Salka Weber: "Es ist mutig, wenn ohne Gewalt, Sex und Action erzählt wird"

Die Wiener Schauspielerin Salka Weber ist im TV-Film "Damen" ebenso zu sehen wie in der Reihe "Alpentod". Im KURIER-Interview spricht sie über Dreharbeiten, Social Media und Mut zu stillen Geschichten.
Titel: Damen Untertitel: Szenenfoto

Mit einem schweren Rucksack auf den Schultern hetzt die Mittdreißigerin Maya kreuz und quer durch München, pendelt zwischen Terminen als mobile Nagelpflegerin, ihrem Job als Maskenbildnerin am Theater und Besuchen bei der psychisch angeschlagenen Mutter. Und auch die Mitbewohnerin sucht am Abend noch ein offenes Ohr für ihre Beziehungsprobleme.

Wie Maya mit dem Strauß an Herausforderungen zurechtkommt, davon erzählt der TV-Film „Damen“ (zu sehen am Mittwoch, 18. Februar, 20.15 Uhr, ARD). Es sind Alltagskonflikte, in denen sich jeder wiederfinden könne, so Hauptdarstellerin Salka Weber im KURIER-Gespräch.

Szenenfoto: Salka Weber und Şafak Şengül sitzen entspannt auf einer Decke am steinigen Flussufer.

Maya (Salka Weber) mit ihrer Mitbewohnerin Sema (Şafak Şengül) in "Damen".

„Wir alle versuchen doch ständig, die Balance zwischen dem Hier und Jetzt und der Geschichte, aus der wir kommen und mit der wir unabänderlich verbunden zu sein scheinen, zu finden. Dabei scheitern, leiden, lieben und wachsen wir“, so die Wiener Schauspielerin. Angesprochen habe sie vor allem die Fragilität der Figur. „Man darf Maya dabei begleiten, wie Erfahrungen in ihr wirken und sie sich dadurch weiterentwickelt.“ Besonders schön finde Weber, „dass das in so einer Langsamkeit erzählt wird.“

Veränderte Sehgewohnheiten

„Damen“ behandelt auf leise Art und Weise Themen wie Freundschaft, Familie, Herkunft und Zugehörigkeit. „Es zeugt heutzutage von Mut, wenn Geschichten auch mal ohne Gewalt, Sex oder Action-Szenen auskommen, also ohne großes Drama. Ich weiß von Drehbuchautorinnen, dass sie teilweise die Vorgabe haben: Wenn nach 15 Minuten noch nichts Krasses passiert ist, wird die Geschichte so nicht erzählt.“

Welche Erwartungshaltung es da mittlerweile vom Publikum gibt, hat Weber selbst bei einem Kinobesuch in Berlin erlebt, als sie sich den rund dreistündigen Film „The Brutalist“ angesehen hat: „In der ersten Reihe saß eine Frau, die ungelogen die ganzen drei Stunden durch Online-Shopping betrieben hat. Ich konnte es gar nicht fassen. Durch Social Media haben sich die Aufmerksamkeitsspanne und die Sehgewohnheiten der Zuseher verändert, das hat natürlich auch Auswirkungen auf die Filmbranche“, so Weber, die selbst auch hinter der Kamera tätig ist.

Szenenfoto: Maya (Salka Weber) bereitet die Maske für Tänzer Philip (Patrick Isermeyer) vor, beide sind vor einem Spiegel und lachen.

Eine Szene aus "Damen": Maya (Salka Weber) trifft bei ihrer Arbeit auf Tänzer Philip (Patrick Isermeyer).

Mit ihrem Partner Leo Friedrich hat sie eben erst den Kurzfilm „Café Cairo“ gedreht, den sie gemeinsam geschrieben und produziert haben – eine „zwielichtige Komödie in einem Wiener Kaffeehaus, in der jeder nur eine Rolle spielt und höchstens glaubt, er selbst zu sein.“ Der Film soll nun bei diversen Festivals eingereicht werden.

Dreh am Gletscher

In einem gänzlich anderen Genre ist Weber zuvor aber in der Krimireihe „Alpentod“ an der Seite von Veronica Ferres und Tim Oliver Schultz zu sehen, in der Rolle der forensischen Archäologin Dr. Marie Sonnleitner. Gedreht wurde für die zwei neuen Fälle, die am 14. und 21. März bei ServusTV laufen, u. a. auf einem Gletscher: „Das war der schönste Ort, an dem ich je arbeiten durfte – aber so ein Drehort hat natürlich seine Tücken. Wir haben acht Stunden gedreht, die Luft war sehr dünn und wir sind mit Spikes im Schnee herumgeklettert.“

Ein Aufeinandertreffen gab es auch mit Christoph Luser, ihrem Ermittler-Kollegen aus dem ORF-Landkrimi „Dunkle Wasser“ (2023), der in „Alpentod“ eine Episodenrolle spielt: „Wir hatten leider keine Szene zusammen, aber wir haben uns am Set gesehen und das war sehr schön.“

Filmszene: Drei Personen stehen vor einem ausgebrannten Auto in einer Flusslandschaft.

Ermittelt wieder in "Alpentod": Salka Weber als Dr. Marie Sonnleitner.

Generell zieht es Weber für Drehs oft nach Deutschland, etwa für Serien wie „Deadlines“, „Oh Hell“, „Festmachen“ oder „The Game of Keys“ – die Amazon-Produktion soll im Laufe des Jahres starten. Wenn sie in Wien ist, könne Weber daher meistens entspannen. Heuer stehe aber noch ein Dreh in Österreich an, merkt sie lachend an: „Also doch nicht nur chillen.“

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