© Bregenzer Festspiele/Karl Forster

Kritik
07/22/2021

"Nerone“ bei den Bregenzer Festspielen: Ein blutrünstiges Drama

Arrigo Boitos Opernrarität „Nerone“ hatte Premiere bei den Bregenzer Festspielen.

Von Helmut Chr. Mayer

In erster Linie kennt man Arrigo Boito als höchsterfolgreichen Librettisten, u. a. für Giuseppe Verdi („Otello“ und „Falstaff“). Aber er war auch Komponist. Während dessen Oper „Mefistofele“ gelegentlich aufgeführt wird, ist sein Musikdrama „Nerone“ völlig unbekannt.

Wegen seines hohen Anspruches auf Vollkommenheit rang Boito Jahrzehnte lang um dessen Vollendung. Es blieb trotzdem unvollendet und wurde erst nach seinem Tod 1924 unter Arturo Toscanini an der Mailänder Scala uraufgeführt.

Mit dem römischen Kaiser kommt eine der berüchtigtsten aber schillerndsten historischen Figuren zu Opernehren. Die Selbstinszenierung seiner Macht steht im Gegensatz zu den Gewissenplagen nach dem Auftragsmord an seiner Mutter.

Als religiöse Gegenpole stehen sich der heidnische Magier Simon Mago und der christliche Prophet Fanuèl gegenüber. Die ihn liebende Vestalin Rubria steht zwischen diesen Glaubensrichtungen. Dann gibt es noch die in Nero verliebte Asteria. Zum Finale geht Rom mit vielen Toten in Flammen auf.

Überbordend

Olivier Tambosi hat in seiner Inszenierung nicht dazu beigetragen, diesen einigermaßen verwirrenden Plot klarer zu gestalten.

Er hat vielmehr noch eine Unmenge an Symbolen, Zitaten und Denkanstößen draufgelegt, von einer solchen Vielschichtigkeit, dass es manchmal überbordend wirkt. In einer doppelten Drehbühne werden immer neue Räume kreiert und damit mit nur wenigen Versatzstücken (Frank Philipp Schlössmann) eine düstere Atmosphäre erzeugt.

Kopflastig

Die Geschichte scheint sich im Kopf des Titelhelden abzuspielen. Der tote Körper seiner ermordeten Mutter ist omnipräsent. Und nicht nur bei Nero mit seinen Charakterdefiziten, so auch bei vielen anderen wird der Dualismus der Gefühle zwischen Gut und Böse gezeigt.

Der Chor wird teils im Nonnenhabit oder in Frauenkleidern (Gesine Völlm), Protagonisten teils mit Engelsflügeln ausgestattet.

Sehr exzessiv, höhensicher, charakterlich zwiespältig und von Ängsten durchzogen gestaltet Rafael Rojas den Titelhelden. Lucio Gallo ist ein sehr präsenter, furchterregender und stimmgewaltiger Magier Simon Mago. Sein Gegenspieler, der Christenführer Fanuél, wird von Brett Polegato mit sattem Wohlklang gesungen.

Ihm gewährt neben Alessandra Volpe als wunderbar timbrierte Rubria der Komponist auch die schönsten Kantilenen. Svetlana Askenova kann als intensive Asteria punkten. Sehr homogen hört man den Philharmonischen Chor Prag.

Die durchaus hörenswerte kraftvolle, polystilistische Musik wird von den groß besetzten Wiener Symphonikern unter Dirk Kaftan spannungsgeladen, nuancenreich aber feinsinnig wiedergegeben. Viel Applaus, aber einige Buhs für die Regie.

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