© Fremd/Wolfgang Wolak

Porträt
07/26/2021

Musik-Produzent Zebo Adam: „Unser Job ist, Emotionen einzufangen“

Der Mann hinter den Bilderbuch-Alben erklärt, warum sein Job psychologisches Gespür, Organisationstalent und Technik-Verständnis erfordert

Effektgerät für die Gitarre auftreiben. Lampen für ein wohliges Studio-Ambiente besorgen. Kaffee und Kuchen für die Nachmittags-Pause kaufen. Termin mit dem Tontechniker ausmachen.

So könnte eine kleine To-Do-Liste von Sebastian „Zebo“ Adam aussehen. Denn als Produzent vieler österreichischer Erfolgsalben, hat der Wiener in seinem Studio weit mehr zu tun, als nur die Töne, die die Musiker spielen, in bester Qualität auf den vier Festplatten seines Hauptcomputers zu speichern und dann auf eine Stereo-Spur zusammenzumischen.

Und wenn all das erledigt ist, schreibt er abends Listen und Pläne, bei welchem Song auf den Gesang noch Hall drauf muss, wo der Bassist seinen Part besser spielen kann und wann was davon zu tun ist. Nicht selten verwirft er den schönen Plan gleich am nächsten Morgen wieder.

„Unser Job ist, Emotionen einzufangen“, erklärt Adam. „Wenn ich also geplant hatte, Drums aufzunehmen, aber der Sänger hat gerade eine grandiose Idee, dann arbeite ich natürlich sofort damit weiter, um die Magie des Moments festzuhalten.“

Wie diese auf Tonträger gebannte Magie wirken kann, hat der Sohn des Hallucination-Company-Chefs Ludwig „Wickerl“ Adam das erste Mal gespürt, als er acht Jahre alt war. „Ich hörte ,Starman’ von David Bowie und konnte nicht anders, als am Bett springen, weil ich so voll Energie war. Das hat mich nie losgelassen: Du hast eine Aufnahme, drückst auf Play und spürst es am ganzen Körper.“

Obwohl Adam danach als Musiker und Roadie viele Jahre mit der Hallucination Company und Russkaja auf Tour war, blieb das Aufnehmen derart magischer Momente seine Passion.

Dazu muss er aber zuerst eine Atmosphäre schaffen, in der sie entstehen können. Das schafft er mit einem Gespür dafür, was wer in der Band gerade braucht, um kreativ sein zu können: „Bei Bilderbuch, die gerne alles lange ausdiskutieren, weiß ich, ich darf keine schnellen Entscheidungen treffen, muss jedem seine Zeit geben. Bei Lou Asril, der grandios, aber alleine und sehr jung ist, bin ich der Erfahrene, zu dem er jederzeit mit allem kommen kann, was ihn beschäftigt.“

Das von Brian Eno gestaltete Kartenspiel „Oblique Strategies“, das auf jeder Karte einen Tipp zum Durchbrechen kreativer Blockaden gibt, liegt in der Ecke. Hin und wieder zieht Adam eine, hält die Atmosphäre aber generell spielerisch: „Keiner soll das Gefühl haben, eine Aufgabe zu erfüllen, weil sie erledigt gehört. Denn so kann nichts entstehen, was berührt.“

So ist Adam bei einer Album-Produktion zu 50 Prozent mit Organisation, zu 50 Prozent mit kreativen Aspekten beschäftig, sieht sich „an der Schnittstelle zwischen Herz und Hirn“.

Und das durchaus auch in wirtschaftlicher Hinsicht. Gelegentlich muss Adam im Konflikt zwischen den kreativen Ambitionen der Musiker und den kommerziellen Vorstellungen der Plattenfirmen, die das „Produkt“ breit verkaufen wollen, vermitteln. Mit dem Aufkommen von Streaming  hat sich dabei aber einiges geändert: „Solche klassischen  Major-Label-Produktionen mit tollen Budgets gibt es  ja kaum mehr“, sagt er. „Ich werde von den Musikern oder deren Managements  beauftragt und  arbeite für null Euro, wenn mich ein Act extrem interessiert, bis hin zu einer Pauschale von 30.000 oder 35.000 Euro für ein Album. Dafür stelle ich aber alles – vom Studio über Instrumente,  Equipment und den Ton-Techniker bis hin zum Mixing, Essen und Kaffee.“ 


Zwei bis vier Monate arbeitet Adam dafür dann an einem Projekt.  Oder länger: „Für ,Magic Life’ von Bilderbuch haben wie vier Monate  geplant und acht gebraucht.“

Obwohl Adam sich   auch mit Tontechnik gut auskennt, arbeitet er  für das Mischen und bestimmte kniffligere Aufgaben in diesem Bereich mit seinem langjährigen Tontechniker-Partner Alex Tomann zusammen.


Neues Equipment kauft er, wenn er gut verdient, oder borgt es sich von Kollegen, die sich im Gegenzug etwas von ihm borgen. Kredite, um ins Studio zu investieren, verweigert er. Um sie zurückzuzahlen, wäre er gezwungen, Produktionen anzunehmen, die ihn nicht interessieren, kommerziell orientierte „Bedarfsmusik“ zu machen.


Solche Produzenten gibt es auch. Dazu die, die in der Hip-Hop/Elektroszene verankert sind und ihre Musik vorwiegend am Computer kreieren. „Nichts davon ist besser oder schlechter. Aber jeder sollte seine Stärke kennen. Und meine ist der Indie-Sektor.“

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