© volume.at / David Bitzan

Urban Art Forms Festival
07/05/2013

UAF: Remmidemmi nur bei Deichkind

Österreichs größtes Festival für elektronische Musik startete am Donnerstag mit Deichkind und Gus Gus.

von Karl Oberascher

Gut, dass das Urban Art Forms-Festival am Schwarzlsee stattfindet. Zwischen Zeltaufbau-Stress und Bierpaletten-Schlepperei diente der Badeteich in unmittelbarer Nähe den jungen Festivalbesuchern als willkommene Abkühlung. Dementsprechend wenig regte sich am Donnerstag bis in die Abendstunden auf dem eigentlichen Festivalgelände. So richtig eng vor der Hauptbühne wurde es überhaupt erst bei Deichkind – den Headlinern des ersten Abends (aber dazu später mehr).

Animation

Zuvor wäre Dub FX (interessant: Live-Dubstep mittels Loop-Gerät) und Wankelmut (der mit „One Day“) zu sehen gewesen. Ob die einzelnen Herrschaften via Vinyl, CD oder Computer die Musik abgespielt haben, lässt sich aus der Entfernung schwer sagen. Egal. Im Vordergrund steht das Erlebnis. Dazu gehören nicht nur die (am UAF-Festival generell recht leise) dröhnenden Bässe. Neben zuckenden Visuals (auf Videoübertragungen der DJs wurde verzichtet) sind Zwischenrufe wie „Put your Hands up“ und „Can you feel it“ im Standardrepertoire von Anfeuerungs-DJs wie Philipp Cue oder Tai.

Tag eins beim UAF in Bildern

volume.at / David Bitzan

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volume.at / Dominik Schallauer

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Kontrapunkt

Einen ersten Kontrapunkt zum housigen Einheitsbrei, der vor allem auf der sogenannten Beatthroat-Stage zu sehen war, setzte um kurz vor 21.00 Uhr die isländische Band Gus Gus. In dichten Bühnennebel gehüllt, präsentierten sie ihren sphärischen Sound ganz ohne Effekteinlagen. Das eingängige „David“, das soulig-stampfende „Unnecessary“ aus ihrem Erfolgsalbum „Attention“, oder das tragende „Over“ vom aktuellen Album „Arabian Horse“ sind Tanzmotivation genug.

Auf Visuals wurde komplett verzichtet. Auf Anfeuerungsrufe sowieso. Eine Verbeugung am Ende war alles, was es an Zugeständnis ans Publikum gab. Wohltuend. Schade nur, dass Sängerin Urður „Earth“ Hákonardóttir nicht mehr dabei ist. Ihre Gesangseinlagen konnten auch durch Zuspielung vom Band nicht ersetzt werden.

Musikalisch ein Glanzpunkt, wurde die „Show“ vom Publikum jedoch wenig frenetisch begrüßt. Die durchwegs junge Meute ist ganz aufs Feiern getrimmt. Und dafür sind Deichkind, die im Anschluss an die Isländer die Bühne betraten, bekanntlich Experten.

Kontrolliertes Remmidemmi

Das Experimental-Unterhaltungs-Kollektiv lieferte die perfekt inszenierte Showerfahrung. In Müllsäcke gekleidet und mit Neonfarben bemalt, animierten bis zu zehn Hamburger das Ziel-Publikum. Denn die Lieder waren samt und sonders bekannt. Zu „Luftbahn“, „Arbeit nervt“ und „Electric Super Dance Band“ wurde kräftig mitgesungen. Nur das zur Parole avancierte „Leider geil“ funktionierte live erstaunlich schlecht.

Vielleicht lag es auch am Sound. Der Sprechgesang der beiden MCs „Kryptic Joe“ und "Ferris Hilton“ (ehemals Ferris MC) war kaum zu verstehen.

Zwischendurch besannen sich die auf Techno-getrimmten Hamburger ihrer Wurzeln und lieferten zur Melodie von „Sunshine Reggae“ eine so noch nicht gehörte Version ihres ersten HipHop-Hits „Bon Voyage“.

Als Zugabe gab es um kurz vor Mitternacht dann noch das obligate „Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah)“ – inklusive dem wortwörtlichen Bad in der Menge (siehe Bild). Nett.

Posen statt Moshen

Welcher Eindruck bleibt also vom ersten Tag? Aus dem ehemals kleinen Elektronik-Festival ist in seiner neunten Auflage ein Massenevent geworden. 27.000 Besucher sollen sich laut Veranstalter allein am ersten Tag am Festivalgelände getummelt haben - eine erneute Steigerung im Vergleich zum Vorjahr. Mit einem normalen Festival hat das UAF aus zwei Gründen aber noch immer nicht viel zu tun.

Zum einen, weil es zuweilen noch immer schlecht organisiert ist: Ordner sprechen weder Deutsch noch Englisch, wissen nicht wo Haupt- und Nebenbühne ist. Ein funktionierendes Leitsystem auf dem weitläufigen Festivalgelände ist nicht vorhanden.

Zum anderen, weil sich die Visuals und Lasershows für Festival-Geher, die das Nova Rock oder ähnliche Veranstaltungen gewohnt sind, wie ein Kulturschock anfühlen.

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