„Seuttss oder Teich“, 1990: August Walla lud seine Bildwelt mit einem  Kosmos aus Zeichen  und eigenwilligen Wortkreationen auf 

© Art Brut KG

Kultur
06/24/2019

Museum Gugging: Mit Hakenkreuz und Badehose

Eine Ausstellung zeigt, wie extravagant August Walla mit Text und Fotografien umging

BADEHO=

SE IST

ROSAR.!

In großen Lettern prangt diese Feststellung auf einem rosafarbenen Gebilde, das eine Badehose, aber auch ein Portal zu einer prähistorischen Tempelanlage sein könnte.

August Walla hat den Spruch – mit der für ihn typischen Punktsetzung – einst auf ein Tischtuch gemalt, gemeinsam mit vielen anderen Sprüchen, Zeichen, Bildelementen. Und tatsächlich ist das resultierende Bild ein kultisches Portal in eine andere Welt. Eine, die nur ansatzweise zu verstehen ist, aber doch eine klare Struktur und ein unverwechselbares Erscheinungsbild aufweist.

Unikat unter Unikaten

August Walla (1936 – 2001) war ein Unikat unter jenen Unikaten, die als „Künstler aus Gugging“ ab 1970 in der Kunstwelt zu Renommee gelangten. Die Schau „walla. foto.text.=ilien.!“ im Museum Gugging (bis 1.9.) streicht nun die Tatsache hervor, dass der sonderbare, große und füllige Mann auch eine Art Multimedia-Künstler war. Besonders mit Sprachelementen, aber auch mit Hilfe der Fotografie wusste er einen außergewöhnlichen Kosmos zu erschaffen, der so manches, was die etablierte Kunstszene etwa in der Welt der konkreten Poesie versuchte, vorwegnahm oder zumindest parallel erfand.

Bei Walla existierten freilich die Schranken zwischen Bild und Text, zwischen hehrer Kunst und praktischen Anwendungen nie so richtig. Das geschriebene Werk des Klosterneuburgers, dessen Schulbildung nach drei Klassen Sonderschule endete, umfasst Kochrezepte (KARTOFFELPÜREE SERVISCHES.!) ebenso wie maschinbeschriebene Wandtapetenteile, mit denen Walla fremde Sprachen zu erkunden suchte (Holländisches ausländisches Sprachenlernen, für Hollandsausflüge.??&&)

„Jeder Text ist auch Ornament“, sagt Johann Feilacher, der die Schau kuratierte und selbst auf einen langen Erfahrungsschatz mit Walla zurückgreifen kann. Als langjähriger Mitarbeiter und späterer Nachfolger des Kunstzentrum-Begründers Leo Navratil fand Feilacher selbst auch immer wieder Beschwerdebriefe des verbal sonst äußerst verschlossenen Walla in seinem Briefkasten: „In der Zeit, in der Walla nicht redete, hat er alles verschriftlicht“, sagt der künstlerische Leiter des Museums Gugging.

Demente Mutter

Auch wenn Navratil Walla bereits 1970 entdeckt hatte, zog er erst 1983 mit seiner zunehmend dementen Mutter ins „Haus der Künstler“ ein. Die Jahre davor hatte der Sonderling ihr zusammen – in Barackenwohnungen und in einem Häuschen in der Au. In dieser Zeit entstand auch ein Konvolut an einfachen Fotos, mit denen Walla häufig seine Kreationen – beschriftete Objekte, Bretter, Tafeln – dokumentierte. Auf den Rückseiten erweiterte er die Werke dann mit schriftlichen Hinzufügungen.

Nazis und Kommunisten

Der Vater war abwesend, die Mutter hatte   Männer aus ihrem Leben verbannt, so dass der junge August, der in den 1940ern Hitler-Reden im Radio hörte, mutmaßte, der Mann im Lautsprecher könnte sein Vater sein. Dass die Mutter ihr Kind – aus Angst, es könnte zum Militärdienst müssen – als Mädchen kleidete, trug weiter zur Verwirrung bei. Da später die russische Besatzungsmacht kam, dachte Walla, er sei „vom Nazimädchen zum russischen Knaben umoperiert worden“, erklärt Feilacher. In seiner Bildwelt sollte also das Hakenkreuz zum  weiblichen Symbol, jenes von Hammer und Sichel zum männlichen werden, auch der häufige Schriftzug „ADOLFE.!“ erklärt sich daraus.

Das sind allerdings nur Bruchstücke eines Zeichenkosmos, in dem es von mythischen Figuren, Göttern, Jenseitsvorstellungen und verschraubten erotischen Fantasien nur so wimmelt: Die Badehose etwa war für Walla ein Fetisch-Objekt.

Die biografischen Hintergründe sind ebenso amüsant, wie sie tragisch sind – die Kraft, mit der Walla seinen Kosmos verbildlichte und sofort wiedererkennbare Bilder schuf, lässt einen überwältigt zurück. „Er war ein Weltmeister im Schaffen von Icons“, sagt Feilacher: Dass das Gugging Wallas Schriftsetzung auch in seine Logos und Drucksorten integriert hat, ist da nur folgerichtig