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Urban Art Forms Festival
07/07/2013

UAF: Bum-Bum-Party mit The Prodigy

Das Urban-Art-Forms-Festival ging am Samstag mit dem vielbejubelten Auftritt von The Prodigy zu Ende.

von Karl Oberascher

Drei Tage Unterhaltungsmusik vom Plattenteller gingen am Samstag mit dem viel-gefeierten Auftritt von The Prodigy zu Ende. Die englischen Live-Experten setzten dem Urban Art Forms-Festival mit elektronischen Party-Evergreens wie „Smack my Bitch up“, „Firestarter“, oder „Breathe“ noch einmal die Stimmungskrone auf. Seit den frühen 90ern (das Debütalbum „Experience“ wurde 1992 veröffentlicht) funktioniert diese Genre-Mischung aus Acid, Rave, und Drum’n’Bass als Ausflipp-Soundtrack für exaltierte Tanzabende.

Am Schwarzlsee waren die treibenden Stückerl dann auch in kaum veränderter Form zu hören. Gut so. Ein gelungener - und fast schon programmatischer - Abschluss des Urban Art Forms Festival 2013. Denn Ausflippen war ohnehin die oberste Maxime am Schwarzlsee. Und bei Prodigy war das auch ohne fahlen Beigeschmack möglich. Immerhin standen da echte Routiniers auf der Bühne, die für sich selbst in Anspruch nehmen können, der elektronischen Tanzmusik ein Stück weit zum Mainstream-Erfolg mitverholfen zu haben.

Eine ausführliche Kritik der weiteren Auftritte am Samstag und die Highlights der Vortage (u.a. Seeed, Mike Skinner, und Deichkind) sehen Sie in unserer Bildergalerie:

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Entspannung im Freizeitzentrum

The Prodigy fanden aber auch wirklich perfekte Rahmenbedingungen für ihren frenetisch gefeierten Auftritt vor. Der letzte Tag war zwar nicht ganz von bedrohlich dunklen Wolken verschont geblieben. Die befürchteten Regenschauer, die am Donnerstag und Freitag in kurzen, dafür teils heftigen Ergüssen große Pfützen am Festivalgelände hinterlassen hatten, waren aber ausgeblieben. So konnten sich die Festivalbesucher am letzten Festivaltag ganz der Regeneration widmen.

Und die funktioniert am Schwarzlsee so gut wie bei wohl keinem zweiten Festival in Österreich. Immerhin ist das weitläufige Areal rund um den Baggersee ein beliebtes Naherholungsgebiet der Grazer. Entspannter Badespaß im „Meer der Grazer“ war also bis in den späten Nachmittag angesagt. Dazu konnten sich besonders Sportliche am Wakeboard versuchen. Wo gibt’s das sonst?

Die Grazer selbst waren ob des Massenansturms an ihrem Schwarzlsee übrigens so gar nicht erfreut. 27.000 (laut Veranstalter) feierwütige Jugendliche pro Tag hinterlassen eben ihre Spuren - das lässt sich nicht vermeiden. Auch wenn die Veranstalter mit eigenen Putztrupps, die den Campingplatz schon während des Festivals vom gröbsten Müll befreiten, allzu großen Verschmutzungen vorbeugte. Auch das gibt’s sonst nur selten.

Trotzdem: Dass es kein ordentliches Wegleitsystem gab, und die Ordner teilweise orientierungslos herumstanden, muss einen ärgern. Umwege um den halben See waren auch am dritten Tag nicht zu vermeiden.

Es gibt nur ein Gas

Zurück zur Musik: Den richtigen Soundtrack für die entspannte Bade-Atmosphäre fand man am Sonntag am ehesten bei Oliver Koletzki. Der Braunschweiger konzentrierte sich in seinem Set auf eingängigen TechHouse mit Vocal-Unterstützung.

Das mag hartgesottenen Minimal-Fans etwas sauer aufgestoßen sein, funktionierte auf der in der Nähe des Schwarzl’schen Kies-Strands gebauten Eristoff Tracks Bühne aber wunderbar. Ansonsten gab es gewohnt treibend Elektronisches zu hören.

Heimspiel für Seeed und Parov Stelar

Der Freitag bot erstmals die Gelegenheit einer Pause von der Musik vom Plattenteller. FM Belfast, Reptile Youth und Seeed fabrizieren ihre Musik auch mit Instrumenten zum Angreifen und Herzeigen: mit Schlagzeug, E-Gitarre und Bass. Natürlich waren auch elektronischen Spurenelemente dabei. Mal mehr (FM Belfast), mal weniger (Reptile Youth).

Auch der Electro-Swing von Parov Stelar und seiner Band, die am Donnerstag vor Seeed spielten, kommt ja bekanntlich nicht komplett vom Turntable. Das Saxophon erklang trotzdem öfter als es live gespielt wurde. Die Show - und diesmal auch der Sound, eines der größten Probleme des UAF 2013 - überzeugten aber. Sängerin Cleo Panther brillierte mit scharfer Stimme (und entsprechendem Bühnenoutfit) – nur die Ansagen auf Englisch nervten, immerhin standen da samt und sonders Österreicher auf der Bühne.

Ansagen auf Deutsch gab’s dafür dann bei Seeed. „Ihr hattet ja ziemlich ziemlich viel Bum Bum-Musik heute“, meinte Frontmann Peter Fox. Über ein viel-gerufenes „Österreich!“ – als wär’s egal ob Boden-, Neusiedler- oder Schwarzlsee – kam er später aber nie wirklich hinaus. Die Stimmung machte hier aber sowieso die Musik. In Big-Band-Stärke präsentierten die Berliner ein Potpourri aus alten (“Dickes B“) und neuen Hits („Augenbling“) – und Soloerfolgen von Peter Fox („Schwarz zu Blau“). Dazwischen gab’s sogar den Harlem Shake mit choreografiertem T-Shirt-Geschwenke des Publikums. Sehr schön. Das funktionierte bei DJ Baauer, der sein Original tags darauf in der Beatthroat Stage auflegte, wesentlich schlechter.

