© © Lucie Jansch

Kritik
01/24/2020

"Messias" in Salzburg: Mozart-Kunstfiguren auf spiritueller Reise

Bei der Salzburger Mozartwoche: Ein musikalisch stimmiger „Messias“ in schönen Bildern. (Von Helmut C. Mayer).

Schwebende Baumstämme, eine riesige Kugel, ruhiges Wasser, brausende Brandung, berstende Eisberge beim „Halleluja“, ein überdimensionales Tor auf der mit Neonlicht umrandeten Bühne: Es sind starke, ästhetische Bilder bei der Salzburger Mozartwoche.

Erdacht hat sie, einen magischen Raum mit exakt eingesetztem Licht, Robert Wilson für die szenische Umsetzung des Oratoriums „Der Messias“ von Georg Friedrich Händel.

Dazu kommen lauter Kunstfiguren, wie der schattenrissartig beleuchtete Chor, die Protagonisten in kunstvollen Kostümen mit der für Wilson üblichen stilisierten Gestik und dem langsamen Schreiten sowie ein Tänzer (exzellent: Alexis Fousekis), ein alter Mann und ein Kind.

Da das Oratorium über keine Handlung verfügt und der vielseitige Alttheatermann eine solche auch nicht erzählen, sondern eine spirituelle Reise zeigen will, sind seine meist statischen Bilder teils abstrakt, teils surrealistisch, immer vieldeutig, verrätselt, fantasievoll.

Auch im Sommer

Das Oratorium erklingt in der 1789 erfolgten Bearbeitung von Wolfgang Amadeus Mozart KV 572 und ist eine Koproduktion mit den Salzburger Festspielen, wo es auch im Sommer gezeigt wird, wie auch mit dem Théatre de Champs – Elysées. Die neue Instrumentation des Salzburger Genius, vor allem bei den Bläsern, seine detaillierten, spieltechnischen Anweisungen und behutsamen Kürzungen oder Retuschen trugen zur rascheren Verbreitung und Popularität des Werkes bei. Und sie faszinieren auch heute noch: Händels Geist aus Mozarts Händen.

Vor allem, wenn es in einer derart stimmigen Interpretation zu hören ist wie diesmal: Alle überstrahlt die glockenreine, koloratursichere Elena Tsallagova (Sopran), die einmal, wie ein Engel ausgestattet, in einer Gondel die Bühnen quert. Samtig hört man Wiebke Lehmkuhl (Alt). Nicht immer ganz exakt singt Richard Croft (Tenor) mit humoristischen Einlagen. José Coca Loza (Bass), wie eine Priesterfigur gekleidet, gefällt mit punktgenauer Rhythmik und schönem Timbre.

Anfänglich nicht immer eines Sinnes aber dann doch sehr ausbalanciert und klangschön hört man den Philharmonia Chor Wien (Walter Zeh), wobei man sich das berühmte „Halleluja“ strahlender gewünscht hätte. Spielfreudig, akzent- und kontrastreich, transparent aber auch mit feinsten Tönen spielen Les Musiciens du Louvre unter seinem sehr agilen Chef Mark Minkowski. Großer Jubel.

Bei der Mozartwoche 2021 wird Mozart als Musikdramatiker im Mittelpunkt stehen, weswegen alle Werke in einer Moll-Tonart sowie neben zahlreichen Orchesterkonzerten u. a. ein konzertanter „Don Giovanni“ erklingen werden.

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