Kultur
17.01.2018

Minnie Mouse war in den Goldenen Zwanzigern ein flottes Mädchen

Ein Stern in Hollywood wird ihren Namen tragen. Dabei ist sie längst kein strahlender Star mehr.

Obwohl sie eine Maus ist, gilt Minnie als ENTENstarke Frau. Sagt man so in Entenhausen, wo sie lebt.

Na gut, ihre Freundin Daisy Duck wird ihr bestimmt nicht in den Rücken fallen und sagen, dass Minnie eigentlich eine Tussi sei, am meisten interessiert an Kaffeeklatsch und Einkaufsbummel. Daisy mag das ja genauso gern.

Und wie Minnie eignet sie sich vor allem als süße Figur auf dem Bettzeug kleiner Mädchen und auf Kinderregenschirmen.

Nr. 2627

Die Zeit ist allerdings ungünstig für derart Ungebührliches, denn Minnie Mouse wird nächste Woche geehrt, sie zieht mit ihrem Freund / Verlobten Mickey Mouse gleich (mit Donald Duck und Donald Trump hat sie’s jetzt übrigens auch gemeinsam, Gratulation): Auf dem Hollywood Boulevard in Los Angeles bekommt sie einen Stern, die Nummer 2627.

Fiktive Personen sind selten auf dem Walk of Fame verewigt, weil sie die 40.000 Dollar für die Bewerbung nicht zahlen können. Das ist gewissermaßen der Kaufpreis.

Für Minnie erledigt es der Disney Konzern, Sängerin Katy Perry, großer Fan der Disney-Klassiker, wird bei der Zeremonie mithelfen.

Absprung

Einen runden Geburtstag hat Minnie heuer auch, den 90. Daisy ist um zehn Jahre jünger.

Mickey hat am selben Tag wie Minnie Geburtstag. Als solcher wird immer der 18. November (1928) genannt, wegen des singenden Auftritts im Zeichentrickfilm "Steamboat Willie".

Aber die Mäuse hatten schon am 15. Mai 1928 das Vergnügen: Damals, in "Plane Crazy", lud Mickey die Minnie in sein aus einem Automobil gebasteltes Flugzeug ein, und oben in der Luft wollte er sie doch tatsächlich küssen!

Sie ist lieber abgesprungen. Ihr Röckchen war ein brauchbarer Fallschirm.

Dieser Sechs-Minuten-Film war nur zu Testzwecken vorgeführt worden, er fand zunächst keinen Verleiher, man lässt ihn deshalb gern unter den Tisch fallen.

Minnie Mouse wurde damals von Zeichner Ub Iwerks als flottes Girl der Roaring Twenties angelegt. Ohne Tschick im Mund halt.

Erst ab den 1940ern wurde sie braver, fader, konservativ. Erst dann bekam sie ihr Mascherl im Haar und auf den Schuhen. und ihre Lieblingsfarbe Blau wechselte in Filmen, Comicbooks und Zeitungsstrips zu Rot und Pink.

Seither ist sie oft nur dazu da, um mit Mickey zu schimpfen, wenn er auf Abenteuer aus ist. Fällt sie in Ohnmacht, tut sie es aber immerhin so, dass sie dabei dem bösen Kater Karlo den Revolver aus der Hand schlägt.

Wieso die Mausdame Angst vor Mäusen hat, ist eines der Merkwürdigkeiten in Entenhausen. Was soll’s – Donald und seine Neffen essen ja auch mit Vorliebe ... Hendl.