Kultur
11.04.2017

Natur, die aus dem Rahmen fällt

Landschaftsbilder stechen im Salzburger Kunstprogramm rund um Ostern aus dem Angebot hervor

Es ist schon ein Running Gag, wenn zu Ostern die Kunsthandels- und Galerienbranche in Salzburg auf das betuchte Festspielpublikum trifft: Da würde eben eine Dekoration für die Kitzbüheler Villa oder für das Sommerhaus gekauft, ätzen Zaungäste gern, deshalb hingen auch immer so viele Landschaftsgemälde herum, oft mit vertrauten Blicken auf Berge, den Attersee und so weiter.

Ein Körnchen Wahrheit wohnt dem Vorurteil gewiss inne – allein die Zahl der Gemälde des Kitzbüheler Ober-Malers Alfons Walde, die alljährlich auf der „Art & Antique“-Messe in der Salzburger Residenz feilgeboten wird (bis 17.4.), ist ohne einschlägig interessiertes Publikum nicht zu erklären.

Spiegel des Zeitgeists

Aber Landschaftsbilder werfen den Blick eben nicht nur hinaus auf die Welt, sondern immer auch zurück auf die Menschen, ihre Zeit und auf die Kunst als solche. In diesem Sinn entpuppt sich der heurige Salzburger Kunst-Parcours als schöne Gelegenheit, Landschaftsdarstellungen im Wandel zu sehen.

Auf der Messe in der Residenz bleibt der Blick etwa auf einem Werk von Franz Sedlacek am Stand des Linzer Kunsthandels Freller hängen („Die Straße“, ca. 1920, 295.000€): Eine Fantasielandschaft wie aus einem altniederländischen Gemälde, aber nüchtern und menschenleer, so als wäre es dem Maler darum gegangen, alles Überflüssige aus der Kunst wegzurationalisieren.

Am Stand der Wiener Händler Giese & Schweiger dann ein feines, kleines Gemälde von Ferdinand Georg Waldmüller namens „Frühstück im Weinberg“ (1823, Preis auf Anfrage): Eingerahmt von einem Salami jausnenden Taglöhner lässt sich hier eine Aussicht auf den Bisamberg bei Wien erkennen. Einen Blick auf Heiligenstadt, wie ihn Alma Mahler einst aus der Villa des Künstlers Carl Moll genoss, haben Wienerroither & Kohlbacher im Programm (140.000 €).

Abbild und Wirklichkeit

Solche „Fensterbilder“, die ihren Betrachter fest an einem Ort verankern, sind gewissermaßen die Antithese zu jenem Blick, den der Fotograf Axel Hütte in der Galerie Ruzicska (Faistauergasse 12, bis 13. Mai) auf die Natur wirft. In seinen Bildern von Ufern, Hängen, Wasseroberflächen zieht einem der Künstler konsequent den Boden unter den Füßen weg: Da ist kein Vordergrund, auf dem man Platz nehmen könnte, kein Fenster, kein endeutiger Rahmen. Die Ausschnitte vermitteln eine gewisse Unsicherheit, entsprechen aber doch auch dem unmittelbaren Erlebnis, das man etwa beim Betrachten einer Wasseroberfläche hat.

Hütte – Mitglied der weltbekannten Absolventen -Riege der Klasse von Bernd und Hilla Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie – startete die Serie „ Rheingau“ als Auftragsarbeit und setzte sich dabei mit Werken des Fotografen der „Neuen Sachlichkeit“, Albert Renger-Patzsch, sowie mit Postkarten der Gegend auseinander.

Die in Salzburg präsentierten Bilder (Preise je nach Format 12.500 – 56.500 €) legen sich durchaus mit der Tradition an: Neben Naturmotiven fotografierte Hütte auch Burgen und Schlösser, die durch romantische Darstellungen vorbelastet sind.

Bisweilen wirkt es, als hätte sich Hütte solche Konventionen umgeschnallt wie ein Entfesselungskünstler seine Ketten. Doch es gelingt ihm am Ende, was auch den guten Landschaftsmalern vor ihm gelang: Ein Bild voll und ganz autonom zu gestalten.