© Universal Music/Diane Russo

Kultur
06/13/2020

Norah Jones will aufstehen "und ein paar Lösungen finden“

Die amerikanische Pianistin und Musikerin trifft mit „Pick Me Up Off The Floor“ den Zeitgeist

von Brigitte Schokarth

Als „fiebrigen Traum, der sich irgendwo zwischen Gott, dem Teufel, dem Herzen, meinem Land und mir abspielt“, bezeichnet Norah Jones ihr eindringliches neues Album „Pick Me Up Off The Floor“. Damit liefert die 41-jährige New Yorkerin ein Statement, das perfekt in die Zeit passt. Obwohl die Songs alle schon fertig waren, bevor die Corona-Krise begann.

„In meinem Land zu leben – und generell in dieser Welt – war in den letzten Jahren von einem Gefühl von ,Ich brauche etwas Aufbauendes‘ getragen“, sagt die leidenschaftliche Trump-Kritikerin. „Es hatte etwas von: ,Lass uns aufstehen, aus diesem Schlamassel rauskommen und ein paar Lösungen finden!‘ Für mich repräsentieren die dunklen Momente auf diesem Album aber nicht das Gefühl von drohendem Unheil, sondern mehr diese menschliche Sehnsucht nach einem Gefühl der Verbundenheit. Und die Tatsache, dass dieses Gefühl oft nicht da ist. Einige dieser Songs habe ich aus persönlichen Gründen geschrieben.“

„Sie können aber genauso als Kommentare zu den größeren Themen, mit denen wir konfrontiert sind, interpretiert werden. Andere habe ich in Bezug auf diese größeren Themen geschrieben, sie fühlen sich aber trotzdem sehr persönlich an.“

Musikalisch basiert „Pick Me Up Off The Floor“ auf Songs, die Jones entweder alleine am Klavier in ihrer Küche in ihrem Haus in Brooklyn, oder mit ihrem Drummer und ihrem Kontrabassisten geschrieben hat.

Stilistisch hält sich die 2002 mit dem Album „Come Away With Me“ und dem Superhit „Don’t Know Why“ praktisch über Nacht berühmt gewordene Musikerin an eine gewohnt entspannte und zwischen den düsteren Momenten auch hoffnungsvolle Mischung aus Blues, Jazz und Soul, die sie manchmal mit einer Prise Pop oder Rock würzt.

Inhaltlich geht es oft um Liebe und das Auf und Ab in Beziehungen. „How I Weep“ beschreibt den Verlust eines ihr nahestehenden Menschen, den Jones, die ihr Privatleben akribisch geheim hält, aber nicht benennt.

Dieser Song entstand aus einem ihrer Gedichte: „Eine Freundin hat mir voriges Jahr Poesie nähergebracht, mehrere Bücher geschenkt. Das – und die Tatsache, dass ich meinen Kindern, die sechs und drei Jahre alt sind, die Bücher von Dr. Seuss und Sal Silverstein vorgelesen habe – hat dazu geführt, dass ich begonnen habe, selbst Gedichte zu schreiben. Weil ich aber stark bezweifle, dass ich je selbst ein Poesie-Buch veröffentlichen werde, habe ich dieses Gedicht gekürzt, adaptiert und Musik dazu geschrieben.“

Obwohl sich Jones nicht als Feministin bezeichnet, geht sie in „I’m Alive“ darauf ein, wie Frauen – speziell die, die in der Öffentlichkeit stehen – immer noch von religiösen und konservativen Organisationen diskriminiert werden.

„Der Song klingt zwar trotzig, geht aber durch verschiedene Phasen“, erzählte Jones dem Sydney Morning Herald. „Menschen gehen unterschiedlich mit dieser Behandlung von Frauen um. Es gibt den Onkel, der das darüber denkt, die Cousine, die politisch ganz anderer Meinung ist. Es gibt gewisse Verhaltensweisen in Bezug darauf, die die Leute annehmen. Das beobachte ich.“

Die Krise und die Heimisolation hat Jones, das gibt sie gern zu, frustriert: „Es ging nicht darum, was mache ich mit viel freier Zeit, sondern nur darum, wie ich je zu einem Moment für mich kommen könnte“, sagt sie. „Meine Zeit in der Isolation war vollkommen ausgefüllt damit, die Kinder zu beschäftigen, sie glücklich zu machen und sie zu Hause zu unterrichten. Als Lehrerin bin ich nämlich wirklich furchtbar schlecht. “

Noch mehr aber hat die Tochter von Sitar-Legende Ravi Shankar, der mit ihrer Mutter Sue Jones eine kurze Affäre hatte, das Zusammenspiel mit anderen Musikern vermisst: „Ich hoffe, dass das bald wieder möglich ist“, erklärte sie in der Teleschau.

„Über das Internet geht das nicht, weil der andere immer mit Zeitverzögerung zu hören ist. Aber der Zauber, der entsteht, wenn mehrere Musiker in einem Raum zusammenspielen, kann auf keinem anderen Weg entstehen. Das ist aber der Zauber, der sich auf die Hörer überträgt.“

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