Kultur
04.05.2018

Mira Magén: Ein Meisterwerk im Nirgendwosein

"Zuversicht": Die israelische Schriftstellerin über eine Frau, die sich ins Altersheim zurückzieht, als 39-Jährige

Bei „Zuversicht“ der israelischen Schriftstellerin Mira Magén fliegen die Gedanken nach Linz zu Anna Mitgutsch.
Wie folgt man einem Geliebten in den Tod, ohne das Leben zu verlieren? Das hat Mitgutsch vor fast zehn Jahren in ihrem Roman „Wenn du wiederkommst“ zu beantworten versucht.
Sie zähmte die Trauer.
Ein Höhepunkt in ihrem Werk, in dem garantiert nichts für die Spaßgesellschaft zu finden ist.
Genauso ist das bei Mira Magén.
Ihre Übersetzerin, die nicht minder bekannte Mirijam Pressler, meint, „Zuversicht“ sei ihr der liebste Roman dieser Autorin (die vorher Psychologiestudentin war, Lehrerin, Sekretärin und Krankenschwester).
Zuversicht“ ist ein Meisterwerk des Empfindens, sprachlich vom Leisesten und Feinsten ist es  auch.
Wie ein Pendel, das hin und her schwingt, und jemand vorsagt: Sie werden lesen, lesen, lesen  ...


Frau Nava ist 39 ... und zieht sich in ein Seniorenheim zurück.
Nava hat bei einem Autounfall Sohn und Ehemann verloren, deshalb soll es für sie nur noch Vergangenheit geben. Das Heim kommt dem Nirgendwosein am nächsten, findet sie.
Eine Bewohnerin protestiert: Sie zahle viel Geld, um hier nicht daran erinnert zu werden, wie es einst war, jünger zu sein. Außerdem möge Nava sich nicht so aufführen – „Es gibt hier Menschen, die in Lagern waren!“
Nava war Innenarchitektin. Sie hat viel Geld und braucht nicht zu arbeiten.
Aber sie nimmt einen Job als Kassierin im nächsten Supermarkt an. Sie will unsichtbar werden  –  so, wie Anna Mitgutsch einst geschrieben hat:
„Wir werden unsichtbar, lange bevor wir uns nutzlos fühlen, auch unseren Nächsten geraten wir aus dem Blick wie Gegenstände, die schon zu lange am gleichen Platz verharren.“
Aber Nava darf das nicht gelingen. Sie wird (noch) gesehen, von einem Kind, von Männern, und sie wird die schützende Mauer  verlassen.

Höchstwertung!

 


Mira Magén:
Zuversicht
Übersetzt von
Mirijam Pressler.
dtv.
432 Seiten.
24,70 Euro.

KURIER-Wertung: *****