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Gespräch
03/30/2021

Noga Erez will flexibel die Schläge des Lebens wegstecken

Noga Erez spricht im KURIER über den Konflikt in ihrer Heimat Israel, und wie der Tod ihr neues Album "Kids" prägte

von Brigitte Schokarth

„Gaza Girls“ heißt die Fotoserie von Monique Jacques, die die israelische Rapperin Noga Erez dazu inspirierte, für ihr eben erschienenes Album „Kids“ den Song „Fire Kites“ zu schreiben. Der Titel („Feuerdrachen“) bezieht sich auf die Zeit, als Menschen im Gazastreifen brennende Spielzeugdrachen über die Grenze nach Israel schickten, wo sie Feuer entzündeten, die Felder und Naturreservate abbrannten.

„Auf den Fotos sah man Mädchen in Gaza, die aßen und spielten, und es sah wie normales Leben aus“, erzählt Erez im KURIER-Interview. „Deshalb dachte ich darüber nach, wie mein Leben in diesem Alter in Israel war, wie ich meine Sexualität und die Jungs erforschen konnte, und wie es in Gaza sein muss, wo so ein Kinderspielzeug zu einer Waffe wird. Israel hat Bomben und eine Armee, und im Prinzip geht es darum, wie unausbalanciert alles in diesem Konflikt ist.“

Zwar bezeichnet Erez „Fire Kites“ nicht als politischen Song, denn „er spricht nur von Fakten und Menschen“. Daraus, dass sie kein Fan der Politik von Benjamin Netanjahu ist, macht sie aber kein Geheimnis: „Leider muss ich sagen, dass Israel politisch mehr und mehr in Richtung rechts tendiert. Und die Philosophie der rechten Partei ist, dass die Dominanz über gewisse Territorien wichtiger ist als Menschenleben.“

Trotzdem beinhaltet „Kids“ weit weniger Songs, die sich auf den Konflikt in ihrer Heimat beziehen, als das Debüt „Off The Radar“ von 2017. Die Musik, die Erez mit ihrem Lebens-, Songwriting- und Produzenten-Partner Ori Rousso macht, ist nach wie vor eine wilde Mischung aus Elektronik und Industrial, wütendem Rap und melodischen Refrains, aber alles, wie Erez selbst sagt, „poppiger und radiofreundlicher“.

Thematisch widmet sich die 32-Jährige bei „Kids“, das zum überwiegenden Teil schon vor der Corona-Pandemie fertig war, häufig dem Thema Tod, das sich in der Zeit der Aufnahmen in ihr Leben drängte.

„Ich habe jemanden verloren, der mir nahe stand“, sagt sie. „Und Oris Mutter ist an Krebs gestorben. Natürlich habe ich immer gewusst, dass wir alle einmal sterben müssen, aber ich habe es verdängt, weil mich der Gedanke beängstigt hat. Im Grunde geht es aber in allen Songs darum, wie ich als Person bin. Wie ich in den letzten Jahren gelernt habe, flexibel zu werden, um die Schläge, die das Leben austeilt, besser wegstecken zu können.“

Um sie zu verewigen, hat Erez ein Sample der Stimme ihrer Mutter an den Anfang von „Kids“ gestellt. In dem gleichnamigen Song beschäftigt sie sich mit den Dingen, die Eltern ihren Kindern vererben und wie damit die „Evolution unserer Kultur und der Menschheit in unseren Händen liegt.“

Einer der berührendsten Songs auf dem Album ist „Switch Me Off“, in dem Erez in die Rolle eines sterbenden Menschen schlüpft, der seine Liebsten bittet, die Maschinen abzuschalten, damit das Leiden ein Ende hat. Ausgelöst wurde das vom Tod von Roussos Mutter.

„Wir hatten ein sehr enges Verhältnis zu ihr. Eine Zeit lang haben wir mit Oris Eltern sogar in einem Haus gelebt. Wir hatten unten unsere eigene Wohnung, waren aber fast jeden Tag zum Mittagessen oder abends beim Fernsehen oben zusammen. Oris Mum hat zehn Jahre lang gegen eine schwere Krebsart gekämpft und war dabei immer positiv und voll ungebrochenem Lebenswillen. Dass sie am Ende solche Schmerzen hatte, dass sie jeden Lebenswillen verlor, und bat, sterben zu können, war ein richtiger Schock.“

Auch wenn in Israel Livekonzerte langsam wieder anlaufen, stellt Erez „Kids“ doch lieber mit zwei Streaming-Shows am 1. und 2. April vor. Damit kann sie Fans rund um die Welt erreichen, aber auch alle in Israel, die zu jung für eine Impfung sind, und deshalb von einem Live-Event ausgeschlossen wären.

Für die Stream-Shows verspricht Erez eine spektakuläre Performance, „in der Crew und eine Armee von Tänzern Teil der Kunst werden“. Tickets gibt es für 15 $ unter nogaerez.com

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