© Universal Musick/Anton Corbijn

Interview
08/23/2020

Metallica rocken mit Prokofjew im 5/8-Takt

Gitarrist Kirk Hammett über das Orchester-Album „S&M 2“ und den Entzug von James Hetfield

von Brigitte Schokarth

Im September 2019 spielten Metallica in San Francisco zwei Shows mit dem San Francisco Symphony Orchestra, um damit die Eröffnung des Chase Centers zu feiern.

Schon 1999 hatte die Metal-Band mit diesem Orchester zwei Konzerte gespielt und die auf dem Live-Album „S&M“ veröffentlicht. Mehr als 20 Jahre danach erscheint kommenden Freitag „S&M 2“ mit den Aufnahmen der Shows vom vorigen Jahr. Im KURIER-Interview spricht Gitarrist Kirk Hammett über die Herausforderungen einer Prokofjew-Suite, seine Entscheidung, Präsident Trump nicht zu geben, was dieser will, und die Arbeiten am nächsten Metallica-Album.

KURIER: Um wie viel einfacher war es mit der Erfahrung von vor 20 Jahren, diese Orchester-Konzerte von „S&M 2“ zu spielen?

Kirk Hammett: Sicher hat es auch eine Rolle gespielt, dass wir diesmal wussten, was uns erwartet. Aber noch wesentlich war, dass sich die Technologie stark weiterentwickelt hat, und wir mit Problemen der Akustik beim Aufnehmen der Show viel besser umgehen konnten. Und wir konnten auch auf einer Rundbühne spielen. Beim ersten Mal ist das Orchester hinter uns gesessen. Diesmal gab es einen Steg, der die Sektionen der Streicher, der Bläser und der Schlagwerker verbunden hat, und wir konnten zwischen diesen Sektionen hin und her laufen und direkt mit den Orchestermusikern interagieren. Dass das ging, war ein Highlight für mich.

Sie haben auch Versionen der klassischen Werke „Skythische Suite“ von Prokofjew und „Eisengießerei“ von Alexander Mossolow gespielt. Wie kam es dazu?

Die wurden von unseren Dirigenten Michael Tilson Thomas und Edwin Outwater vorgeschlagen. Und wir fanden, dass sie genau das transportieren, was wir machen wollten. Das war schon eine Herausforderung, denn speziell die „Eisengießerei“ ist in einem 5/8-Takt. Dafür haben uns Michael und Edwin gleichzeitig dirigiert. Das war das erste Mal, dass wir beim Spielen auf einen Dirigenten achten mussten. Generell haben wir bei der Auswahl der Stücke darauf geachtet, dass es nicht einfach eine Neuauflage des ersten Albums wird. Für ein paar Songs wie „Enter Sandman“ und „Nothing Else Matters“, die wir auch schon 1999 mit dem Orchester gespielt haben, hat uns unser Arrangeur Bruce Coughlin deshalb eine neue Orchestration geschrieben.

Sie selbst sind ja ein glühender Klassik-Fan ...

Genau. Ich liebe vor allem die deutschen Komponisten und von euch Österreichern Johann Strauß. Der begleitet mich seit meiner Kindheit. Aber auch Beethoven, Wagner, Bach und Händel. Das Witzige ist – und das ist mir erst kürzlich aufgefallen –, dass ich auch in der Rockmusik stark von deutschen Musikern beeinflusst bin, nämlich von Rudolf und Michael Schenker von den Scorpions.

Was macht die deutschen Komponisten so einzigartig?

Musikalische Effizienz. Sie waren diszipliniert, extrem gut und haben alles Wissen und alle Ressourcen, die ihnen damals zur Verfügung standen, ausgenützt. Und ihre Werke waren kantig und konfrontativ und trotzdem wunderbar melodiös.

Wenige Wochen nach den Orchester-Konzerten mussten Sie voriges Jahr die Tour durch Australien und Neuseeland verschieben, weil Sänger James Hetfield, der seit vielen Jahren mit der Alkoholsucht kämpft, wieder in den Entzug musste. Wie war das für Sie?

Natürlich tut es mir immer weh, wenn wir etwas absagen müssen. Für die Fans, aber auch für mich, weil live zu spielen ist mein Lebenselixier. Dafür wurde ich geboren, und es fehlt mir extrem. In dem Fall geht aber natürlich die Gesundheit von James vor. Ich war ja auch einmal in dieser Situation. Ich bin jetzt seit fünfeinhalb Jahren trocken und genieße es, weil ich nicht das Gefühl habe, dass mir etwas abgeht. Ich wäre aber nicht soweit gekommen, wenn ich damals nicht meine Freunde gehabt hätte, die mich dabei unterstützt haben.

Sie sind gerade in Hawaii, wo Sie die Lockdown-Phase verbracht haben. Wie geht es Ihnen dort mit der Aussicht, wegen Corona noch länger auf Liveshows verzichten zu müssen?

Na ja, ich schwanke zwischen Ärger, Trauer und Wut, das ganze Spektrum der Gefühle. Ich muss halt Geduld haben, denn irgendwann geht auch das vorbei. Hier in Hawaii geht es uns ja supergut, denn hier ist das Virus nicht so präsent wie auf dem Festland. Und ich darf auch Surfen gehen. Man darf zwar nicht am Strand liegen oder spazieren gehen. Aber man darf von der Straße ins Wasser laufen und dann wieder über den Strand zurücklaufen. Und das mache ich – auch heute Nachmittag noch.

Sie sagten vor ein paar Jahren, dass Sie gerne auf Twitter in ein Wortgefecht mit Donald Trump einsteigen würden. Haben Sie das gemacht? Anlass hätte es mit seinem Umgang mit der Krise ja genug gegeben.

Ja, aber ich bin davon abgekommen, weil diese Art der Konfrontation und Aufmerksamkeit genau das ist, was er haben will. Und das will ich ihm nicht geben. Ich finde aber, dass seine Amtszeit schon auch etwas Positives hat. Denn all die Korruption, die Lügen der Politiker, ihre Missachtung der Gesetze und generell alles, was in den USA, in unserer Kultur und in unserer Gesellschaft falsch läuft, ist dadurch ans Licht gekommen. Und weil darüber jetzt alle Bescheid wissen, weil alle wissen, wie wir manipuliert und ausgenützt werden, bin ich sicher, dass sich das alles nächstes Jahr mit einer neuen Regierung ändern wird.

Stimmt es, dass Sie über Zoom an einem neuen Metallica-Album arbeiten?

Ja, aber das ist in einem frühen Anfangsstadium. Wir benutzen Zoom eher dazu, uns über Ideen dafür auszutauschen. Wirklich miteinander zu spielen oder etwas aufnehmen geht damit nicht.

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