Größe wie das Nova Rock sowieso unmöglich. Es wird aber sicher dahin gehen, dass wir, wenn es mit kleineren Veranstaltungen wieder losgeht, nur Leute mit negativem Test oder einer Bestätigung der Impfung oder der Immunität nach überstandener Krankheit einlassen können. Wir arbeiten gerade an einer App, die wir vor Ostern vorstellen werden, wo das eingespeichert ist. Und dann kann man mit einem Code und dem Handy reingehen.

 

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