"Seven Dials" & Co: 4 Serien auf Agatha Christies Spuren

Lady Eileen, genannt Bundle (Mia McKenna-Bruce), telefoniert mit einem Informanten in der Netflix-Serie „Agatha Christie’s Seven Dials“.
Eine neue Adaption auf Netflix modernisiert den Krimi „Seven Dials“ klug und spannend. Für Nachschub sorgen weitere Serien, die im Schatten von Poirot und Co. stehen.

Genau einen Tag war die neue Agatha-Christie-Serienverfilmung „Seven Dials“ online, da war sie schon die zweitbeliebteste Serie. Ein Beweis dafür, dass die „Queen of Crime“ immer noch über genug Anziehungskraft verfügt. Auch wenn ihre Geschichten – wie hier – vor 101 Jahren spielen. Und auch wenn sie selbst seit genau 50 Jahren tot ist.

Auf Deutsch ist der Kriminalroman aus dem Jahr 1929 unter dem Titel „Der letzte Joker“ bekannt. Am Beginn steht auf Netflix eine mondäne Party, bei der Lady Caterham (Helena Bonham-Carter) ihren Unmut über ihre neureichen Mieter, die Cootes, damit zum Ausdruck bringt, dass sie sicher nicht mit ihnen Bridge spielt, denn: „Das wurde von einem Amerikaner erfunden. Auf einem Boot.“ 

Ihre Tochter Eileen, genannt Bundle (Mia McKenna-Bruce), wiederum ist nach einem Gespräch mit Gerry Wade, einem Freund ihres im Ersten Weltkrieg gefallenen Bruders, sicher, dass er ihr bald einen Antrag machen will. Dazu kommt es nicht, weil Jerry in der Früh inmitten von sieben wild läutenden Weckern tot aufgefunden wird. Zu viel Schlafmittel Chloral. Dass es ein Unfall oder gar Selbstmord ist, will Bundle nicht glauben. Scotland-Yard Ermittler Battle (Martin Freeman) muss – ob er will oder nicht – mit ihr zusammenarbeiten.

Selbstständige Frau

Die neue Adaption geht mit der Originalvorlage eher frei um, manches wird umgebaut, umgedeutet und modernisiert – bleibt dem Geist des Origininals aber treu. Eine selbstständige junge Frau war schon bei Agatha Christie im Fokus. Diese subkutane Modernität verbunden mit der Zeitlosigkeit der Gewalt in ihren Romanen ist es wohl, die dazu führt, dass diese sich alles andere als sperren gegen kreative Bearbeitungen.

Ein gutes Beispiel dafür ist die französische Serie „Agatha Christie: Mörderische Spiele“. In drei Staffeln griff die Serie immer wieder Geschichten der Krimispezialistin auf, versetzte sie aber jedes Mal zum einen nach Frankreich und zum anderen in ein anderes Jahrzehnt: Die erste Staffel war noch vergleichsweise „typisch“ in den 1930er-Jahren, dann folgten die 1950er und 60er und in der dritten Staffel ging es in die 1970er. 

Die zweite Staffel ist besonders charmant: es ermitteln ein mürrischer Kommissar und eine quirlige Journalistin, bei der es ein Wunder ist, dass sie nicht längst mit ihrem Motorroller verunglückt ist. Sie hat die unkonventionellen Ideen, die in die richtige Richtung führen. Und dann gibt es noch eine Sekretärin mit Goldfischglas, deren Stimme der Vernunft oft vonnöten ist. Die Serie kann man als Kauftitel auf Amazon Prime Video erwerben.

Fiktion der Fiktion

Aus Schweden kommt eine andere Adaption, die eine Figur ins Zentrum stellt, die sehr genaue Leser von Agatha Christie kennen: Sven Hjerson. Das ist ein finnischer Detektiv, den sich die Autorin Ariadne Oliver ausgedacht hat. Die hat sich wiederum Agatha Christie ausgedacht. Oliver ist außerdem eine Freundin von Hercule Poirot.

In der Serie „Agatha Christie’s Hjerson“ ist diese Figur ein exzentrischer Profiler unserer Zeit mit Vorliebe für Rohkost und Eisbaden. Eine Trash-TV-Produzentin will ihre Karriere retten, indem sie ihn für ihre True-Crime-Sendung gewinnt. Sie beißt sich erst die Zähne aus, aber dann beginnen sie gemeinsam in einem Mordfall zu ermitteln. Außerdem findet Hjerson eine Spur, die ihm Enthüllungen über seine familiäre Vergangenheit verspricht. Sehr spannend, sehr lustig, auf Amazon zu finden.

Dem bisher ebenso im Schatten von Marple und Co. gestandenen Ermittlerpaar Tuppence und Tommy Beresford widmet sich die Serie „Partners in Crime“. Die beiden machen sich auf die Suche nach einer verschwundenen Zugbekanntschaft und stolpern in Spionage und Verschwörung. Die sympathische Serie ist auf Amazon Prime abrufbar.

Kommentare