© Neue Nationalgalerie Berlin

Kultur
08/21/2021

Neue Nationalgalerie Berlin: Die „Tankstelle“ ist wieder geöffnet

Nach Schließung und jahrelanger Sanierung sind im prägnanten Bau aus Glas und Stahl von Ludwig Mies van der Rohe jetzt drei Ausstellungen zu sehen

von Werner Rosenberger

Der Riesenpavillon ist weltbekannt, die Neue Nationalgalerie in Berlin ein Wahrzeichen der modernen Architektur. Für 140 Millionen Euro in den vergangenen sechs Jahren aufwendig saniert, wird der letzte Geniestreich von Ludwig Mies van der Rohe (1886–1969) an diesem Wochenende wieder eröffnet.

Ruhig, statisch, abgeklärt. Der Jahrhundertbau sieht wieder so aus wie vorher. Mit voller Absicht. Denn alles sollte so bleiben, wie es war. Patina inklusive.

So steht das Museum im alten Glanz immer noch wie ein Solitär in der Westberliner Stadtlandschaft. „Einzigartig als Beispiel einer westlichen Moderne in so purer Form“, sagt Museumsleiter Joachim Jäger.

Das 1968 mit einer Piet-Mondrian-Ausstellung eröffnete Haus für die moderne Kunst des 20. Jahrhunderts – ein riesiger Flachbau und zugleich ein filigranes Gebäude aus Stahl und gigantischen Glasfronten – war komplett in seine mehr als 35.000 Einzelteile zerlegt und wieder originalgetreu zusammengebaut worden.

Das größte Problem: Die riesigen und obendrein außerformatigen Scheiben in Einmalverglasung mussten in China neu angefertigt und via Schiff aus Asien nach Berlin geholt werden.

Tempel der Moderne

Der Bau mit dem auf acht schlanken Säulen ausbalancierten fast schwebenden, 1.200 Tonnen schweren Stahldach und der 3.000 großen, quadratischen Glashalle darunter war das letzte große Werk von Mies van der Rohe – folgend der Erkenntnis: Architektur ist „kein Spiel mit Formen“ und der Maxime „Weniger ist mehr“.

Und „so viel Mies van der Rohe wie möglich“ wollte Stararchitekt David Chipperfield bei der Renovierung des für die Identität Berlins so bedeutenden Kultgebäudes realisieren, das mit einer Serie von acht Konzerten der Band Kraftwerk 2015 vor der Kompletträumung in eine lange Auszeit gegangen war.

Chipperfields 1985 gegründetes, weltweit tätiges Büro mit Sitz in London, Berlin, Mailand und Shanghai hat einen besonderen Schwerpunkt auf Kulturbauten. So leitete Chipperfield u. a. bereits den Wiederaufbau des 2009 eröffneten Neuen Museums auf der Museumsinsel Berlin. Nach seinen Entwürfen wurde dort die 2019 eröffnete James-Simon-Galerie errichtet.

Extreme Harmonie

Was zum Monument und mehr noch als Museum zum politischen Symbol des Wiederaufbaus im Nachkriegsberlin wurde, war kurioserweise im Entwurf eigentlich als Verwaltungsgebäude für Bacardi Rum auf Kuba vorgesehen. Aber Fidel Castros Revolution hatte den Plan verhindert.

Chipperfield: „Die Neue Nationalgalerie, ein utopisches Gebäude, nimmt einen besonderen Platz in der Geschichte der Architektur ein, indem es eine extreme Harmonie im Zusammenwirken von Struktur und Raum, Konstruktion und Material sowie Zweck und Form findet.“

Die Berliner gaben dem Vermächtnis des Bauhaus-Visionärs, auch Gestalter des „Deutschen Pavillon“ für die Weltausstellung 1929 in Barcelona mit den fließend inei-nander übergehenden Raum- zonen, ehe er Deutschland 1938 verlassen musste, den Spitznamen „die Tankstelle“. Jetzt ist sie wieder geöffnet.

Wie Mies seinerzeit selbst sagte, das Gebäude sei „wie eine große Bühne, auf der man inszenieren muss“, so werden jetzt drei Ausstellungen gezeigt. „Die Kunst der Gesellschaft“ präsentiert bis Sommer 2023 die Hauptwerke der Klassischen Moderne aus der Sammlung der Nationalgalerie, rund 250 Gemälde und Skulpturen von 1900 bis 1945, u. a. von Otto Dix, Hannah Höch, Ernst Ludwig Kirchner, Lotte Laserstein und Renée Sintenis.

Sehenswert sind auch die Einzelausstellungen von Alexander Calder („Minimal / Maximal“; bis 13. 2. 2022), eigens konzipiert für die gläserne Halle, und von Rosa Barba („In a Perpetual Now“).

www.smb.museum; virtueller

Rundgang: http://nng360. smb. museum/nng.html

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