Kultur
20.12.2016

Neuer Chef für die Wiener Staatsoper

Kulturminister Drozda präsentiert Nachfolger von Dominique Meyer. Ein Favorit: Bogdan Roščić.

Der weiße Rauch wird Mittwoch Vormittag nicht aus der Wiener Staatsoper kommen, sondern aus dem Palais Dietrichstein am Minoritenplatz. Dort präsentieren Kulturminister Thomas Drozda und Christian Kircher, der Chef der Bundestheater-Holding, den Operndirektor ab der Saison 2020/’21. Eines kann man als sicher voraussetzen: Der neue künstlerische Leiter ist ein anderer als der bisherige. Aus der Staatsoper hört man, dass Dominique Meyer intern seine Mitarbeiter bereits informiert habe, dass sein Vertrag 2020 ausläuft.

Auslaufen ist in diesem Fall entscheidend: Die Neubesetzung nach zwei vollen Amtsperioden ist ein regulärer Vorgang und keine Ablöse. Meyer wird dann zehn Jahre lang Operndirektor in Wien gewesen sein.

Die Entscheidung, wer auf Meyer folgt, wurde wie ein Staatsgeheimnis gehütet. Sie dürfte auch erst in den letzten Tagen gefallen sein.

Drozda, der zuvor Generaldirektor der Vereinigten Bühnen gewesen war (und noch davor kaufmännischer Leiter des Burgtheaters), hat sie letztlich getroffen. Auch bei der einstigen Kür von Meyer durch die damalige Ministerin Claudia Schmied hatte das Kulturministerium im Alleingang entschieden – damals noch gegen den Wunsch des einstigen Kanzlers Alfred Gusenbauer, der sich für den Tenor Neil Shicoff stark gemacht hatte.

Aber wer wird neben Drozda und Kircher stehen und als künstlerischer Leiter von 2020 bis zum Jahr 2025 präsentiert werden? 18 Konzepte wurden offiziell eingereicht, darunter vier von Frauen. Eine Bewerbung bei der Ausschreibung, die bis 9. Dezember lief, war jedoch nicht zwingend nötig.

Bis zuletzt wurde – trotz dessen wiederholter Dementi – darüber gerätselt, ob Nikolaus Bachler, definitiv ein Wunschkandidat, nach seinen Erfolgen an der Bayrischen Staatsoper doch nach Wien zurückwechselt. Auch der Name von Elisabeth Sobotka, der derzeitigen Leiterin der Bregenzer Festspiele, fiel immer wieder. Peter de Caluwe, der innovative Opernintendant in Brüssel, und Serge Dorny, der in Lyon völlig neue Wege geht, wurden hinter vorgehaltener Hand ebenso als Kandidaten genannt. Zumindest Dorny soll man aber bereits abgesagt haben.

Ein später Favorit

Im Laufe der letzten Tage kristallierte sich der ehemalige Journalist (u.a. beim KURIER), einstige Ö3-Chef und aktuelle Musikmanager Bogdan Roščić, Chef von Sony Classical in New York, als ein für viele wohl überraschender Favorit heraus. Seine Kür würde eine Öffnung des Hauses signalisieren; Der Österreicher (1964 in Belgrad geboren) kennt die Branche von höchst unterschiedlichen Seiten.

Gespräche dürfte es, dem Vernehmen nach, auch mit Operndirektoren wie Alexander Neef (Canadian Opera) und Andreas Homoki (Zürich) gegeben haben. Und sogar der Wiener Alexander Pereira (Scala) soll sein Interesse deponiert haben.

Offen ist auch die Frage, ob es einen Musikchef geben wird. Philippe Jordan, hinter den Kulissen als idealer Kandidat genannt, hat seinen Vertrag bei den Wiener Symphonikern soeben bis Ende der Saison 2020/’21 verlängert. Auch Franz Welser-Möst, der Wien nach Differenzen mit Dominique Meyer verlassen hatte, dürfte aktuell kein Kandidat sein.