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© Hana Usui/Marcello Farabegoli projects

Kultur
05/10/2021

Nach Corona wieder reisen? Wenn es nicht geht, bleibt die Kunst

Die in Wien lebende Japanerin Hana Usui schuf, inspiriert vom Anreiz-Programm ihrer Heimat, eine subtile Bildserie

von Michael Huber

Keine Frage: Manchmal müssen Dinge direkt angesprochen werden, Scheinheiligkeit will beim Namen genannt werden, es hilft kein Herumlavieren. Es ist aber auch eine Lanze zu brechen für jene, die ihre Botschaften verschlüsseln und sie in einen Kokon eigentümlicher Prozesse einspinnen, die scheinbar einem reinen Selbstzweck dienen.

Die aus Japan stammende, in Wien lebende Künstlerin Hana Usui ist so eine Meisterin des Indirekten. Ausgebildet in der kalligrafischen Tradition ihrer Heimat, von deren Strenge sie sich vor mehr als 20 Jahren lossagte, fand sie zu einer gleichermaßen feinsinnigen wie hintergründigen Art des Bildermachens. Bis 28. Mai ist nun die neueste Serie Usuis gemeinsam mit älteren Werken im „Kunstraum Feller“ in der Wiener Kaiserstraße ausgestellt (Info: hana-usui.net).

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Sehnsuchtsorte

Dass die jüngste, nach eigenem Bekunden eher leichtfüßige Bildserie „Go To Travel“ aus der Corona-Pandemie erwuchs, braucht eine Erklärung: „Go to Travel“ heißt nämlich eine Initiative des Premiers Shinzo Abe, um den erlahmten Fremdenverkehr Japans durch Binnentourismus wieder anzukurbeln. Ähnlich dem Wiener Schnitzelgutschein gab es im Vorjahr eine teilweise Refundierung von Reisekosten als Anreiz für Japanerinnen und Japaner, das eigene Land zu entdecken. Die Initiative entpuppte sich aber angesichts der Pandemie als übereilt und wurde im Dezember wieder ausgesetzt.

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Usui saß derweil in Wien fest und formulierte ihren Kommentar zur Lage: Mit Urlaubsbildern aus dem privaten Archiv fand sie „Sehnsuchtsbilder“ und touristische Motive, die sie in der für sie typischen Weise überarbeitete: Mit der Technik der Ölpause, bei der die Künstlerin nicht direkt auf halb transparentes Papier zeichnet, sondern dieses mit einem harten Gegenstand in darunterliegende schwarze Ölfarbe eindrückt, schafft sie eigenständige Zeichnungen, die sie dann auf die Fotografie legt. Das fotografische Bildmotiv wird so verschleiert, dennoch gewinnt es gerade dabei an Prägnanz.

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In der aktuellen Serie scheinen die Striche einzelne Elemente der Fotos wie ferne Erinnerungen nachzuziehen- Manchmal finden sich bei Usui auch konkrete, zugleich aber verschlüsselte Anspielungen: In einer Werkserie über die Reaktorkatastrophe von Fukushima spielten etwa haarfeine Striche auf Haarausfall als Langzeitfolge des Unglücks an.

Stets verkompliziert Usui das schnelle Erfassen eines Bilds, bremst die Gedanken und lädt zu einer geduldigeren Kontemplation ein: Darin liegt ein Wert, auch wenn viele Dinge zweifellos beim Namen genannt werden müssen. 

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