"Stranger Things: Tales from '85": Demogorgons, jetzt niedlicher

Das animierte Spin-Off: „Stranger Things: Tales from ’84“ erzählt eine neue Geschichte aus dem Universum der Netflix-Erfolgsserie.
Zwei Jugendliche in Winterkleidung stehen und sitzen auf einem Auto, einer streckt entschlossen die Hand aus, im Hintergrund verschneite Bäume.

 Anfang des Jahres ging eine der erfolgreichsten Netflix-Serien ins Finale: „Stranger Things“, das Epos um eine Gruppe Jugendlicher, die gegen das Böse aus einer anderen Dimension kämpfen, endete mit großem Getöse und zum Großteil eh ganz zufriedenen Fans.

Doch die Geschichte ist offenbar noch nicht auserzählt. In London läuft seit einiger Zeit ein Theaterstück, das ein paar Erzählstränge der Serie aufgreift und effektvoll die Auflösung von Geheimnissen verspricht. Bereits im Dezember ist ein Roman erschienen, in dem die Figuren Nancy Wheeler und Robin Buckley ein neues Rätsel lösen („Stranger Things: One Way Or Another“). Die Autorin Caitlin Schneiderhan hatte zuvor bereits ein anderes offizielles Buch zur Serie veröffentlicht, es dreht sich um den beliebten, als Held gestorbenen Metalfan Eddie Munson und ist im Unterschied zu ersterem auf Deutsch erhältlich („Der Flug des Ikarus“).

Alle wieder da 

Wer sich nicht so gern vom Empfangsgerät wegbewegt, musste also bisher durch die Finger schauen. Das hat sich nun geändert. Auf Netflix startete „Stranger Things: Tales from ’85“. Das ist ein Spin-Off der Originalserie, in der alle bekannten Figuren mitspielen – allerdings in Trickfilm-Form. Die Titelmusik beginnt gleich, moduliert das typische Thema aber in eine etwas freundlichere Variation.

Wir befinden uns wieder in Hawkins, Indiana, der Kleinstadt, in deren unmittelbarer Nähe es ein Labor gibt, in dem Experimenten mit Kindern durchgeführt wurden und auch ein Portal in ein unwirtliches „Upside Down“ mit allerlei Monstern wie dem blütenköpfigen Menschenfresser Demogorgon geöffnet wurde. Es ist 1985, in der Chronologie von „Stranger Things“ bedeutet das: Elf hat bereits das Portal geschlossen, Will wurde von der Besessenheit durch den Mindflayer befreit. Das Spin-Off spielt im Jänner, also ein paar Monate bevor Staffel 3 der Originalserie einsetzt, in der es zum großen Showdown gegen den Mindflayer im Shoppingzentrum kommt und plötzlich auch die Russen mitmischen.

Eine neue Figur

Elf, Mike, Dustin, Lucas, Max und Will müssen feststellen, dass ein „Schneehai“ Mitschüler und den Schneepflug-Mann verschleppt. Sie entscheiden sich, das Ganze ohne Erwachsene zu lösen – im „Stranger Things“-Universum logisch, denn die Erfahrung zeigt, dass es Erwachsene nur schlimmer machen. Ein neues Mädchen, Nikki – mit pinker Punkfrisur und guten Schlagqualitäten – schließt sich der Gruppe an. Bald ist klar, dass der Schneehai dem Demogorgon ziemlich ähnelt. Er sieht nur animiert nicht mehr ganz so furchterregend aus, eigentlich fast ein bisschen putzig.

Computerspiel-Ästhetik

Die Figuren sind zwar alle erkennbar, aber in einer Computerspielästhetik „gezeichnet“, die sie optisch recht eindimensional macht. Die kleinen Unperfektheiten, die etwa die Figur des Dustin so sympathisch machen, gibt es hier nicht. Die Manierismen von Mike sind gut getroffen, andere Figuren wie Lucas würde man wohl ohne das identifizierende Drumherum nicht erkennen.

Trotzdem ist die neue Serie jedenfalls gutes Fanservice, wer die absurd mutige Truppe und die verrätselte Welt der Serie schon vermisst hat, wird hier gut bedient.

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