© Max vom Hofe

Kultur
09/19/2021

Musiker Drangsal sagt, er braucht keinen Mut, zu sein, wer er ist

In seinem dritten Album „Exit Strategy“ sucht der Multiinstrumentalist nach seiner Identität.

„Ich brauche Urlaub von mir!“ Oder: „Ich wünscht’, ich wäre nie geboren“. Das sind Zeilen, die der als Max Gruber geborene Musiker und Multiinstrumentalist Drangsal in sein drittes Album „Exit Strategy“ gepackt hat. Er hat es mit elf „Pop-Metal-Punk-Schlager“ bestückt , die dem Thema Selbstfindung und Flucht gewidmet hat.

„Es geht um: Wer bin ich, wer war ich und wer will ich sein?“, sagt der 28-Jährige im KURIER-Gespräch. „Aber über solche Zeilen denke ich gar nicht so viel nach. Ich bin dann schon verwundert, wie drastisch andere sie empfinden.“

Nicht, dass Drangsal das beim Schreiben nicht selbst so empfunden hätte: „Ich wünsche mir schon immer wieder, nicht geboren zu sein. Ich habe ein unfassbar privilegiertes Leben. Ich darf Musik machen und das ist mein Job. Aber das ist eben das, was man Depressionen nennt: Egal welche Resonanz man bekommt und wie viel man hat – es hilft einem nicht. Ich bin trotzdem oft niedergeschlagen und traurig.“

Es gibt auf „Exit Strategy“ aber auch andere Songs mit einer euphorischen „Ich bin, wie ich bin, und was die anderen sagen, ist mir egal“-Botschaft. Und diese inhaltliche Zerrissenheit zwischen Selbstbewusstsein und Selbstzweifel wird auch in der Musik von starken Brüchen begleitet. Denn Drangsal will den Spagat zwischen „total eingängig und merkwürdig, zwischen kitschig und grausig“ schaffen.

Womit er sich selbst einen Fallstrick geknotet hat: „Das ist zwar ein Alleinstellungsmerkmal. Aber Leuten, die meine eingängige Musik mögen, sind die Videos zu krass, weil ich mich da als Teufel verkleide oder nackt mit Farbe übergieße. Und denen, die Krasses mögen, ist die Musik zu schlagermäßig.“

Sendungsbewusstsein steckt hinter all dem aber nicht. „Ich habe nie einen Plan, wenn ich einen Song schreibe. Es beginnt mit einer Zeile, die ich spannend finde. Daraus ergibt sich das Thema. Ich habe auch bei ,Mädchen sind die schönsten Jungs’ nicht gedacht, das muss endlich gesagt werden.“

In dem Song plädiert der Wahlberliner dafür, sich über „vermeintlich ,Gottgegebenes’ und die imaginären Grenzen anderer“ zu erheben. Er selbst outete sich beim zweiten Album als bisexuell und ist auch in Bezug darauf zwiegespalten.

„Wenn es nur einer Person hilft, sich mit sich selbst besser zu fühlen, dann ist es das wert, dann bin ich eben der, der darüber spricht. Aber eigentlich sollte das kein Thema mehr sein müssen. Ich mag auch nicht, wenn Leute sagen, es ist mutig, wie du dich anziehst und dass du Nagellack trägst. Hey, das ist das, was Bowie schon vor 50 Jahren gemacht hat. Und schon damals war es nicht mutig. Ich mache das, weil es mir gefällt, der Rest ist irrelevant. Es sollte einfach längst keinen Mut mehr brauchen, zu sein, wer man ist.“

Drangsal kann aber auch anerkennen, dass der diesbezügliche gesellschaftliche Wandel Zeit braucht. „Es hat sich ja schon einiges getan. Gerade eure Conchita hat da viel bewegt. Abgesehen von ihrem unglaublichen Gesangstalent fand ich genial, was sie bei und nach dem ESC gemacht und in Bezug auf Sichtbarkeit der LGBT Community bewegt hat.“

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