Kultur
26.11.2014

Weltmuseum um 27,5 Millionen Euro: Ostermayer steigt auf die Bremse

Wie teuer darf ein Weltmuseum allein sein? Minister Josef Ostermayer strebt mit dem Haus der Geschichte und Tiefspeicher einen Mehrwert an.

Das Prestige-Projekt "Weltmuseum Wien" von Ex-Kulturministerin Claudia Schmied und Sabine Haag, Generaldirektorin des Kunsthistorischen Museums (KHM), wird es in der geplanten Form nicht geben, berichtete Thomas Trenkler auf seinem Internet-Blog.

Die Frage ist: Stimmt das Preis-Leistungs-Verhältnis? Josef Ostermayer verfügte Mittwoch im Kulturausschuss, die von seiner Amtsvorgängerin budgetierten 27,5 Mio. Euro zur bereits beschlossenen Neugestaltung des Hauses am Heldenplatz vorerst nicht auszuzahlen.

Der SP-Kulturminister will das Projekt, für das ab 2017 zusätzlich jährliche Betriebskosten von 2,3 Mio. Euro anfallen würden, lieber vorzeitig stoppen und "nochmals überdenken" als enorme Kosten zu produzieren.

Ohne Mehrkosten

Zu den Umbaukosten des Weltmuseums hätten das Kulturministerium 19 Mio. €, das Wirtschaftsministerium sechs Mio. € und das KHM aus dem eigenen Budget und Sponsoring 2,5 Mio. € beigesteuert. Mehr als zehn Mio. € wurden bis jetzt investiert und abgerechnet.

Das KHM soll nun einen redimensionierten Entwurf für Umbau und Einrichtung mit reduzierter Fläche und einen neuen Business-Plan vorlegen, der ab der geplanten Neueröffnung Anfang 2017 keine Erhöhung der staatlichen Leistungsabgeltung voraussetzt. "Es gilt, die Gesamtheit neu zu bewerten, unter Einbeziehung der Themen Tiefspeicher Nationalbibliothek und Haus der Geschichte", sagt Ostermayer. "Wir werden das Projekt gemeinsam mit der Burghauptmannschaft und dem Wirtschafts- und Wissenschaftsministerium neu überdenken." Damit sei auch zu prüfen, ob das Weltmuseum Wien allein tatsächlich insgesamt 9.400 Fläche brauchen wird.

Haus der Geschichte

In Anbetracht dessen, dass das zum "Weltmuseum Wien" mutierte ehemalige Völkerkundemuseum mit 59.452 Besuchern (2012) jetzt schon über rund 3000 Fläche verfügt und noch mehr als 6000 übrig sind, könnte der Auftrag zur "Redimensionierung" bedeuten:

Am zentralen und geschichtsträchtigen Ort am Heldenplatz könnte auch das bereits seit langem angestrebte " Haus der Geschichte der Republik Österreich" entstehen und/oder die österreichische Nationalbibliothek ihren dringend benötigten Tiefspeicher bekommen.

Immerhin war die Realisierung eines Hauses der Geschichte schon in zwei Regierungsprogrammen vorgesehen und soll jetzt umgesetzt werden.

Steven Engelsman, seit Mai 2012 Leiter des Weltmuseums, beteuert, er hätte in den bisherigen Gesprächen "nicht gespürt, dass das Vorhaben an sich infrage gestellt worden wäre".

Ursprüngliches Ziel war die vollständige Sanierung der 29 Säle. 19 Säle sollten für die Schausammlung zur Verfügung stehen und einen "Korridor des Staunens" wie auch eine "Perlenkette von Geschichten" bieten. Obendrein sollte das ZOOM Kindermuseum künftig neben dem Museumsquartier drei eigene Säle im Mezzanintrakt des Weltmuseum Wien bespielen. Die nun angepeilte Redimensionierung soll laut Haag "rasch" erfolgen, "ohne, dass das Grundkonzept und bereits gesetzte Arbeitsschritte verloren gehen". Im Sinne eines effizienten Arbeitens werde man "den Vorschlag so überarbeiten, dass es machbar ist".

"Das Völkerkundemuseum darf nicht ins Ausgedinge geschickt werden", fordert indes Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Grünen.

Bis zum Frühjahr 2015 ist der Umbau nach Plänen des Konsortiums Ralph Appelbaum Associates und Gareth Hoskins Architects jedenfalls gestoppt. Dann sollen weitere Entscheidungen getroffen werden.

Heftige Kritik an "Visionslosigkeit" der Kulturpolitik

Heftige Kritik an der gestern bekannt gewordenen "Redimensionierung" der Neugestaltung des Weltmuseum Wien übt der Kultur- und Sozialanthropologie Thomas Fillitz, Vorstandsmitglied im Freundesverein des Museums. "Ich finde, es ist ein Skandal. Es ist eine Visionslosigkeit, die sich hier wieder einmal manifestiert", so der Wissenschafter am Donnerstag im Ö1-Morgenjournal.

"Österreich hat hier ein Weltkulturerbe im wahrsten Sinne des Wortes", so Fillitz. "Das ist hier offensichtlich nicht bekannt, oder interessiert niemanden bei den entscheidenden Meinungsträgern." Es sei peinlich, wenn man bei Beiratstätigkeiten im Ausland ständig darauf angesprochen werde, warum die weltberühmten Sammlungen des Wiener Völkerkundemuseums weiterhin nicht zu sehen seien. In seinem Bereich stände das Museum qualitativ "locker auf derselben Ebene wie das Kunsthistorische Museum", dem es in einem "etwas befremdlichen Konstrukt" untergeordnet sei.

Die Pläne für den Umbau des Museums, für den 27,5 Millionen Euro bereitgestellt wurden, sollen aufgrund der zu erwartenden erhöhten Betriebskosten neu überdacht werden. In die neuen Überlegungen sollen laut Kulturministerium auch weitere Projekte wie ein Haus der Geschichte oder der Tiefspeicher der Nationalbibliothek miteinbezogen werden.

Steven Engelsman, Direktor des Weltmuseums, meinte am Mittwoch zur APA, in den kommenden Wochen werde sich zeigen, "wie viele Quadratmeter wir abgeben müssen". Er habe aber im Rahmen der bisherigen Gespräche "nicht gespürt, dass das Vorhaben an sich infrage gestellt worden wäre". Laut KHM-Generaldirektorin Sabine Haag soll die Wiedereröffnung wie geplant im Jahr 2017 stattfinden.

( APA)