Nationalbibliothek: Andreas Babler ermöglicht die seriöse Kontinuität

Michaela Mayr, seit 2008 an der Österreichischen Nationalbibliothek, wird Generaldirektorin, Richard Starkel bleibt Geschäftsführer
Thomas Trenkler
PK ÖSTERREICHISCHE NATIONALBIBLIOTHEK: STARKEL / MAYR / BABLER (SPÖ)

Kulturminister Andreas Babler (SPÖ) hätte kaum eine unspektakulärere Bestellung vornehmen können: Michaela Mayr, bereits seit 2008 an der Österreichischen Nationalbibliothek tätig, wird ab 1. April neue Generaldirektorin, Richard Starkel bleibt für eine dritte Amtsperiode wirtschaftlicher Geschäftsführer. Eine hausinterne Besetzung also. Doch Babler folgte der einstimmigen Empfehlung der Findungskommission – und unterstreicht damit, dass ihm die Seriosität der handelnden Personen wichtiger ist als ein schillernder Name.

Die Designierung ist ein Zeichen für Kontinuität und des Respekts vor der seit 2001 geleisteten Arbeit von Johanna Rachinger: Sie hatte die Entscheidung quasi vorbereitet – lange vor dem mit Ende dieses Jahres geplanten Auslaufen ihres Vertrags.

Im Juli 2025 stürzte sie im Haus der Eltern unglücklich; entgegen zeitweiligen Hoffnungen wurde im Herbst klar, dass es so bald keine Genesung geben würde: Im November berief Babler sie ab, um eine Neuausschreibung der Generaldirektion vornehmen zu können. Mayr, seit April 2025 Rachingers Stellvertreterin, führte bereits interimistisch die Geschäfte – zusammen mit Starkel.

Rachinger hatte Mayr, 1977 in Steyr geboren (und damit Oberösterreicherin wie sie), in die ÖNB geholt – und 2016 auch Richard Starkel, der zuvor für Ueberreuter, News und Raiffeisen gearbeitet hatte. Bei der Präsentation am Montag dankte Mayr der Vorgängerin: „Ihr Mut zu Veränderung hat dieses Haus stark gemacht und ist zugleich Auftrag für die Zukunft.“ Sie bekannte sich auch zu den Leitlinien, die Johanna Rachinger unter dem Titel „Vision 2035 – Wir öffnen Räume“ hatte ausarbeiten lassen: „Sie bilden für mich die Basis.“

Rachinger, die immer mit strategischer Weitsicht agierte, ermöglichte also eine geordnete Übergabe – auch wenn es physisch gar keine geben konnte. Die ÖNB sind auch wirtschaftlich für härter werdende Zeiten gerüstet: Wie Starkel auf Nachfrage Ihres Tratschpartners einräumte, verfügt sie über Reserven in der Höhe von zwölf Millionen Euro. Diese Deckungsvorsorge sei allerdings für unvorhergesehene Ereignisse gedacht – und sollte nicht zur Finanzierung des laufenden Betriebs oder von baulichen Vorhaben herangezogen werden. Babler, der den Sparkurs der Regierung in der Kultur zu exekutieren hat, hörte zu, ohne die Miene zu verziehen.

Und Rachinger wird, auch wenn Mayr neue Akzente setzen möchte, die ÖNB noch länger prägen. Am Donnerstag darf die neue Generaldirektion im Prunksaal die Ausstellung „Weltmacht Liebe“ eröffnen. Diese war noch von Rachinger in die Wege geleitet worden.

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