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Kultur
09/30/2012

Neuseeland in Frankfurt - ein Überblick

Der Enthusiasmus fürs Geschichtenerzählen ist groß in dem Land, das sich im Oktober bei der Frankfurter Buchmesse präsentieren darf.

von Peter Pisa

Der Weg aufs Klo dauert etwa 40 Stunden. Immerhin darf man es dann nicht nur fotografieren, sondern – gegen Gebühr – benützen.

Die Hanfpflanzen auf dem Dach wurden vorsichtshalber ausgerissen.

Hundertwasser hat die Toilette 1999 in dem 1300-Einwohner-Ort Kawakawa errichtet. Eine Trotzreaktion, denn eigentlich wollte er in der größeren Gemeinde Whangarei ein Museum hinstellen. Man lachte aus. Heute lacht Kawakawa über die Nachbarn in Whangarei: Touristen aus aller Welt wollen im bekanntesten öffentlichen WC der Welt ... und so weiter.

Das also ist Österreich kultureller Außenposten in jenem Land, das heuer ab 10. Oktober im Mittelpunkt der Frankfurter Buchmesse steht: Neuseeland. 70 Schriftsteller reisen an. Dabei ist die Verlagsszene durchaus überschaubar. Viele Autoren verlegen sich selbst.

Enthusiasmus: riesig. Ertrag: dürftiger.

Auf Aktionen rund um die Hobbits (obwohl vom Briten J.R.R. Tolkien erfunden) kann bei der Show nicht verzichtet werden. Peter Jacksons Literaturverfilmung beschäftigte immerhin 26.000 Neuseeländer.

Und jährlich – so schätzt Reiseschriftsteller Joscha Remus in seiner "Gebrauchsanweisung für Neuseeland" (Piper Verlag) bringt sie dem Land noch immer drei Milliarden Euro. Vor allem wegen der Urlauber in Matamata bzw. Hobbingen im Auenland.

Eilige Reise

Katherine Mansfield (1888–1923) ist Neuseelands berühmteste Schriftstellerin. Sie zog 1907 eiligst fort von Wellington, nach England – wobei "eiligst" relativ ist: 100 Tage dauerte die Schiffsreise.

In einem Brief schrieb sie: "Ich schäme mich für das junge Neuseeland ... Der ganze Speck, in den ihr Hirn gepackt ist, muss weg, bevor sie überhaupt anfangen können, etwas zu lernen ... Die Leute beherrschen ja nicht einmal das ABC!"

Anthony McCarten, zurzeit literarischer Exportartikel Nr. 1, ruft ihr zu: "Komm zurück, Katherine!" Denn heute würde sie an jeder Straßenecke hören, wie über Literatur diskutiert wird. Und es gibt Opernhäuser, Theater, Ballettensembles. Weil jetzt müssen die Pioniere ja nicht mehr Sümpfe trocken legen und Straßen bauen.

McCarten, der mit seinem neuen Roman "Ganz normale Helden" (Besprechung siehe Bildergalerie) nach Frankfurt kommt, räumt aber ein: Neuseeländer seien stolz auf ihren Hang zur Antiintellektualität.

Nicht lieben

Trotzdem sieht er die Literatur blühen, und ein Blick in "Das kuriose Neuseeland-Buch" aus dem Fischer Verlag zeigt: Alle Genres sind vertreten.

Die 4,4 Millionen Einwohner haben Herzschmerz.

Erster Satz in dem neuseeländischen Roman "Revolt – and Virginia" von Essie Summers: "Im Nachhinein war sich Virginia sicher, dass ihre neue Frisur den Stein ins Rollen gebracht hatte."

Und Sozialkritik: "Vater brachte uns bei, wie man nicht liebt" (aus "Blindsight" von Maurice Gee).

Und sogar einen Vietnam-Roman haben sie: "Nachdem Shiny Bright gegangen war, hockte sich Lieutenant Hamilton mitten im Lager hin und kackte auf den Boden" ("Deep Jay" von Rod Eder).

Jahr für Jahr werden rund zehn neuseeländische Bücher ins Deutsche übersetzt. Vor allem Reisebücher. Und Kochbücher. Sechs Köche kommen ebenfalls zur Messe in den Pavillon, der wie eine Insel unter Sternenhimmel ausschauen wird.

Al Brown zum Beispiel, Spezialist für Seeigel und Meerohren; und der Māori-Koch Charles Royal, der horopito (Māori-Pfeffer) und pikopiko (fette Farne) auf die Speisekarten seiner Heimat brachte. Vielleicht bringt ein Koch eines der 70 Millionen Possums mit.

Die Beutelratte ist eine Plage. Aber gekocht mit Orange, Rosmarin, Zwiebel, Paprika und Zwetschke .. schmeckt vor allem der dazu servierte Reis gut.

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