Sie kann in ihm lesen „wie in einem offenen Schundroman": Eva Herzig, Hary Prinz

© ORF/Stefan Haring

Kultur Medien
12/03/2019

"Steirerkreuz": Ein Chefinspektor ist keine politisch korrekte Figur

Hary Prinz über den neue Landkrimi „Steirerkreuz“ (20.15, ORF1) und die Arbeit mit Star-Regisseur Oscar Roehler.

„So ein Schas“, flucht Chefinspektor Sascha Bergmann (Hary Prinz) und schmeißt zornig die ungeliebte E-Zigarette in den Wald. Mitten im Nirgendwo der nächtlichen Steiermark gab es einen Aufschlag auf der Auto-Front. Vor ihm und Co-Ermittlerin Sandra Mohr (Miriam Stein) liegt eine tote Wildsau. „Ich dachte, wir sollten einen Mord aufklären?“, meint Mohr spitz. „Das nächste Mal fahr wieder ich.“

Mit einer Niederlage, wieder einmal, beginnt für den Chefinspektor „Steirerkreuz“ (20.15, ORF1), der dritte Landkrimi nach einem Roman von Claudia Rossbacher: Unweit des Pilgerwegs nach Mariazell wurde ein Mitglied der reichen, skrupellosen und streng katholischen Holz-Dynastie Fürst ermordet. Der Matriarchin (Gisela Schneeberger) wird schnell klar, dass das LKA nicht wie zuvor beschrieben „zwei ziemlich Blinde“ entsandt hat.

Macho-Schmäh

Wobei die Ermittler höchst unterschiedlich sind, wie Hary Prinz erläutert: „Bergmann ist ein Hedonist, dem der Beruf mehr oder weniger passiert ist. Er verfügt aber über viel Erfahrung und gute Menschenkenntnis. Sandra ist eine fähige, junge Kriminalistin, die mit Machos umgehen kann. Sie respektieren einander für das, was sie können.“

Mehr wird da aber nicht, obwohl es Bergmann, wie bei anderen Frauen, immer wieder, aber ohne Ehrgeiz, probiert. „Er hat gemerkt, dass es einen Altersunterschied gibt – und nicht nur den.“

Offenkundig wird’s, als Sohn Daniel (Johannes Nussbaum) plötzlich dasteht, der Sandra deutlich näher ist. Trost spendet Gerichtsmedizinerin Eva Merz (Eva Herzig), die genau weiß, was sie tut. „Ich kann in dir lesen wie in einem offenen Schundroman“, setzt sie einen stiletto-gleichen Satz von Drehbuch-Autor und Regisseur Wolfgang Murnberger. „Solche Dialoge sind Kunst“, lobt Prinz.

Dass Bergmann nicht nur Sympathieträger ist und sein Humor mitunter auf Stammtisch-Niveau pendelt, ist ihm als Schauspieler recht. „Der ist keine glatte, politisch korrekte Figur.“ Könne er auch gar nicht sein. „Durch unsere Rollen begegnen wir Polizisten in der Realität. Da bekommt man mit, dass das Menschen sind, die viel erleben und aushalten müssen.“ Und das müsse irgendwie wieder raus. „Sein schwarzer bis sexistischer Humor ist ein Rettungsanker für den Menschen hinter dem Chefinspektor – spannend.“

Damit ist er sehr anders als jene Figur, in der Prinz auch regelmäßig zu sehen ist: Thomas Komlatschek in die „Die Toten vom Bodensee“. „Ein skurriler, etwas zwanghafter, in einer eigenen Welt lebender Beamter.“

Dass er derzeit oft in Krimis zu sehen ist, sei erstens Zufall und zweitens gar nicht so, meint Prinz. „Ob Polizist, Liebhaber oder sonst was, ist zweitrangig. Mir ist wichtig, wie das Buch ist und was hinter der Figur steckt.“

So präsent er heute in Film und Fernsehen ist, zu Beginn war das Theater

– unter anderem Burg und Volkstheater – seine Welt. Erst 1997 gab er sein Langfilm-Debüt in Niki Lists „Der Schatten de Schreibers“. Viel gedreht hat er auch in Italien – „das meiste war nie bei uns zu sehen.“

Star-Aufgebot

Anders wird das mit „Enfant Terrible“. Der jüngst abgedrehte Film von Star-Regisseur Oskar Roehler, für Berlinale und Cannes gehandelt, widmet sich einem ebenso Unangepassten: Kino-Ikone Rainer Werner Fassbinder. Neben Oliver Masucci und Katja Riemann spielt Prinz eine der Hauptrollen, „ohne dass es da einen Österreich-Hintergrund gäbe, und das ist cool“. Prinz gibt Kurt Raab

– Schauspieler, Regisseur und engster Vertrauter Fassbinders. „Eine extrem spannende Arbeit – mehr darf ich derzeit noch gar nicht sagen.“

Prinzen-Rollen

Zur Person

Hary Prinz, (Jg. 1965, Wien) kam über seine Kabarettgruppe zum Schauspiel  (Schubert-Konservatorium). Es folgten Engagements u. a. an der Burg, in St. Gallen, am Volkstheater. Seit 1997 in Kino und TV präsent – Debüt mit Niki Lists „Der Schatten des Schreibers“. Es folgten u. a.  Götz Spielmanns „Die Fremde“ und „Antares“, Barbara Alberts „Fallen“ und jüngst erst Oskar Roehlers „Enfant Terrible“.  Im TV regelmäßig zu sehen in den Landkrimis Steiermark, „Die  Toten vom  Bodensee“, „… mit Hindernissen“-Reihe.