Das "SOKO"-Team wird auf die Probe gestellt: Julia Cencig (Nina Pokorny), Jakob Seeböck (Lukas Roither)

© ORF/Stefanie Leo/gebhardt productions

Porträt
03/16/2020

ROMY-Nominee Jakob Seeböck: „Wir sind Hackler“

In „SOKO Kitzbühel“ ist Jakob Seeböck am Dienstag in der 250. Folge zu sehen. Bereits am Montag steht er auf der anderen Seite des Gesetzes.

von Dietmar Pribil

Am Dienstag ist Jakob Seeböck in der 250. Folge von „SOKO Kitzbühel“ als Major Lukas Roither zu sehen (20.15, ORF1). Eine Rolle, für die der 43-Jährige in diesem Jahr für eine ROMY als „Beliebtester Darsteller Serie/Reihe“ nominiert wurde. Bereits am Montag gibt er in „Wischen ist Macht" (21.05, ORF1) eine Banker, der eigentlich gerade mit einem Batzen Geld auf der Flucht ist.

Im Interview mit KURIER.TV spricht der sympathische Wiener über...

... seine Kindheit mit bekannten Schauspielern als Mutter (Erika Mottl) und Vater (Herwig Seeböck):

Mir war relativ früh bewusst, dass meine Eltern weit über den Kindergarten hinaus bekannt sind. Auch wenn viele Kinder geglaubt haben, mein Vater sei der Bud Spencer – weil er ihm halt ein bisschen ähnlich geschaut hat. Ich wurde als Säugling durch die Künstler-Garderoben des Volks- und Burgtheaters getragen, bei den Salzburger Festspielen waren meine Schwester und ich mit der Mama am Bauernhof, während mein Vater im „Jedermann“ gespielt hat. Und wir haben viel Zeit im Waldviertel verbracht. Dort hatte ich als Kind ein Schlaraffenland an Freiraum und Sicherheit. Wir sind mit dem Moped über die Feldwege gerattert, wir waren völlig frei. Und was wir für Strecken mit den Fahrrädern zurückgelegt haben – mit alten Radeln, ohne Helm, ohne Schuhe. Meine Knie schauen heute noch aus wie Ackerfurchen.

... die Entdeckung der Liebe zur Schauspielerei:

Witzigerweise hat es sich durch meine Kindheit und frühe Jugend gezogen, dass ich es völlig abgelehnt habe, Schauspieler zu werden. Ich habe mit zehn begonnen, Schlagzeug zu spielen und war immer in irgendwelchen Bands. Da konnte ich mich ein bisschen verstecken, hinter dem Schlagzeug und der Musik. Das sollte sich dann Mitte der 1990er-Jahre ändern: Mein Vater hatte am Sieveringer Steinbruch ein Open-Air-Theater ins Leben gerufen und dort bin ich zum ersten Mal mit dem Theater in Berührung gekommen. Ich habe kleinere Rollen gespielt, Soldaten oder Piraten im Hintergrund. Was mich aber am meisten fasziniert hat, war nicht so sehr die Tätigkeit auf der Bühne, sondern vielmehr diese Gemeinschaft, der Zusammenhalt von Menschen, die alle ein gemeinsames Interesse teilen, nämlich eine Geschichte zu erzählen.

Wir waren da oben auf dem Steinbruch wie Hippies, die ein Zeltlager machen. Wir haben alles selbst gemacht, die Kostüme genäht, die Bühnenbilder gebaut, haben Nachtwache gehalten. Man hat alles von der Pike auf gelernt. Wir waren zwar kein fahrendes Volk, aber wir haben so gelebt wie ein Zirkus. Das war wunderschön. Man sitzt nachts ums Feuer und spielt am nächsten Tag Shakespeare. Das hat was! Das ist mir ganz, ganz nahe gegangen. Ich denke oft und gern an diese Zeit zurück.

... seine erste Hauptrolle:

Mein Vater hatte das Stück „Der Hund von Baskerville“ für den Steinbruch satirisch umgeschrieben auf „Buschkawüü in Baskerwüü“, ein Freund von mir hat eine der Hauptrollen bekommen. Eines Abends brach sich besagter Freund jedoch noch vor der Pause auf dem finsteren Waldweg zur Bühne den Fuß. An einen Abbruch war nicht zu denken, die Zuschauer wollten, dass es weiter geht. Also bin ich nach der Pause raus und habe aus dem Stegreif diese Hauptrolle übernommen. Das hat mir wahnsinnig gutes Feedback und auch Lob vom Vater eingebracht. Nach einigen weiteren Vorstellungen dachte ich mir: „Okay, pfeif drauf, dann mach ich’s halt.“ Wenig später war ich am Schubert Konservatorium in Wien und habe Schauspiel studiert.

