"Scrubs"-Seriencomeback: Noch immer kein Superman ...
Endlich wieder News mit den Initialen J. D., die nicht mit „... Vance“ weitergehen.
John Dorian, kurz J. D., kehrt nach 16 Jahren Bildschirmpause wieder ins Sacred Heart Hospital zurück. „Scrubs“ – Die Anfänger“ ist so ziemlich das spektakulärste Seriencomeback in diesem an Retro-Inhalten nicht gerade armen Jahr.
Die Fortsetzung der bestimmt lustigsten US-Krankenhausserie beginnt mit einer der charakteristischen Szenen aus J. D.s Gedankenwelt, von der Disney+ nicht möchte, dass man sie – okay, vor Ausstrahlung – verrät. Da die „Ausstrahlung“ von Folge 1 begonnen hat (die restlichen elf aus Staffel 10 kommen wöchentlich), könnte man eigentlich darüber berichten. Aber wir bleiben fair: Es geht in der Sequenz jedenfalls darum, dass J. D. (Zach Braff) eine Art unerschrockener Superman-Arzt sei – wobei diese Möglichkeit rasch ad acta gelegt wird. In Wahrheit arbeitet er mittlerweile als niedergelassener Arzt und untersucht wohlhabende Vorstädter auf, ähem, Fehlstellungen. Aber wie heißt es noch immer im Intro-Song? „I’m no Superman.“
Da eine seiner Privatpatientinnen ins Sacred Heart eingeliefert wird, begibt sich Dorian an seine ehemalige Wirkungsstätte. Was er dort im inneren Monolog sagt, fällt beim Zuseher auf fruchtbaren Boden: „Plötzlich überkam mich die Nostalgie. Der Geruch von gebohnerten Böden, das grelle Flackern der Leuchtstoffröhren ... und der Schrank, in dem sich Elliott und ich vor unserem ersten Notfall versteckt haben.“
Auf Elliot Reid (Sarah Chalke) trifft er relativ rasch, davor muss freilich eine turbulente Begrüßungsszene mit seinem früheren Lieblingskollegen Turk (Donald Faison) sein – nur der Rücken spielt dabei nicht mehr ganz mit.
J.D. (Zach Braff) und Cox (Todd c. McGinley)
Veränderungen
Dass die Jahre nicht spurlos an den Protagonisten vorübergezogen sind, wird also nicht verhehlt – der Spiellaune des Ensembles kann dies aber nichts anhaben.
Und dennoch hat sich einiges verändert. Oberzyniker Dr. Cox (John C. McGinley) wird nicht mehr ungebremst auf die Jungärzte losgelassen. Sibby Wilson, eine Beauftragte für den richtigen Ton und Umgang, schaltet sich immer dann ein, wenn Cox die aus seiner Sicht verzärtelten Anfänger zu beschimpfen droht. Sie bittet ihn dann, „einen Gang hinunterzuschalten“, und kommt gleich mit dem Killerwort „Work Life Balance“ an. Mit der Einführung dieser Figur (gespielt von Vanessa Bayer) ist Serienerfinder Bill Lawrence ein Schachzug gelungen, lässt sich doch die mittlerweile veränderte Welt so trefflich ironisieren. In der alten Welt stecken geblieben scheint Todd Quinlan (Robert Maschio), der verlässlich unter der Gürtellinie formuliert. Auch Krankenschwester Carla Espinosa (Judy Reyes) ist wieder an Bord, um Organisation ins Chaos zu bringen. Und die Rückkehr des "Hausmeisters" - in welcher Form auch immer - wurde ebenfalls bereits angeteasert.
Charme, Herz und Witz
Leider trennt sich Lawrence bereits rasch von einer bedeutenden Figur. Aber das tut dem – nach Begutachtung der ersten Folgen – gewonnenen Eindruck keinen Abbruch, dass Charme, Herz und Witz von „Scrubs“ – und auch die Bewältigung von Tragischem – blendend ins Jahr 2026 übertragen wurden.
Das Feierabendbier am Spitalsdach ist gesichert.
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