Das gelungene Bühnenbild sollte bei den ansonsten meist auf zuckende Visuals beschränkten Auftritten nicht unerwähnt bleiben: Auf drei Etagen verteilt, wirkten die 13 im Takt swingenden Seeed-Musiker selbst wie Teil der Inszenierung.

Wie fast alle Bands am UAF, waren aber auch Seeed letztlich zu leise. Egal ob vor der Main Stage, oder vor einer der fünf weiteren Bühnen: Überall hätte es noch deutlich mehr Dezibelvertragen.

Man muss nicht immer tanzen

Wie lautet also das musikalische Resümee nach drei Tagen wummernden Bässen und Hype-Musik? Mit dem letztjährigen Umzug an den Schwarzlsee sind für das Urban-Art-Forms-Festival neue Zeiten angebrochen. Das wurde dieses Jahr bestätigt. Mit laut Veranstalter 27.000 Besuchern pro Tag ist man zum drittgrößten Festival Österreichs aufgestiegen – das spürt man nicht nur am jungen Festivalpublikum, das das UAF für sich entdeckt hat – sondern auch an Acts wie Fedde le Grande, Modestep oder Knife Party. Das junge Publikum will schließlich unterhalten werden. Zeit für eine Verschnaufpause bleibt da kaum. Schade drum. Ein paar ruhigere Töne zum Dazwischenstreuen hätte es schon vertragen. Vielleicht im nächsten Jahr. Bis dahin gilt: Man muss nicht immer tanzen, nur weil es der DJ so will.

Tag eins im Rückblick

Gut, dass das Urban Art Forms-Festival am Schwarzlsee stattfindet. Zwischen Zeltaufbau-Stress und Bierpaletten-Schlepperei diente der Badeteich in unmittelbarer Nähe den jungen Festivalbesuchern als willkommene Abkühlung. Dementsprechend wenig regte sich am Donnerstag bis in die Abendstunden auf dem eigentlichen Festivalgelände. So richtig eng vor der Hauptbühne wurde es überhaupt erst bei Deichkind – den Headlinern des ersten Abends (aber dazu später mehr).

Animation

Zuvor wäre Dub FX (interessant: Live-Dubstep mittels Loop-Gerät) und Wankelmut (der mit „One Day“) zu sehen gewesen. Ob die einzelnen Herrschaften via Vinyl, CD oder Computer die Musik abgespielt haben, lässt sich aus der Entfernung schwer sagen. Egal. Im Vordergrund steht das Erlebnis. Dazu gehören nicht nur die (am UAF-Festival generell recht leise) dröhnenden Bässe. Neben zuckenden Visuals (auf Videoübertragungen der DJs wurde verzichtet) sind Zwischenrufe wie „Put your Hands up“ und „Can you feel it“ im Standardrepertoire von Anfeuerungs-DJs wie Philipp Cue oder Tai.

Kontrapunkt

Einen ersten Kontrapunkt zum housigen Einheitsbrei, der vor allem auf der sogenannten Beatthroat-Stage zu sehen war, setzte um kurz vor 21.00 Uhr die isländische Band Gus Gus. In dichten Bühnennebel gehüllt, präsentierten sie ihren sphärischen Sound ganz ohne Effekteinlagen. Das eingängige „David“, das soulig-stampfende „Unnecessary“ aus ihrem Erfolgsalbum „Attention“, oder das tragende „Over“ vom aktuellen Album „Arabian Horse“ sind Tanzmotivation genug.

Auf Visuals wurde komplett verzichtet. Auf Anfeuerungsrufe sowieso. Eine Verbeugung am Ende war alles, was es an Zugeständnis ans Publikum gab. Wohltuend. Schade nur, dass Sängerin Urður „Earth“ Hákonardóttir nicht mehr dabei ist. Ihre Gesangseinlagen konnten auch durch Zuspielung vom Band nicht ersetzt werden.

Musikalisch ein Glanzpunkt, wurde die „Show“ vom Publikum jedoch wenig frenetisch begrüßt. Die durchwegs junge Meute ist ganz aufs Feiern getrimmt. Und dafür sind Deichkind, die im Anschluss an die Isländer die Bühne betraten, bekanntlich Experten.

Kontrolliertes Remmidemmi

Das Experimental-Unterhaltungs-Kollektiv lieferte die perfekt inszenierte Showerfahrung. In Müllsäcke gekleidet und mit Neonfarben bemalt, animierten bis zu zehn Hamburger das Ziel-Publikum. Denn die Lieder waren samt und sonders bekannt. Zu „Luftbahn“, „Arbeit nervt“ und „Electric Super Dance Band“ wurde kräftig mitgesungen. Nur das zur Parole avancierte „Leider geil“ funktionierte live erstaunlich schlecht.

Vielleicht lag es auch am Sound. Der Sprechgesang der beiden MCs „Kryptic Joe“ und "Ferris Hilton“ (ehemals Ferris MC) war kaum zu verstehen.

Zwischendurch besannen sich die auf Techno-getrimmten Hamburger ihrer Wurzeln und lieferten zur Melodie von „Sunshine Reggae“ eine so noch nicht gehörte Version ihres ersten HipHop-Hits „Bon Voyage“.

Als Zugabe gab es um kurz vor Mitternacht dann noch das obligate „Remmidemmi (Yippie Yippie Yeah)“ – inklusive dem wortwörtlichen Bad in der Menge (siehe Bild). Nett.

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