Kultur
22.12.2017

Neue Rechte gegen Star Wars?

Die Kritiken waren positiv, manche Fans aber wollen "Die letzten Jedi" aus der Saga streichen.

Man kann Hollywood mit jeder Berechtigung vorwerfen, sein Geld gerade besonders leicht zu verdienen. Die Traumfabrik macht viel gutes Geld mit alten Stoffen: In den Top Ten dieses Jahres sind sechs Fortsetzungen und vier Remakes.

Da kann nichts schief gehen? Doch. Viel. Es herrscht (Meinungs-)Krieg um den Krieg der Sterne, den wohl kommerziell wichtigsten Film des Jahres. Obwohl die Kritiken positiv bis euphorisch waren, hat sich eine lautstarke Gruppe an Fans gefunden, die den neuen Film, man muss es sagen, hassen.

Streichen

So sehr, dass sie "Die letzten Jedi" aus dem offiziellen Kanon der " Star Wars"-Saga streichen lassen wollen. Eine dementsprechende Unterschriftenaktion wurde gestartet. Und, schmerzhafter für Disney: Auch auf der Filmbewertungsseite RottenTomatoes.com, die in den USA eine immens wichtige Entscheidungshilfe für Kinogeher ist, ist der Streit um " Star Wars" angekommen. Dort wird sowohl ein Überblick über die Kritiken in den Medien zu einer Punktewertung zusammengefasst, als auch die Meinung der Kinobesucher selbst. Der Unterschied könnte nicht größer sein.

93 Prozent positiver Stimmen erreichte der Film bei den Kritikern. Beim Publikum: 55 Prozent.

Rechtsextreme gegen Sternenkrieger

Schon werden Gerüchte laut, dass die Wertung von einer kleinen Gruppe rabiater Fans manipuliert wurde. Zuletzt kam sogar der Verdacht auf, dass "Star Wars" hier der aktuellen Innenpolitik zum Opfer fällt: Die "alt right" genannten neuen Rechtsextremen der USA sollen sich an der sehr inklusiven (eine Frau! ein Schwarzer! eine Asiatin!) Besetzung der neuen Helden stoßen (was gerade bei "Star Wars" ja noch widersinniger ist als sonst - ein zwei Meter großer Brüllaffe als Nebenheld ist okay, eine Frau nicht?). Und die grüblerische, eigenbrötlerische Darstellung von Luke sei "schwul", monieren die rechten Filmkritiker (haben die jemals das Herumgetue mit den Lichtschwertern im ersten Teil gesehen?)

Aber große Sagas wie "Star Wars" haben noch eine andere Herausforderung als verirrte Politextremisten: Sie haben Fans, die die Sache vielleicht ein wenig zu ernst nehmen. Die gibt es, bei Star Trek genauso wie bei Star Wars. Für manchen Fan ist die Jedi-Saga eine Religion. Und jene, die alle Filme gesehen, dazu noch die Bücher verschlungen haben und das eine oder andere Game gespielt haben, kriegen beim neuen Film Schnappatmung, wie man sie sonst nur von Darth Vader aus dessen Helm hören konnte.

Luke, bist du’s?

Was die Jedi-Fans besonders aus der Umlaufbahn wirft, ist die Darstellung Luke Skywalkers. Dessen (so viel sei verraten) Griesgrämigkeit und Weltabgewandtheit und Abkehr von der Macht entspreche in vielen Details nicht der Jedi-Religion, wird moniert. Und auch nicht jenem "Kanon" des "Star Wars"-Universums, den die Fans aus all den Büchern und Filmen herausdestilliert haben.

Rey (Daisy Ridley) muss sich bei einer Jedi-Lektion zuerst entspannen. Das könnte man den Fans auch raten.

Aber der Krieg der Meinungen zeigt ein tiefer gehendes Problem auf, das in ähnlicher Form auch u. a. in der Oper und in der Politik zu finden ist: Die Super-Fans ziehen sich in eigene Online-Zirkel zurück und etablieren dort ein Bewertungs- und Kritiksystem, das mit dem breiten Publikum und dem massenmedialen Blick kaum noch etwas zu tun hat.

Vor allem aber nimmt eine kleine, aber rabiate Fangruppe dann in der Online-Diskussion eine überproportionale Machtposition ein: Erfüllt ein Film nicht die Kriterien der Hohepriester des Auskennertums, wird er kaputt geschossen.

Das musste Peter Jackson bei den "Hobbit"-Filmen erleben, das merken auch die Macher der neuen "Star Trek"-Serie "Discovery", die nach Meinung der dortigen Superfans nicht den Ideen des Erschaffers, Gene Roddenberry, entspricht.

Auf genau so was, sagte Luke-Darsteller Mark Hamill im KURIER-Interview, hatte er lange Jahre keine Lust. Nun hat er nachgelegt - und den kritischen Fans neuen Antrieb gegeben: So wie Skywalker dargestellt werde, sei es "nicht mein Luke", sagt Hamill.

Disney kann es (vorerst) egal sein. Der Film hat sensationell hohe Einnahmen. Aber: Gehen die Fans enttäuscht nach Hause – und pfeifen auf die nächsten Teile? Diese Frage muss Episode IX beantworten.