Monika Gruber: "Privat bin ich kein Dauerpausenclown"

Die bayerische Kabarettistin spricht im Interview über ihr neues Buch und erklärt, weshalb sie immer wieder gerne nach Österreich kommt.

Monika Gruber ist eine der bekanntesten Kabarettistinnen Deutschlands. Ihr freches Mundwerk stellte sie auch schon im Duo "Best of Beide" mit Michael Niavarani unter Beweis. Am Dienstag und Mittwoch ist sie mit ihrem aktuellen Programm "Irgendwas is' immer" im restlos ausverkauften Salzburger Kongresshaus zu Gast. Im Interview spricht die Bayerin über ihre neu erschienene Autobiografie "Man muss das Kind im Dorf lassen" (Piper Verlag) und erklärt, wieso sie zum Österreich-Fan geworden ist.

Sie haben vor gar nicht allzu langer Zeit einige TV-Formate aufgegeben und stattdessen jetzt ein Buch geschrieben. Hatten Sie Angst, dass Sie sonst vielleicht ein Burn out kriegen könnten?“

Burn out ist zum Modebegriff geworden, so wie man früher ein Handicap beim Golf hatte. Es ist schon fast en Vogue ein Burn out zu haben und man kommt sich fast ein bisschen defizitär vor, wenn man keins hat. (lacht) Aber für ein Burn out bin ich doch nicht der richtige Kandidat. Trotzdem habe ich nur eine gewisse Kraft zur Verfügung, und wenn ich die Batterien nicht regelmäßig auflade, werde ich vielleicht unkonzentriert oder krank. Das erlebt man ja auch immer wieder im Bekanntenkreis, dass Leute plötzlich schwer krank werden, deswegen versuche ich meinen Stresslevel zu verringern, um nicht irgendwann mit sowas konfrontiert zu werden.“

Haben Sie sowas tatsächlich schon erlebt?

Ein Freund von mir ist vor zwei Jahren schwer erkrankt und hat mir gesagt, er ginge es jetzt einfach ein bisschen ruhiger an. Man kann sowieso weder alles machen, noch es allen recht machen, und sollte einfach mehr an sich denken, deshalb fahre ich auch bald wieder übers Wochenende mit einer Freundin an den Achensee nach Österreich.

Werden Sie jetzt noch zur heimlichen Österreicherin?

Wieso heimlich? Ich bin bekennender Österreich-Fan und fahre seit über zehn Jahren an den Achensee. Wenn ich dort mit einer Freundin hinfahre, wollen wir drei Tage durchquatschen, uns massieren lassen, etwas Schönes essen, ein Glas österreichischen Wein dazu trinken, und nach drei Tagen fühlt man sich so erholt, wie woanders nach einer Woche Urlaub.

Erwarten die Leute von Ihnen als Kabarettistin eigentlich, dass Sie ständig witzig sind und eine Pointe nach der anderen raushauen?

Leute, die nicht so viel über unsere Branche wissen, erwarten das tatsächlich. Ich lache deshalb, weil ich mal mit einer Freundin und unseren beiden Müttern in einem Lokal saß, wo eine Frau vom Nebentisch zu uns an den Tisch kam, die schon den ganzen Abend zu uns rüber geschaut hatte und meinte „Nachdem ich Sie jetzt stundenlang am Tisch beobachtet habe, muss ich feststellen, dass Sie in Wahrheit gar nicht so lustig sind wie im Fernsehen.“ Meine Mutter und meine Freundin haben mich mal angeschaut, beide konnten es nicht fassen, dass die Dame offensichtlich der Meinung war, ich müsste auch privat der Dauerpausenclown sein.

Der sind Sie aber nicht?

Leute, die mich gut kennen, wissen, dass ich bei entsprechend guter Laune gern mal einen Tisch unterhalte, aber das ist beileibe kein Dauerzustand. Ich möchte auch gerne mal Freunden zuhören und nicht für die Stimmung am Tisch verantwortlich sein. Ich habe auch meine Phasen, in denen ich gar nicht rede. Es gibt Abende an denen ich frei habe und eigentlich gerne Freunde treffen würde, aber genau weiß, dass ich an dem Tag nicht die Kraft für eine Unterhaltung hätte. Stattdessen schaue ich mir lieber einen Film an, lese ein Buch, sitze auf dem Sofa und blättere 3-4 Magazine durch, trinke vielleicht ein Glas Wein dazu und rede absolut nichts, ich telefoniere nicht mal.

Sie treten ja mittlerweile in Hallen von olympischen Ausmaßen auf. Hat man eigentlich keine Angst auf der Bühne zu stehen und mal einen kompletten Black out zu haben?

Das ist mir schon passiert, dass ich auf der Bühne einen kompletten Blackout hatte. Darum habe ich seit dem immer einen Zettel in der Hosentasche, auf dem der rote Faden des Programms steht, weil ich bei meinem Blackout nicht mal mehr wusste in welchem Programm aus welchem Jahr ich mich befunden habe, da steigt einem wirklich die nackte Angst auf. Wobei eine Grundnervosität natürlich immer da ist, und je nachdem, wie oft ich das Programm gespielt habe, bewegt sich das zwischen normaler Bühnennervosität und panischer Angst.

Wenn man ab einem gewissen Alter noch keine eigene Familie hat, wird man gern gefragt, ob man keine gründen will. Kennen Sie solche Fragen auch?

Ja, natürlich, in meinem Alter fragen selbstverständlich alle „Wie schaut‘s aus, willst Du jetzt Familie und Kinder haben?“ Dann sage ich „Ja, das wäre alles ganz einfach, wenn es nur an mir läge. Aber es gehören tatsächlich Zwei dazu und deshalb ist das Ganze nicht so einfach“. Der Witz ist ja, dass ausgerechnet die Leute, die einen immer fragen, selber nicht gerade so wahnsinnig tolle Ehen führen, die ich mir zum Vorbild nehmen würde, insofern können sie argumentativ nicht so punkten und die Diskussion ist schnell wieder vorbei.

Wenn man Karriere machen will, ist es sicher schwierig Kind und Beruf zu vereinbaren?

Ich glaube, wenn man es wirklich wollte, ginge das schon, aber es würde natürlich das ein oder andere Opfer verlangen. Schwierig wäre es auf jeden Fall, dann müsste ich die berufliche Karriere vielleicht einfach zurückstellen. Aber mal schauen, man weiß ja nie was kommt, ich lasse mich überraschen.

Halten Sie sich selber für eine starke Frau?

Monika Gruber: "Privat bin ich kein Dauerpausenclown"
Ich würde schon sagen, dass ich eine starke Frau bin und sehr viel Kraft habe. Ich weiß, dass ich mit meinem Leben zurechtkomme. Wenn der Erfolg auf der Bühne abreißen würde, könnte ich sofort wieder kellnern und würde trotzdem nicht daran zugrunde gehen. Aber eine starke Frau zu sein, heißt ja noch lange nicht, dass ich nicht auch eine sensible und weiche Seite habe, und mich gerne auch mal anlehnen würde. Ich möchte vielleicht auch mal jemanden haben, der mir etwas abnimmt und sagt „Ich mach‘ das mal für dich und nehm‘ das in die Hand, Du musst nicht immer nur stark sein“. Es ist auch wichtig, das ich als Frau einfach mal was abgeben und sagen kann, da ist jemand, der kümmert sich um alles.

Das Interview führte Claudia Böhm

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