MUMOK: Ein Augenschmaus mit Ohren

So könnte das MUMOK 2012 aussehen: Museumsdirektorin Karola Kraus vor "ihrem" Haus – mit riesigen Micky-Maus-Ohren.
Foto: Kristian Bissuti / Montage

Das MUMOK eröffnet am Freitag neu. Neo-Direktorin Karola Kraus gibt einen Ausblick: Sie will u. a. dem Museumsgebäude Micky-Maus-Ohren aufsetzen.

Das Büro von Karola Kraus ist schlicht eingerichtet: Hinter dem Schreibtisch der seit Oktober 2010 amtierenden Direktorin des Wiener Museums Moderner Kunst (MUMOK) fallen vor allem Architekturmodelle auf.

En miniature zeigen sie jene Veränderungen, mit denen das Museum am kommenden Freitag neu eröffnet: Das Foyer wurde großzügig umgestaltet, "sodass der Besucher das Gefühl hat, in einer Eingangshalle zu stehen", erklärt Kraus. Das einst gut versteckte Café ist nun Teil des Eingangsbereichs, im Souterrain kam ein von Zobernig und Michael Wallraff gestalteter Kino- und Veranstaltungssaal dazu.

Noch auffälliger ist allerdings jenes Modell, in dem das Gebäude des MUMOK riesige Micky-Maus-Ohren trägt. Geht es nach Kraus, so soll diese Vision zur großen Schau des Pop-Künstlers Claes Oldenburg ab Februar 2012 Realität werden. "Als Oldenburg hierher kam, war er ganz fasziniert von unserem Gebäude, weil es ihn an seine ,Geometric Mouse', ein Hauptwerk aus den 1970er-Jahren, erinnert hat", erzählt Kraus. In Wien soll nun eine aktualisierte Version entstehen, für die Direktorin ein temporäres "Wahrzeichen der Stadt" mit Ohren von 20 Metern Durchmesser. "Leider ist das mit erheblichem finanziellem Aufwand verbunden", sagt Kraus. "Wir sind derzeit dabei, Sponsoren zu finden."

Hohe Kosten für Oldenburg-Retrospektive

So könnte das MUMOK 2012 aussehen: Museumsdirektorin Karola Kraus vor "ihrem" Haus – mit riesigen Micky-Maus-Ohren. Foto: Kristian Bissuti / Montage So könnte das MUMOK 2012 aussehen: Museumsdirektorin Karola Kraus vor "ihrem" Haus – mit riesigen Micky-Maus-Ohren.

Die auch ohne Mausohren hohen Kosten der Oldenburg-Retrospektive stemmt das MUMOK mithilfe von Kooperationspartnern: Nach Wien wandert die Schau ins Museum Ludwig Köln, ins Guggenheim Bilbao und ins MoMA New York, das gewöhnlich nie fremde Ausstellungen übernimmt. "Wir sind schon stolz, dass wir solche Partner finden konnten und dass die Planung aller Stationen von hier aus gemacht wird", sagt Kraus, die den Erfolg nicht sich selbst, sondern dem Kurator Achim Hochdörfer auf die Fahnen schreibt.

Kraus' eigene Antrittsvorstellung beginnt am Freitag: Mit der Schau "Museum der Wünsche" zeigt sie, dass ihr die Ergänzung und Erweiterung der MUMOK-Sammlung ein zentrales Anliegen ist. Werke von Martin Kippenberger, Marcel Broodthaers oder Richard Prince werden neben Sammlungsbeständen präsentiert - und sollten nach Möglichkeit ebenfalls mithilfe privater Geldgeber angekauft werden.

"Ich habe schon viele Gespräche geführt und bin zuversichtlich, dass dafür in Österreich sehr viel Kapazität da ist", sagt Krauss, die als Mitglied der deutschen Sammlerfamilie Grässlin mit der Kultur des Mäzenatentums bestens vertraut ist. "Natürlich möchte ich auch versuchen, internationale Sammler an unser Haus zu binden - was natürlich schwieriger ist."
Unter Kraus' Vorgänger Edelbert Köb gab das MUMOK mehr Geld für Kunstankäufe aus als jedes andere Bundesmuseum, der Wert erhaltener Schenkungen belief sich 2009 auf 621.000 Euro. "Ich denke, das Kuratorium erwartet, dass ich dieses Level halte - und ich werde alles daran setzen", sagt Kraus. Gerade bei internationalen Sammlern entscheide oft die persönliche Betreuung, welchem Museum sie ihre Schätze überantworten. Für österreichische Sammler sei darüber hinaus entscheidend, "dass das MUMOK nun einmal das wichtigste österreichische Museum für Gegenwartskunst ist", sagt Kraus. "Da ist es naheliegend, dass man das Haus auch unterstützt."

An Platz mangelt es

Dass dem Museum der Platz fehlt, um Mäzenen die ständige Sichtbarkeit ihrer geschenkten bzw. gesponserten Kunstwerke zu garantieren, sieht auch die neue Direktorin als "eines der Hauptprobleme". Mit Forderungen nach mehr Platz hält sie sich aber noch zurück. Künftig will sie mehr Kunst aus eigenen Beständen zeigen - "da wird es möglich sein, solche Sammlungsblöcke auch immer wieder zu präsentieren".

Kraus: Seit 2010 MUMOK-Direktorin

So könnte das MUMOK 2012 aussehen: Museumsdirektorin Karola Kraus vor "ihrem" Haus – mit riesigen Micky-Maus-Ohren. Foto: Kristian Bissuti / Montage So könnte das MUMOK 2012 aussehen: Museumsdirektorin Karola Kraus vor "ihrem" Haus – mit riesigen Micky-Maus-Ohren.

Direktorin: Karola Kraus wurde 2010 zu neuen MUMOK-Direktorin bestellt. Die deutsche Kunsthistorikerin leitete zuvor unter anderem die Kunsthalle Baden-Baden.

Eröffnung: Am Freitag (9. September) eröffnet das unter Kraus umgebaute MUMOK mit der Schau "Museum der Wünsche". Am 10. September lädt Kraus zu einem Tag der offenen Tür (10:00 - 19:00 Uhr).

(KURIER) Erstellt am
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