"Le Grand Macabre“ an der Staatsoper: Hier geht Lauwers' Konzept auf
Regisseur Jan Lauwers und Dirigent Pablo Heras-Casado brachten in diesem Monat „La Clemenza di Tito“ zu einer spannungsbefreiten Premiere an der Wiener Staatsoper. Wie aufregend man diese Mozart-Oper zeigen kann, demonstrierte Robert Carsen bei Cecilia Bartolis Pfingstfestspielen in Salzburg.
Warum diese Ausschweifung? Weil im Haus am Ring derzeit eine andere Produktion von Lauwers gezeigt wird, nämlich „Le Grand Macabre“ von György Ligeti. Die Premiere 2023 versetzte Publikum und Kritiker zurecht in Euphorie. Die Wiederaufnahme funktioniert ungebrochen, die zeitliche Nähe dieser beiden Aufführungen zeigt aber auch, wie Lauwers arbeitet.
Wer Inszenierungen dieses Regisseurs gesehen hat, wird seine Handschrift sofort bei einer neuen erkennen. So setzte er seine Tanztruppe Needcompany auch bei Ligeti ein. In starken Bildern erzählt er die Geschichte vom verkommenen „Breughelland“, wo plötzlich der Tod in Gestalt des Höllenfürsten Nekrotzar auftaucht und den nahen Weltuntergang prophezeit.
Doch der angekündigte Komet kommt nicht. Nekrotzar kann nichts ausrichten. Das Saufen und Treiben geht weiter wie zuvor. Großprojektionen zeigen auf Tafeln Szenen von Breughel-Gemälden. Der Clou ist ein überdimensionales, braunes aufgeblasenes Pferd.
Auch eine Riesenspinne und schwarze Gebilde, die von der Decke hängen, tun ihren guten Dienst.
Georg Nigl ist ein starker, bühnenpräsenter Nekrotzar. Er zieht alle Register seines Baritons und lässt das Unbestimmbare dieser Figur mitschwingen.
Sarah Aristidou brilliert als Venus und vor allem als Chef der Gepopo mit stimmakrobatischen Leistungen. Countertenor Xavier Sabata tänzelt und intoniert als Fürst Go-Go mit Verve. Wolfgang Bankl bewährt sich als Astradamors. Marina Prudenskaya ist eine intensive Mescalina. Maria Nazarova und Isabel Signoret formieren das auf Lust versessene Paar.
Die Besetzung der kleineren Partien und der Slowakische Philharmonische Chor geben sich der Spannung hin, die Heras-Casado am Pult hält. Er kehrt die Feinheiten dieser vielschichtigen zwischen atonal und tonal changierenden Partitur, die zu Beginn mit einem Hupkonzert und nach der Pause mit Fahrradklingeln anhebt. Angerissene Walzer und Can-Can-Passagen, fragile Streichersequenzen, ein bisschen Beethoven und vieles mehr lässt Heras-Casado deutlich hören und wird wie alle heftig beklatscht. Da funktioniert das Lauwer’sche Konzept.
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