... die Höhen und Tiefen im Schauspielberuf:

Ich habe schon früh gesehen, wie glamourös und schön dieser Beruf ist, wenn du auf der Bühne stehst. Ich habe bei meinen Eltern aber auch mitbekommen, wie mühsam es sein kann. Wenn man schauen muss, dass man Aufträge hat; wenn man sich anbiedern muss, damit man besetzt wird. Du hast als Schauspieler einfach keinen Job, den du hast und der dir bleibt. Mein Vater war da sehr eigen, geradezu engstirnig: Er hat sich nie verbogen, nur das gemacht, was er wollte. Er hatte etwa die Möglichkeit neben Christiane Hörbiger in „Die Gottesanbeterin“ zu spielen. Er trug damals privat einen knallrot gefärbten Bart und beim Casting meinte man, dass er diesen für den Dreh wieder schwarz färben müsste. Das wollte er nicht. Und lehnte die Rolle ab.

... seinen Einstieg bei „SOKO Kitzbühel“ 2009:

Katharina Schenk, die heutige Leiterin der ORF-Hauptabteilung Fernsehfilm, hat mich damals aufgrund eines Auftritts als Förstersohn in „Schlosshotel Orth“ zum Casting für die Ermittlerolle in „SOKO Kitzbühel“ eingeladen. Ich muss gestehen: Wenn du als junger Schauspieler zu so einem Casting gehst, hast du die Hosen voll. Weil du weißt: Das ist eine Serie, der Jackpot. Wenn ich Glück habe, geht das über Jahre – mit jeweils 100 Tagen, an denen du vor der Kamera arbeitest. Ich habe dann binnen 25 Minuten zwei Anrufe bekommen: Der eine war von meiner damaligen Agentin, die mir verkündet hat, dass ich der neue „SOKO“-Kommissar werde. Der andere kam von meiner Frau, die mir erklärt hat, dass ich Vater werde. An diesem Tag ging es richtig los in meinem Leben ...

...die Gefahr, es sich nach zehn Jahren in derselben Rolle „gemütlich“ zu machen:

Natürlich besteht diese Gefahr. Man beginnt mit einer neuen Rolle, ist unglaublich motiviert, hat hunderttausend Dinge im Kopf, die man umsetzen möchte. Es wird dir dann aber bald gesagt: „Du bist hier nicht engagiert, um das Rad neu zu erfinden, sondern um das Rad am Laufen zu halten.“ Im Gegensatz zum Film geht es nicht darum, sich jeden Tag aufs Neue künstlerisch zu entfalten. Wir sind Hackler. Wir machen Serie. Wir liefern. Umso mehr bin ich dankbar für jene Phasen, in denen sich die Rolle des Lukas Roither verändert. Es hat mir zum Beispiel wahnsinnig viel Spaß gemacht, die Mid-Life-Crises zu spielen. Oder die Liebschaft mit der Therapeutin, die dann in meinen Armen verblutet ist. Diese neuen Aufgaben helfen sehr, nicht in einen Trott zu geraten.

Die Karriere als Darsteller wurde dem 1976 in Wien geborenen Jakob Seeböck als Sohn des Schauspielerpaares Erika Mottl und Herwig Seeböck regelrecht in die Wiege gelegt, bereits als 15-Jähriger hat er in  Produktionen der Eltern mitgewirkt.

Dennoch entschied er sich erst mit Mitte 20 dafür, eine Schauspielschule zu besuchen. Danach folgten, neben zahlreichen Theaterauftritten, Engagements in TV-Serien wie „Medicopter“, „Schlosshotel Orth“ oder „Die Lottosieger“.  

Im Kino gab Seeböck seine Schauspielkunst in Filmen wie „Die Viertelliterklasse“ oder „Poppitz“ zum Besten. Seit 2009 spielt der zweifache Vater den Lukas Roither in „SOKO Kitzbühel“. 

... die Vorteile einer dauerhaften Serienrolle:

Ich habe „SOKO Kitzbühel“ viel zu verdanken. Neben einem fixen Engagement vor allem einen gewissen Bekanntheitsgrad. Man darf nicht vergessen, dass wir in Deutschland bis zu sechs Millionen Zuschauer haben. Ich bekomme jetzt auch Anfragen von deutschen Filmfirmen, zuletzt war ich zwölf Tage lang für einen ARD-Filmdreh in Australien. Im letzten Winter durfte ich eine Gastrolle in „Wischen ist Macht“ (Anm.: zu sehen am kommenden Montag in ORF 1) spielen. Und der Höhepunkt ist jetzt die Nominierung für die ROMY. Das ehrt mich sehr! Was sich seit Tagen auf meinen Social-Media-Kanälen abspielt, ist gewaltig.

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