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Kultur Medien
05/05/2019

Warum bei der Serie „Freud“ Prag zu Wien wird

Satel-Chef und Produzent Heinrich Ambrosch über Steueranreize und Standortpolitik

Die Mystery-Thriller-Serie „Freud“ entsteht derzeit in Prag – obwohl sie in Wien spielen wird. Der Grund dafür ist unter anderem finanzieller Natur. „Es gibt in Österreich bisher keine Steueranreizmodelle für Film. Gäbe es ein solches, etwa wie in Belgien, dann täten wir uns natürlich viel leichter, Produktionsmittel in Österreich auszugeben, weil wir dann etwas vom eingesetzten Kapital zurückbekommen würden“, sagt Produzent und Satel-Chef Heinrich Ambrosch. Genau das ist etwa auch in den östlichen Nachbarländern der Fall, was sie neben großen Studio-Kapazitäten und Know-how attraktiv für Drehs macht. „Davon profitiert natürlich die Produktionslandschaft vor Ort und unter dem Strich auch die öffentliche Hand massiv.“

Deshalb begrüßt Ambrosch die Ankündigung von Minister Gernot Blümel (ÖVP), dass im Zuge der Steuerreform für das Filmland Österreich ein Steueranreizmodell geplant ist, das sich an internationalen Vorbildern orientiert.

Zur Standortpolitik gehöre aber auch weiterhin ein Öffentlich-Rechtlicher als starker Partner der Filmwirtschaft, erinnert Ambrosch. Im Fall von „Freud“ war nämlich der ORF bereits an Bord, bevor dann Netflix kam, weil der Stoff bei der Berlinale 2018 für Interesse sorgte.

Kein Biopic

Wien wird, nicht nur dank der technischen Möglichkeiten des modernen Films, trotzdem in „Freud“ sehr präsent sein. „Es sind vor allem die Menschen, aber auch Sehenswürdigkeiten und längst vergangene Bauwerke.“ Viel wird vom jüdischen Leben zu sehen sein. Trotzdem: „Es wird kein Biopic. Die Autoren erzählen intuitiv und frei.“

Vor fünf Jahren hat Ambrosch mit der Entwicklung des Freud-Stoffes begonnen. „Seit ich Marvin Kren das Projekt angeboten habe, hat er es in einer bewundernswerten Weise vorangetrieben.“ Auch wenn es um 1890 spielt, „wird das eine moderne Serie und ein österreichischer Freud, wie ihn nur Österreicher umsetzen können.“