Nina Zimmer wird neue Direktorin des Belvedere

Die aus München stammende Kunsthistorikerin leitet derzeit das Kunstmuseum Bern und das Zentrum Paul Klee. Sie folgt auf Stella Rollig.
Nina Zimmer, Kunstmuseum Bern

Die deutsch-schweizerische Kunsthistorikerin Nina Zimmer wird ab 2027 die Österreichische Galerie Belvedere leiten: Das gab Kulturminister Andreas Babler (SP) am Donnerstag in einer Pressekonferenz bekannt. Der Vertrag von Geschäftsführer Wolfgang Bergmann wird verlängert.

Zimmer, die auch schon im Rennen um die Nachfolge von Klaus Albrecht Schröder als Albertina-Chef als Favoritin gegolten hatte, kommt aus einem Schweizer Museumskomplex nach Österreich: Seit 2016 ist sie die erste Direktorin der unter einer Dachstiftung zusammengeführten Institution von Kunstmuseum Bern und Zentrum Paul Klee. Die Institution besitzt - dem Belvedere nicht unähnlich - eine umfassende Sammlung von historischer Kunst bis zur Gegenwart. 

Auch auf Baustellen kennt sich Zimmer aus: Das Kunstmuseum Bern ist in einem Prozess der umfassenden Erweiterung - 2033 soll dort ein Neubau eröffnet werden, die projektierten Baukosten betragen 160 Millionen Schweizer Franken (rund 160  Millionen Euro). Im Belvedere soll ein neues Besucherzentrum gebaut werden. Auch die im Bau befindliche Außenstelle ins Salzburg übernimmt Zimmer von ihrer Vorgängerin. 

Für Bergmann, der seine Verlängerung bei der Pressekonferenz am Donnerstag für "richtig und gut und richtig gut" befand, sind die Bauprojekte ebenfalls Prioritäten, die es weiterzuverfolgen gilt. Man habe angesichts der Sparpläne des Bundes eine Übergangslösung gefunden und hoffe, "möglichst  anschlussfrei" in die Umsetzung gehen  zu können, so bergmann mit Blick auf dem neben ihm anm Podium stehenden Andreas Babler (SP).

Raubkunst kein Fremdwort

Auch wenn die großen Restitutionsfälle aus dem Belvedere abgearbeitet scheinen, betritt die neue Direktorin Nina Zimmer auch im Umgang mit problematischen Besitzverhältnissen kein Neuland. 

Das Kunstmuseum Bern kam auch international in die Schlagzeilen, weil es den Nachlass des Kunsthändler-Sohn Cornelius Gurlitt beherbergt, um den eine Raubkunst-Debatte entbrannt war. Zimmer baute in Bern die erste Abteilung für Provenienzforschung eines Schweizer Museums auf und bereitete als Co-Kuratorin 2017 eine Gurlitt-Ausstellung im Kunstmuseum Bern vor. 

 Zuvor war Zimmer seit 2006 Kuratorin für 19. Jahrhundert/Klassische Moderne am Kunstmuseum Basel, seit 2014 Vizedirektorin. 2015 war sie für die Ausstellungen des Kunstmuseums Basel im Museo Nacional Reina Sofia und im Prado, Madrid, zuständig.

"Gemeinschaftsarbeit in der Kunst"

Nina Zimmer studierte in Bordeaux und Göttingen Kunstgeschichte, Romanistik und Medienwissenschaften. Laut ihrem Lebenslauf  beschäftigte sich ihre Dissertation mit „Gemeinschaftsarbeit in der Kunst um 1960 zwischen Moskau und New York“. 2002 war sie Gastprofessorin am Seminar für Kunstgeschichte der University of Chicago sowie 2005 Gastprofessorin für westliche Kunsttheorie an der Korean National University of Art in Seoul, Südkorea. 2013 war sie die erste europäsische Absolventin des CCL (Center for Curatorial Leadership), New York / Los Angeles.

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