© ORF/ORF/Petro Domenigg

Interview
10/28/2021

Neue Folgen von "Vienna Blood": "Tarantino hat noch nicht angerufen"

Matthew Beard und Juergen Maurer ermitteln am Wochenende in drei neuen Fällen der Krimiserie (zu sehen in ORF2). Die beiden Hauptdarsteller im Interview.

von Gabriele Flossmann

Neue Folgen der Erfolgsserie „Vienna Blood“ führen das Publikum dreimal mehr in die schön-schaurigen Abgründe des Fin-de-Siècle-Wiens (ab Samstag im ORF, die genauen Sendetermine finden Sie in der Infobox unten). Der Psychiater Max Liebermann (gespielt vom Briten Matthew Beard) und der Kriminalist Oskar Reinhardt (Juergen Maurer) versuchen gemeinsam wieder, knifflige Mordfälle zu lösen. Die beiden ergänzen einander gut - auch privat, hinter den Jahrhundertwende-Kulissen.

Auch die Folgen 4 bis 6 von „Vienna Blood“ basieren auf den Romanen „The Liebermann Papers“ des britischen Psychiaters Frank Tallis, die Drehbücher stammen wieder von Steve Thompson - dem Autor der „Sherlock Holmes“-Reihe mit Benedict Cumberbatch. Der auf Historienfilme spezialisierte Regisseur Robert Dornhelm bietet spektakuläre Wiener Schauplätze.

KURIER: Als Sie zusagten, die Hauptrollen in einer Krimiserie zu übernehmen, die in Österreich zur Jahrhundertwende spielt – hatten Sie da schon an den internationalen Erfolg geglaubt?

Matthew Beard: Man weiß das nie so genau, wenn man am Beginn eines solchen Unternehmens steht. Denn immer wieder kommt es vor, dass man während der Dreharbeiten denkt, dass die Zuschauer begeistert sein werden – und dann wird es ein Flop. Man kann also nur versuchen, Spaß an der Arbeit zu haben und das Beste zu geben.

Juergen Maurer: Schon die ersten drei Drehbücher fand ich superspannend. Nicht nur weil die Zeit, in der sie spielen, faszinierend ist, sondern auch weil die Psychoanalyse bei der Lösung der Fälle eine entscheidende Rolle spielt. Es ist immer spannend, wenn es nicht nur um äußere Umstände, sondern auch um die Seele geht. Ich würde mich sehr freuen, wenn die Produzenten beschließen, mit dieser Serie weiterzumachen. Die Folgen 7 bis 9 sind ja angeblich schon in der Pipeline.

Anfang des 20. Jahrhunderts war Wien ein Schauplatz für den Aufbruch der Moderne – aber auch eine Wiege des Faschismus und Nationalismus. Waren die möglichen Parallelen zu heute und der Rechtsruck, den wir in der heutigen Politik beobachten können und müssen auch ein Thema während der Dreharbeiten?

Matthew Beard: Robert Dornhelm hat von Anfang an betont, dass er keinen „Historienschinken“ machen wolle. Ich habe als Vorbereitung für die Dreharbeiten „Die Welt von gestern“ von Stefan Zweig gelesen. Und darin kommen immer wieder Zeilen vor, die heute geschrieben sein könnten. Ich war beim Lesen sehr betroffen, als mir klar wurde, wie eng die Welt von gestern mit der Welt von heute verbunden ist.

Juergen Maurer: Der Satz „Die Geschichte wiederholt sich“ ist ebenso traurig wie wahr. Eine der Wurzeln des Übels ist die „Angstmache“, die von Politikern so gerne betrieben wird. Wie etwa die Angst vor Fremden, die heute leider noch genauso funktioniert wie damals. Wie der Antisemitismus. Wobei die Nazis nicht für sich in Anspruch nehmen können, den erfunden zu haben. Aber sie haben ihn perfektioniert, um die Angst der Bevölkerung zu schüren und politisch für sich zu nutzen. Und genau das ist es, was wir heute wieder haben. Wenn jemand politisch rasch etwas durchsetzen will, dann geht das am sichersten mit dem Faktor Angst. In unseren Filmen bilden diese gesellschaftlichen Gegebenheiten aber nur den Hintergrund für eine spannende Krimi-Handlung.

Verfolgen Sie auch die heutige österreichische Politik?

Matthew Beard: Was ich von meinen Freunden hier höre und den Medien entnehme, wirken einige der politischen Aufreger in Österreich eher komisch und surreal. Es gibt in Großbritannien eine Comedy-Serie, die sich unter dem Titel „The Thick of It“ – was so viel heißt wie „mittendrin sein“ oder „aus der Nähe beobachtet“ – satirisch mit der britischen Politik auseinandersetzt. Ich habe den Eindruck, dass in Österreich – genauso wie in Großbritannien oder in den USA – die Stand-up-Comedians und Kabarettisten bald arbeitslos werden, weil ihre Programme von der Realität übertroffen werden.

Das Filmbusiness neigt zum „Type-Casting“: Wenn man als Schauspieler in einem Genre erfolgreich ist, wird man immer wieder in ähnlichen Rollen besetzt. Spüren Sie das seit „Vienna Blood“?

Matthew Beard: Ich weiß zwar nicht, wie solche Besetzungsentscheidungen ablaufen, aber ich merke tatsächlich, dass ich immer mehr Drehbücher zugeschickt bekomme, in denen Typen vorkommen, die ähnlich wie Max Liebermann ticken (lacht). Aber vielleicht ist das nur ein Zufall. Auf jeden Fall spiele ich lieber in einer neuen Staffel den Max Liebermann, als Figuren, die Max ähnlich sind, in anderen Produktionen.

Juergen Maurer: Der Quentin Tarantino hat noch nicht angerufen. Aber das kann ja noch kommen (lacht). Aber weil sie vom „Type-Casting“ sprechen. In diese Falle versuche ich möglichst nicht zu gehen und daher versuche ich, möglichst unterschiedliche Rollen zu spielen. Ich glaube nicht, dass der Typ, den ich in den „Vorstadtweibern“ spiele, etwas mit dem Oskar Reinhardt zu tun hat. Aber ich spiele beide Figuren gerne – und hoffentlich noch möglichst oft.

Die Sendetermine
ORF2 zeigt  drei neue Folgen von „Vienna Blood“: „Die traurige Gräfin“ (Samstag, 30. 10.), „Die schwarze Feder“ (Sonntag, 31. 10.), „Vor der Dunkelheit“ (Montag, 1. 11.), jeweils 20.15 

Die Schauspieler
Matthew Beard, Juergen Maurer, Miriam Hie; in Episodenrollen: Sunnyi Melles, Erwin Steinhauer u. a.

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