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Kultur
09/12/2019

"Merowinger" im Volkstheater: Das Beste ist die Blasmusik

Kritik. Die Doderer-Dramatisierung „Die Merowinger“ enttäuschet im Volkstheater.

von Guido Tartarotti

Die Dramatisierungswelle rollt durch die Theater – und plötzlich haben die Dramaturgen Heimito von Doderer entdeckt.

Das Theater in der Josefstadt eröffnete seine Spielzeit mit einer braven, wenig aufregenden Fassung von „Die Strudlhofstiege“, mehr eine gespielte Lesung als ein Stück.


Jetzt zog das Volkstheater mit „Die Merowinger“ nach – und der Versuch ging ebenfalls schief.

Wo in der Josefstadt Literaturpflege betrieben wurde, gab es im Volkstheater wildes, unfrisiertes Chaos mit Blasmusikbegleitung (die Gruppe ist übrigens hervorragend!).

Groteske

Der erfahrene Theaterdichter Franzobel hat aus Doderers groteskem Roman um einen Wüterich, der durch eine völlig absurde Heirats- und Adoptionspolitik die nur aus sich selbst bestehende „totale Familie“ erschaffen will, einen zeitgemäßen Text gemacht. Ein Text, der, wie bei Franzobel üblich, weder vor kindischen Wortspielen, noch vor Reimen, noch vor Derbheiten zurückschreckt.

Und natürlich gibt es aktuelle Anspielungen, und auch die NS-Vergangenheit Doderers wird nicht gänzlich ausgespart. Der Text ist witzig, ob er ein Stück ergibt, bleibt dahingestellt.

Hausherrin Anna Badora inszeniert eine wilde Groteske, die offenbar komisch und schrecklich gleichzeitig sein soll, aber nach gutem Beginn irgendwann nur noch langweilt. Und wer den Roman nicht gelesen – oder nicht mehr gut in Erinnerung – hat, der hat keine Chance, die Handlung zu verstehen.

Der Hauptdarsteller Peter Fasching ist als Childerich eine merkwürdige Besetzung, weil ein sanftmütiger, schmaler Mann statt des erwarteten Wüterichs. Das Ensemble schlägt sich durchaus wacker.

Nach zweieinhalb Stunden Vorstellung gab es höflichen Applaus. Fazit: Anna Badora startet eher glücklos in ihre letzte Spielzeit.

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