"Das ist nicht mein ORF“: Ingrid Thurnher will "Klarheit schaffen“

Appell bei der ORF III-Programmpräsentation: "Welches Bild da entstanden ist, das ist höchst irritierend. Das tut weh."
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Ingrid Thurnher hat die ORF III-Programmpräsentation für einen Appell genützt – für den ORF, für Aufklärung und gegen das Bild des öffentlich-rechtlichen Senders, das in den letzten Tagen gezeichnet wurde. „Das ist nicht mein ORF“, sagte die Interimschefin am Montagabend vor der Belegschaft.

„Was da in den vergangenen Wochen über uns ORFler und den ORF gesagt, geschrieben, gesprochen wurde, welches Bild da entstanden ist, das ist höchst irritierend. Das tut weh. Das tut mir leid und da müssen wir dringend etwas dagegen tun“, sagte sie.

Thurnher hatte nach dem Rücktritt von Roland Weißmann die Führung des Unternehmens übernommen. Das Wichtigste sei für sie, „Klarheit zu schaffen und Klartext zu reden“, sagte sie nun zur Aufklärung der Vorgänge und Vorwürfe, der sie sich verschrieben hat. 

Weißmann bestreitet die Vorwürfe und ließ seinen Anwalt ausrichten, dass es sich um eine Beziehung im beidseitigen Interesse gehandelt habe, in der er keinen Druck ausgeübt habe. Er ist beurlaubt und hat seinen Anwalt Strafanzeige gegen zwei Personen bei der Staatsanwaltschaft Wien einbringen lassen. Diese prüft, ob ein Anfangsverdacht vorliegt. Seit dem Aufkommen der Affäre sind im ORF viele Fronten aufgebrochen; Teil der Debatten sind die ORF-Stiftungsräte und der hoch bezahlte Manager Pius Strobl.

„ORF zurückholen“

„Wenn ich hier sage, mein ORF, dann meine ich damit nicht, dass er mir gehört – der gehört nicht mir, der gehört nicht der Geschäftsführung, der gehört nicht dem Stiftungsrat, der gehört nicht der Politik – der ORF gehört uns allen. Diese Message möchte ich so dringend wieder in den Köpfen des Publikums verankern. Denn unsere Existenzberechtigung ist unser Publikum.“ Der Sender sei „ein wichtiger Teil der demokratischen Infrastruktur dieses Landes. Darauf müssen wir sehr, sehr gut aufpassen“ – und wir sollten uns unseren ORF wieder zurückholen.“

Bei ORF III, schrieb Thurnher im Programmheft, stünden im 15. Jahr des Bestehens „kulturelle Kompetenz und journalistische Verantwortung mit hohem Anspruch auf Qualität im Mittelpunkt des Programms“. Anlässlich der Austragung des Eurovision Song Contests in Wien lässt ORF III gemeinsam mit den Vereinigten Bühnen Wien Musicalstars im Rahmen von „Best of Eurovision“ am 11. Mai vor dem Wiener Rathaus einen Streifzug durch sieben Jahrzehnte des größten Musikbewerbs der Welt unternehmen. Auch das Staatsopern-Open-Air (6. 9.), die „Tosca“ aus St. Margarethen oder zwei Konzerte der Salzburger Festspiele werden übertragen.

Der Sender hat dabei ein neues Erscheinungsbild, wie ORF III-Chefredakteurin Lou Lorenz-Dittlbacher betonte. „Optisch waren wir schon ein bisschen alt“, sagte ORF III-Kogeschäftsführerin Kathrin Zierhut. „Und deswegen freue ich mich sehr, dass wir mit der Konzernmutter gemeinsam dieses neue Corporate Design on air bringen.“

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